Convenience Food: schnelle Alternative oder Ungesundes für Faule?

Brühwürfel, Instant-Tütensuppen, Dosenravioli, Tiefkühlpizza, Fischstäbchen - die Liste von Convenience-Produkten, die seit Jahrzehnten fester Bestandteil in deutschen Küchen sind, ist lang. Doch was sind sie: Fluch oder Segen?

Convenience - was ist das eigentlich?

Branchenexperten und Marktforscher sind sich einig: "Convenience" gehört seit langem zu den wichtigsten Trends im Handel. Die Nachfrage nach Produkten, die den Einkauf von Lebensmitteln oder den Verzehr inklusive der Zubereitung vereinfachen, steigt seit Jahren, wie der aktuelle "Trendreport Convenience" des Medienhauses Sevenonemedia AG belegt.

In der wörtlichen Übersetzung steht der Begriff Convenience für "Annehmlichkeit", "Bequemlichkeit" und "Komfort". Bekannt geworden ist der Begriff Convenience jedoch durch seinen Siegeszug in der Ernährungsindustrie - Convenience-Food.

ImageConvenience-Food Produkte sind grundsätzlich alle Lebensmittel, die einen höheren Bearbeitungsgrad als Rohware aufweisen und durch bestimmte Verfahren haltbar gemacht werden. Da so letztlich sehr viele Lebensmittel in diese Kategorie fallen, gibt es verschiedene Unterscheidungskriterien. So unterteilt man Convenience-Food …

  • einerseits in unterschiedlich hohe Verarbeitungsgrade des Rohmaterials,
  • andererseits in die Art der Haltbarmachung (siehe Grafik).

Das Marktforschungsinstitut GfK begründet den Trend zu Convenience-Produkten mit einer Reihe von zeitgeschichtlichen Phänomenen und deren Folgen: Im Vergleich zu den 50er, 60er und 70er Jahren sind heute deutlich mehr Frauen berufstätig. Zudem steigt die Zahl der kleineren Haushalte seit einigen Jahren stetig und deutlich an, während die durchschnittliche Anzahl der Kinder in den Familien zurückgeht. Als Folge davon - so die GfK - schichtet die heutige Generation einerseits die verbleibende Freizeit um und will weniger Zeit für Kochen und Einkaufen aufwenden. Andererseits steigt die Nachfrage nach leckeren und einfach zuzubereitenden Zwischenmahlzeiten stark an.

Einige Erfindungen haben diesen Trend verstärkt:

· 1946: Erfindung Mikrowellenofen

Im Jahr 1946 werden die Mikrowellen zufällig entdeckt: Während eines Experiments bleibt der amerikanische Ingenieur Percy Spencer kurze Zeit vor einer Magnetfeldröhre stehen, worauf sich der Schokoladenriegel in seiner Jackentasche schlagartig in eine klebrige Masse verwandelt. Anfangs noch teuer und so groß wie ein Kleinwagen, wurden Mikrowellen erst ab Mitte der 60er Jahre bezahlbar und für Privathaushalte praktikabel. Heute findet sich das Küchengerät mit dem "Pling" in unzähligen Küchen, spart Zeit und erleichtert das Kochen.

· 1955: Erfindung Fischstäbchen

Die englischen Tiefkühlfirma Birds Eye kam 1955 auf die Idee, Fisch kindergerechter zu präparieren: Tiefgefrorene Fischfilets wurden dazu in kleine Blöcke zersägt und mit Teig und Paniermehl umhüllt. Seither zählen Fischstäbchen nicht nur zum willkommenen Schnellgericht für Kinder.

· 1968: Erfindung Tiefkühlpizza

Tiefgekühlte Pizza zählt zu den erfolgreichsten Fertiggerichten überhaupt. In den USA entwickelt, gelangte die Tiefkühlpizza über Italien nach Europa. Die Verkaufszahlen entwickelten sich rasant: Wurden 1973 lediglich 2.800 Tonnen hergestellt, so lag der Verbrauch in Deutschland bereits 1980 bei über 23.000 Tonnen. Im Jahr 2005 wurden allein in Deutschland 237.000 Tonnen verkauft, was einer Menge von ca. 720 Millionen Stück entspricht (Quelle: Deutsches Tiefkühlinstitut).

Neben der Vorteilen wie schnelle Zubereitung oder die praktische Einteilung in Portionen gibt es natürlich auch Nachteile: Oft gehen bei der Konservierung von Convenience food wertvolle Vitamine oder Nährstoffe verloren, dafür werden den Lebensmitteln Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker oder künstliche Aromen zugesetzt. Meist sind diese vorgefertigten Mahlzeiten auch teurer als selbst zubereitetes Essen.

Generell kann man wohl sagen: Convenience food ist aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Nutzt man es, um ab und zu Zeit zu sparen und achtet beim Kauf auf die Inhaltsstoffe, dann kann Convenience food eine Hilfe und Bereicherung sein. Trotzdem sollte ein selbstgekochtes Essen mit vielen gesunden Zutaten wie Obst und Gemüse den Hauptteil im Speiseplan einer Familie einnehmen.

Quellen und Bildrechte:

  • Foto 1 und 3: Pixabay

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