Die Kunst, sich zu entspannen

Stress ist zur Volkskrankheit geworden. Ein undefinierbares Ziel vor Augen hasten wir durchs Leben, schauen weder links noch rechts und entfremden uns immer mehr von uns selbst, unseren Mitmenschen und Freunden. Der Blick fürs Wesentliche scheint verloren. Höchste Zeit, einen Gang runterzuschalten...

Aktives Handeln ist gefragt

Viele Menschen fühlen sich als Opfer ihres Berufes, ihrer Familie, ihrer Emotionen und ihrer Gesundheit. Stress gehört zum Alltag dazu. Er lässt sich nicht vermeiden. Es werden sich immer physikalische, emotionale, gesundheitliche, berufliche, familiäre oder andere Stressfaktoren finden und summieren. Und keine Entspannungstechnik wird dies im Vorfelde zu verhindern wissen. Allerdings können wir viele dieser Faktoren und unseren Umgang damit beeinflussen und ändern.

Zunächst ist wichtig, Warnsignale als solche zu erkennen und Vorsorge zu treffen, dass Stress sich in unserem Leben erst gar nicht so aufbauen kann. Es liegt an uns, Stress zu vermeiden und zu reduzieren. Passiv zu bleiben und zu hoffen, dass der Stress irgendwann von alleine das Weite sucht bzw. jemand anderes für einen den Stress abbaut, ist der falsche Weg. Wir müssen also unser Leben und Wohlsein aktiv in die eigenen Hände nehmen, damit sich an dem Stressstatus etwas ändert.

Was ist eigentlich Entspannung?

Der eine entspannt beim Sport, der andere beim Malen, Kochen oder Lesen. Jeder Mensch verbindet mit Entspannung seine eigene Erfahrungen und Ziele. Die genannten Beschäftigungen haben jedoch eins gemeinsam: Sie lenken vom Stress ab und üben keinen Druck und Zwang aus. Doch nicht immer entspannen die verschiedenen Freizeitaktivitäten wirklich, sie dienen eher der Erholung. Ein scheinbar ruhiger Fernsehabend kann dennoch aufwühlen, ähnlich wie PC-Spiele oder ein sportlicher Wettkampf. Sie ziehen Stress nach sich.

Frau lächelnd im BettEntspannung ist also nicht gleichzusetzen mit Erholung. Sie ist zielgerichtet. Jede Übung oder Technik der Entspannung wird bewusst eingesetzt, um Spannungen gezielt abzubauen und zu lösen. Dabei setzt sich der Entspannungssuchende mit dem, was ihn anspannt und stresst auseinander, was bei Freizeitbeschäftigungen nicht stattfindet.

Und der wesentliche Faktor ist, dass Entspannung einen nachhaltigen und langfristigen Wert hat, denn körperliche und emotionale An- und Verspannungen werden abgebaut und gelöst sowie ein Zustand des Wohlbefindens herbeigeführt.

Welche Entspannungstechniken gibt es?

Sicherlich gibt es sehr viele verschiedene Entspannungstechniken. Die bekanntesten wollen wir Ihnen hier kurz alphabetisch vorstellen. Vielleicht ist ja das eine oder andere dabei, mit dem Sie sich gut anfreunden können bzw. was Sie gerne mal ausprobieren möchten. Die Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse, und daher ist es nicht verwunderlich, dass sich der eine bei einer Massage gut entspannen kann, der andere jedoch lieber Yoga-Übungen machten möchte:

Autogenes Training (AT): Beim AT handelt es sich um eine Form der konzentrierten, bewussten Selbstentspannung, die durch Übung perfektioniert werden kann. Durch immer wiederkehrende Sätze, wie z.B. "Meine Beine sind angenehm schwer" oder "Mein Atem ist ruhig und gleichmäßig", wird die Muskulatur entspannt, Atem und Puls beruhigt. Die Wirkung verstärkt sich durch regelmäßiges, tägliches Üben und überträgt sich auf den ganzen Körper. Je besser trainiert der Entspannungssuchende ist, umso schneller erfolgt eine tiefe Entspannung.

Fantasiereise: Bei diesem imaginativen Verfahren ist, wie der Name schon sagt, Fantasie gefragt. Ein Sprecher, z.B. von einer Entspannungs-CD, erzählt eine kurze Geschichte, in der möglichst viele angenehme Sinneseindrücke enthalten sind, bzw. gibt eine gewisse Anleitung, um zielgerichtet gelenkte Tagträume zu erzeugen. Der Zuhörer lauscht entspannt den Worten und stellt sich in Form innerer Bilder das Gesagte vor. Dies führt zu einer tiefen körperlichen wie auch seelischen Entspannung. Es ist durchaus üblich, dass Therapeuten die Fantasiereise anwenden, um gezielt ein Problem lösen zu können.

Feldenkrais: In der nach dem Physiker Moshé Feldenkrais benannten Methode stehen bestimmte Körperübungen im Mittelpunkt. Wer den Bewegungsanleitungen folgt, soll sein persönliches Handlungsmuster erkennen, verändern und erweitern. Ziel ist es, Bewegung, Sinnesempfindung, Gefühl und Denken zu verändern und zu entwickeln und Raum für Neues zu öffnen.

Massage: Da eine klassische Massage nicht nur schmerzhafte Verspannungen zu lösen vermag, sondern auch allgemein entspannend wirkt, werden Massageübungen durchaus gerne als Entspannungsmethoden genutzt. Auch die Selbstmassage mit Stoffsäckchen, die mit Körnern, Kernen oder Kastanien gefüllt sind, sind beliebt und durchaus erfolgsträchtig.

Meditation: Meditative Verfahren sind sehr vielfältig und haben ihren Ursprung in religiösen Übungen, die vor allem der Erweiterung des Bewusstseins dienen sollen. Auftretende Entspannungseffekte werden eher als Nebeneffekte betrachtet. In westlichen Ländern dient die Meditation jedoch gezielt diesem Entspannungseffekt. Regelmäßig ausgeführt wirkt sie beruhigend, die Atmung wird vertieft, Muskelspannungen reduziert und die Herzschlagfrequenz verlangsamt.

Yoga: Ziel des Yogas ist es, innere Gelassenheit, Achtsamkeit und Vitalität zu erzeugen. Dies wird durch bestimmte Übungen erreicht, die - mit Meditations- und Atemübungen ergänzt - den Körper, Geist und die Seele in Einklang bringen.

Progressive Muskelrelaxation: Diese Methode basiert auf der Annahme einer Wechselwirkung zwischen zentralnervösen, mentalen Prozessen und peripheren, muskulären Veränderungen. Dabei werden gezielt einzelne Muskelgruppen angespannt, die Spannung wird gehalten und dann anschließend bewusst entspannt, was zu einer tiefen Entspannung des ganzen Körpers führt. Die durch Stress verursachten Fehlhaltungen und Verspannungen lassen sich auf diese Weise deutlich mindern.

Visualisierung: In der Visualisierung stellt sich der Entspannungssuchende ein Bild vor, das aus positiven Assoziationen und Sinneseindrücken besteht. Dieses Bild soll stärken und trösten und kann mit einer Körpergeste verbunden werden. Im Alltag angewandt sorgt das Heraufbeschwören genau dieses Bildes für positive Gefühle, die den Körper entspannen.

Quellen und Bildrechte:

  • 1 und 2: Pixabay

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