Buchtipps: Zweimal spannendes Thriller-Vergnügen

Wenn die Fassade bröckelt und immer mehr den Schmutz dahinter zeigt... Die beiden Thriller-Autorinnen Liz Moore und Hannah Ritchell beherrschen diese Kunst der kleinen Schritte meisterhaft, es ist ein fesselndes Vergnügen, ihre Romane zu lesen!

Der Gott des Waldes

Buchcover von "Der Gott des Waldes"Die reiche Familie van Laar besitzt ein luxuriöses Sommerhaus in den Adirondak Mountains und ein Sommercamp in der Nähe, in dem seit vielen Jahren Jugendliche von wohlhabenden Eltern ihre Sommerferien unter Aufsicht verbringen können. Was auf den ersten Blick wunderbar klingt, sieht auf den zweiten Blick schon ganz anders aus: Im Sommer 1961 verschwindet der kleine Sohn der van Laars, Bear, spurlos. Schließlich wird ein Mitarbeiter, der kurze Zeit später an einem Herzinfarkt stirbt, zum Täter erklärt und die Akte geschlossen. 14 Jahre später verschwindet Bears Schwester Barbara, die in diesem Jahr an dem Camp teilnimmt, ebenfalls spurlos. Dieses Mal wird gründlicher untersucht und auch die van Laars müssen sich vielen unangenehmen Fragen stellen...

Autorin Liz Moore springt zwischen 1961 und 1975 hin und her und deckt so Stück für Stück einer tragischen Geschichte auf, die das Leben einiger Menschen zerstört und beeinflusst hat. Es tun sich menschliche Abgründe auf, wenn der Leser/die Leserin mehr über die ehrenwerten Herren der Familie van Laar erfährt, der die Durchsetzung eigener Interessen und ein makelloses gesellschaftliches Ansehen über alles geht. Dazu eine schwache Mutter, die es nicht schafft, sich gegen diese Männerherrschaft aufzulehnen, nicht einmal, um die eigene Tochter zu beschützen. Doch in diesem fulminanten Thriller gibt es glücklicherweise auch starke Frauen, die die Männer in ihre Schranken verweisen; allen voran die Ermittlerin Judy.

Auch Barack Obama hatte diesen The New York Times Bestseller auf seiner Summer Reading List!

"Der Gott des Waldes" von Liz Moore, übersetzt von Cornelius Hartz, ist bei C.H. Beck erschienen und kostet 26 Euro.

Das Wochenende

Buchcover von "Das Wochenende"Max und Annie Kingsley, beide Mitte 40, haben ihr anstrengendes Leben als Architekten in London aufgegeben, um mit ihrem Adoptivsohn Kip (12) ein neues Leben an Cornwalls Küste zu beginnen. Als Testlauf für ihren luxuriösen Glampingplatz „Wildernest“ haben sie ihre Freunde aus Studientagen samt ihren Familien übers Wochenende eingeladen. Auch wenn sich (fast) alle über das Wiedersehen freuen, kommen doch bald Spannungen auf. TV-Star Dominic kommt mit seiner zweiten Frau und seinen drei Kindern, von denen besonders Scarlet (16) total genervt von diesem Ausflug ist - es gibt nicht mal Internet. Die drei Kinder von Suze und Jim nehmen das gelassen. Die Ärztin Kira kommt mit ihrem neuen Partner Fred und Baby Asha. Beim abendlichen Lagerfeuer kommt es zu einem heftigen Streit. Und als dann am nächsten Tag ein Sturm losbricht und eins der Kinder von einem Strandausflug nicht zurückkehrt, liegen die Nerven blank. Alte Konflikte, neue Geheimnisse und Aggressionen sorgen zusätzlich dafür, dass die Situation immer mehr aus dem Ruder läuft...

Autorin Hannah Ritchel erzählt diesen Thriller quasi in Rückblenden: Am Tag nach dem Sturm ist die Polizei da und führt mit allen Beteiligten Gespräche, um herauszufinden, was passiert ist. Alle Protagonisten kommen abwechselnd zu Wort und erzählen von diesem Wochenende, das sich zu einem Horror-Trip entwickelte. Die Fassade bröckelt immer mehr und die Leserinnen und Leser geraten in einen Sog, der es schwer macht, das Buch aus den Händen zu legen.

"Das Wochenende" von Hannah Ritchel, übersetzt von Sabine Längsfeld, ist als Taschenbuch bei Rowohlt erschienen und kostet 18 Euro.

Quellen und Bildrechte:

Ähnliche oder weiterführende Artikel