Buchtipp der Woche: "Bella Ciao" von Raffaella Romagnolo

Bauern, Arbeiter, Teilpächter, Schuster und Gemüsehändler - alles Menschen, die unendlich viel arbeiten und trotzdem kaum das Nötigste zum Leben haben - sind die Heldinnen und Helden dieses Romans aus Italien aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Unbedingt lesen - dieses Buch lässt einen nur schwer wieder los!

Anfang des 20. Jahrhunderts in einem kleinen Dorf im Piemont: Giulia und Anita sind beste Freundinnen und stehen sich in allem bei. Doch eines Tages sieht Giulia, wie ihr Verlobter ihre beste Freundin küsst und umarmt. Voller Verzweiflung geht sie den ihr einzig denkbaren Weg: Sie kauft sich von ihren Ersparnissen eine Schiffspassage von Genua nach Amerika. In New York angekommen, hat sie großes Glück: Sie landet bei dem Gemüsehändler Libero, der sie trotz ihrer Schwangerschaft heiratet. Von da an verläuft ihr Leben in glücklicheren Bahnen.

Buch "Bella Ciao"Auch für Anita sieht es erstmal gut aus: Nachdem sie ein Jahr nach Giulia gesucht haben, heiraten sie und Pietro, der ehemalige Verlobte von Giulia, und sie bekommen einen Sohn. Doch dann bringen zwei Weltkriege und der Faschismus Ünglück über das Land und der Lebenskampf der Familie Leone wird immer wieder vor neue Aufgaben und Katastrophen gestellt. 1946 kommt Giulia Masca mit ihrem Sohn als reiche Frau zurück in das Städtchen ihrer Kindheit und begibt sich auf die Suche nach ihren ehemaligen Freunden. Anita lebt tatsächlich noch und die Freundinnen erzählen sich ihre Geschichte...

Der Besuch von Giulia in ihrer alten Heimat bildet die Rahmenhandlung dieser wunderbaren und berührenden Geschichte, die einen Zeitraum von fast 50 Jahren umfasst. Wechselseitig wird die Lebensgeschichte dieser beiden starken Frauen erzählt, doch in ihrem Umfeld gibt es noch viel mehr tolle Frauen und Männer, die unter widrigsten Umständen versuchen, ihren Weg zu gehen, ihre Familie zu schützen und Recht und Anstand hochzuhalten. Jeder Menge Liebe, Freundschaft, Tatkraft und dem Einsatz für die gute Sache stehen Gewalt, Rassismus, Mord, Gier und Bosheit gegenüber. Ein wunderbares Buch, das trotz aller Dramen immer wieder Hoffnung durchscheinen lässt.

Die Autorin Raffaella Romagnolo wurde 1971 in Casale Monferrato in Italien geboren. Sie unterrichtet Geschichte und Italienisch an einem Gymnasium. Seit 2007 schreibt sie auch Romane. "Bella Ciao" hat schon großes Aufsehen erregt und wird in viele Sprachen übersetzt.

"Bella Ciao" von Raffaella Romagnolo ist als gebundenes Buch bei Diogenes erschienen, hat 514 Seiten und kostet 24 Euro.

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