Neue Krimis

Zweimal Frankreich, einmal Italien sind die Schauplätze der Krimis, die wir Ihnen hier vorstellen. Noch ein Unterscheidungsmerkmal: Zwei spielen heute, einer in den 30er Jahren. Allen gemeinsam: Das Meer ist nicht weit. Doch für welches Buch Sie sich auch entscheiden: Sie werden gefesselt sein!

Die Entscheidung
Simon sitzt kurz vor Weihnachten allein im Ferienhaus seines Vaters in Südfrankreich, weil seine Kinder ihn versetzt haben. Sie wollen die Ferien lieber in Hamburg bei ihrer Mutter und deren Freund verbringen. Selina, einem jungen Mädchen aus Bulgarien, gelingt die Flucht vor skrupellosen Verbrechern. Nathalie, ein junges Mädchen aus Metz, ist nicht ganz so erfolgreich bei ihrer Flucht vor den brutalen Verfolgern ihres kriminellen Freundes. Durch Zufall trifft sie Simon, der ihr helfen will. Doch weder er noch sie ahnen, dass sie ihn durch diese Entscheidung in eine mörderische Geschichte hineinzieht. Denn durch Selinas Flucht werden eine Kette von Verwicklungen ausgelöst, die nicht nur Simon und Nathalie in große Gefahr stürzen.

Wie schafft es Charlotte Link bloß immer, dass man schon nach wenigen Seiten von ihren Büchern gefesselt ist? Und bei "Die Entscheidung" ist das besonders kompliziert, da der Leser am Anfang von einem Schauplatz zum nächsten springen muss und erst nach und nach die Zusammenhänge klar werden. Nathalies Geschichte wird von ihr auch noch rückwirkend erzählt. Aber das macht alles nichts - man will nur lesen, lesen, lesen! Ausnahmsweise hat Charlotte Link mal nicht England, sondern Frankreich als Schauplatz gewählt: Die winterliche, verregnete Provence und die Armenviertel von Metz und Lyon bieten die düstere Kulisse für diesen spannenden Thriller.
"Die Entscheidung" von Charlotte Link ist als gebundenes Buch bei Blanvalet erschienen und kostet 22,99 Euro.

Nacht über Neapel
Neapel in den 30er Jahren: Commissario Ricciardi ist noch depressiver als sonst, weil seine alte Kinderfrau Rosa gestorben ist - die Frau, die seine einzige Familie darstellte. Brigadiere Maione macht sich große Sorgen um ihn, weil es nicht einmal einen Fall aufzuklären gibt, der ihn wirklich in Anspruch nehmen könnte. Doch dann erscheint die schöne Contessa Bianca di Roccaspina und bittet ihn, in einem Fall zu ermitteln, der schon seit drei Monaten abgeschlossen ist. Ihr spielsüchtiger Mann hat behauptet, den Geldverleiher Piro umgebracht zu haben, aber die Contessa weiß, dass das nicht sein kann. Ihr Mann lag zur Tatzeit betrunken zuhause in seinem Bett. Ricciardi macht sich an die Arbeit, auch wenn er keinen offiziellen Auftrag für Nachforschungen beantragt. Tatsächlich findet er etwas heraus - doch dieses Wissen ist gefährlich...

Dies ist bereits der siebte Band der erfolgreichen Serie um Commissario Ricciardi im faschistischen Italien der 30er Jahre. Dieser Sohn aus reichem Hause, der eigentlich gar nicht arbeiten müsste, hat eine ungewöhnliche Gabe, die eher ein Fluch ist: Er kann die letzten Gedanken von Ermordeten hören. Die Gabe macht ihn zu Einzelgänger, sein einziger Freund ist der Brigadiere Maione. Dabei ist es nicht so, dass er den Frauen nicht auffällt - aber auch sein Verhältnis zum weiblichen Geschlecht ist schwierig. Doch all dies macht die Figur natürlich erst richtig interessant und auch der Fall ist ungewöhnlich - also ist ein Einsteigen in diese Serie unbedingt empfehlenswert!
Autor Maurzio de Giovanni ist einer der erfolgreichsten Schriftsteller Italiens und lebt in Neapel.

"Nacht über Neapel" von Maurizio de Giovanni ist als gebundenes Buch bei Goldmann erschienen und kostet 19,99 Euro.

Bretonische Flut
Der Sommer beginnt mit strahlendem Sonnenschein, die ersten Touristen kommen - und Kommissar Dupin wird in die Auktionshalle von Douarnenez gerufen, weil die Leiche einer jungen Frau zwischen Fischabfällen in einem Müllcontainer gefunden wurde. Es handelt sich um eine Fischerin von der Île de Sein, die allein mit ihrem Boot zum Fischen fuhr. Die Ermittlungen laufen sofort auf Hochtouren, seine Mitarbeiter Riwal, Kadeg und Nolwenn, die nebenbei auf einer Demo aktiv ist, versorgen den Nicht-Bretonen nicht nur mit den angeforderten Informationen, sondern auch mit typischen bretonischen Legenden. Dann passiert ein zweiter Mord. Kommissar Dupin gibt alles - auch aufs Meer muss er wieder hinaus - sogar bei Sturm.

Dies ist der fünfte Band der in der Bretagne spielenden Serie mit dem aus Paris stammenden Komissar Dupin, der sich redlich bemüht, sich in diesem oft rauen Landstrich mit den sehr eigenwilligen Bewohnern einzuleben. Klar, dass beide in den Krimis eine große Rolle spielen. Der Leser erfährt darüber hinaus eine Menge über Flora und Fauna - und der Küche der Bretagne! Da denkt man doch glatt über ein neues Urlaubsziel nach...
"Bretonische Flut" von Jean-Luc Bannalec (ein Pseudonym) ist als Taschenbuch bei Kiepenheuer & Witsch erschienen und kostet 14,99 Euro.

Quellen und Bildrechte:

  • Foto 1: Familien-Welt