Mal auf andere Art das Tanzbein schwingen...

Walzer, Foxtrott & Rumba sind zwar nicht out, wer heutzutage jedoch tanzen will, wählt immer häufiger Kurse für Jumpstyle, Country Line Dance, Tango Argentino, West Coast Swing oder Bollywood Dance. Ach, Sie wissen gar nicht, was das alles ist? Wir klären Sie auf...

Zugegeben, auch die klassischen und lateinamerikanischen Tänze werden in Tanzschulen immer noch gelehrt, schließlich muss der eine oder andere an seinem Hochzeitstag erstmals das Tanzbein schwingen und will sich nicht blamieren. Doch das Interesse der Bewegungsfreudigen, die in ihrer Freizeit zu rhythmischer Musik heftig ihre Glieder zucken lassen wollen, konzentriert sich immer mehr auf viel modernere Tanzstile - häufig beeinflusst durch Kino und Fernsehen. Neidisch werden da Beyoncé und die Black Eyed Peas in ihren aktuellen Musikvideos betrachtet. Ach, wenn man doch auch nur so tanzen könnte. Die Tanzschulen haben sich diesem Trend bereits seit einigen Jahren angepasst. Und so sind die entsprechenden Kurse für Dance 4 Fans stets gut gefüllt gewesen. Aber auch der schnelle und abwechslungsreiche HipHop erfreute sich in den letzten Jahren immer wieder größerer Beliebtheit - gerade bei jungen Tänzern zwischen 13 und 18 Jahren, aber auch bei den Kleinsten zwischen 8 und 12 Jahren. Doch damit nicht genug: Wenn indische Stars wie ShahRukh Khan und Shilpa Shetty in ihren Bollywood-Filmen ihre Freude (oder ihr Leid) tänzerisch zum Ausdruck bringen, ist es um so manches Mädel geschehen. Kein Wunder also, dass auch der Bollywood Dance zeitgleich seinen Hype in den Tanzschulen erlebte.

Entdecken Sie moderne, neue, aber auch eher spezielle Tanzstile und wer weiß, vielleicht werden Sie neugierig und erkundigen sich gleich morgen bei einer Tanzschule in Ihrer Nähe nach den nächsten Kursterminen...

Bollywood Dance: In den vergangenen zehn Jahren hat die Traumfabrik Indiens eifrig Filme mit diesem unverwechselbaren Tanzstil produziert und mit ihnen auch den deutschen Markt überschwemmt. Der Tanz ist eine Mischung aus Traditionellem und Neuem. Er beinhaltet Elemente aus dem klassisch-indischen Tanz, Orientalischem Tanz, Salsa, Mambo, Ballett und modernen Tanzformen wie HipHop und Jazz Dance. Zweifelsohne zieht er meistens weibliche Interessenten an...

ImageCountry Line Dance: Line Dance wird, wie der Name es schon sagt, in Linien (Reihen) neben- und hintereinander getanzt. Es sind festgelegte, sich wiederholende Figuren, die synchron von der Gruppe getanzt werden - also ähnlich einem Formationstanz. Es gibt Tänze, die nur aus wenigen Figuren bestehen, bis hin zu Tänzen, die mehr als 120 Schrittfolgen beinhalten. Es gibt keine Partnerwahl (!),denn jeder kann sich in die Gruppe einfügen. Gerade so als ob jeder für sich und doch alle gemeinsam tanzen. Hier ist Teamgeist gefragt...

Orientalischer Tanz: Im Arabischen heißt der Tanz Raqs Sharqi, was soviel wie "Tanz des Ostens" bedeutet. Wenn wir in der westlichen Welt von Bauchtanz, Belly Dance oder Danse du Ventre etc. sprechen, meinen wir eigentlich eine Bewegung, die in Deutschland in den siebziger Jahren begann und die immer mehr Frauen begeistert. Der orientalische Tanz hat bereits eine sehr lange Geschichte und bietet den Hauch der geheimnisvollen orientalischen Kultur. Erotisch ist er auch, sollte jedoch nicht mit Striptease verwechselt werden, auch wenn heute in diversen Clubs so etwas orientalisch verpackt angeboten wird.

Tango Argentino: Der argentinische Tango ist ein Gesellschaftstanz und ein Musikgenre. Er stammt aus Argentinien und Uruguay und besteht aus unterschiedlichen Stilen - abhängig von der Region, wo er getanzt und gespielt wurde. Er wird Arm in Arm getanzt, kann dabei aber variieren. Das Wesentliche des argentinischen Tangos ist das Laufen mit dem Partner und der Musik. Er lebt von der Improvisation. Aber es gibt auch bestimmte Schrittfolgen und Bewegungen, die über die Jahre weitergegeben wurden. Dennoch existiert beim argentinischen Tango kein Grundschritt. Der Tango ist lebendige Aktion in dem Moment, wo sie geschieht.

West Coast Swing: Der West Coast Swing stammt aus Kalifornien (USA) und findet, wie es der Name schon sagt, seinen Ursprung in der Swingfamilie. Er kann zu jeder Musik im 2/4- oder 4/4-Takt, insbesondere zu Blues, R'n'B, Funk, Clubsounds, Pop usw. getanzt werden. Seine fließenden Bewegungen und atemberaubenden Drehfiguren machen ihn zu einem der elegantesten Tänze unserer Zeit. Bewegungen aus Hip Hop, Jazztanz oder Latin werden geschmeidig ins Tanzen integriert.

Jumpstyle: Die Tanzrichtung speziell für junge Leute ist erst seit etwa drei Jahren in Deutschland bekannt. Getanzt wird, indem man die Beine im Takt während des Springens abwechselnd nach vorne und hinten wirft, dreht, twistet oder andere Bewegungen durchführt, möglichst ohne jedoch die anderen Tänzer mit den Beinen zu berühren. Der Jumpstyle entwickelte seinen Ursprung in der Technoszene Chicagos. Es werden 140 bis 150 Beats pro Minute gespielt, gemischt mit Offbeats. Rund um den Jumpstyle hat sich mittlerweile eine eigene Szene entwickelt.

ImageGetanzt wird hier auch, aber...

Capoeira ist ein brasilianischer Kampftanz, der während der Kolonialzeit in Brasilien von aus Afrika eingeschifften Sklaven praktiziert und weiterentwickelt wurde. Inhaltlich ist Capoeira von drei Ebenen geprägt: dem Kampf, der Musik und der "Roda" (portugiesisch "Kreis") als gesellschaftlichem Rahmen, in dem der Kampf stattfindet. Die Kampftechniken selbst zeichnen sich durch extreme Flexibilität aus; es gibt viele Drehtritte, eingesprungene Tritte und eindrucksvolle Akrobatik. Traditionell wird zu den Kämpfen Musik gespielt, diese folgt einem Endlos-Rhythmus in verschiedenen Variationen; dazu werden passende, häufig noch aus der Zeit der Sklaverei stammende Lieder gesungen.

Dance 'n Strip oder Pole Dance: Der Mix aus Tanz, Aerobic und Striptease-Bewegungen wird nicht als Akt des Stripteases angesehen. Es werden lediglich die Bewegungen in das Training mit einbezogen. Ein optimales Training für Bauch, Beine, Po und ganz nebenbei entsteht der Extra-Kick für das Selbstbewusstsein. Zweifelsohne ein äußerst erotisches, aber auch akrobatisches Vergnügen an der bekannten Stange...

Flying Low: Die von David Zambrano entwickelte Technik konzentriert sich vor allem auf die Beziehung zwischen Tänzer/in und Boden. Einfache Bewegungsmuster beziehen Atmung, Geschwindigkeit und Senden von Energie durch den Körper ein, um die Verbindung zwischen Zentrum und Peripherie, zwischen den Gelenken und der Haut, zu aktivieren. Die Übungen dienen vor allem dazu, mittels einer gleichbleibenden, zentrierten Körperhaltung die Bewegung zum Boden hin und vom Boden weg zu optimieren.

Yoga Dance: Yoga Dance ist inspiriert von der asiatischen Herangehensweise an das Verständnis und die Nutzung der Vitalenergie (Chi, Prana) und eine Synthese aus Tanz, Yoga und Tai Ji. Tänzerische Elemente werden mit Ganzkörperübungen verbunden, die gleichermaßen Kraft, Beweglichkeit und Balance verbessern, um innere Stärke und Gelassenheit im Alltag zu fördern. Dabei wird der Körper geschmeidiger und der Geist ruhiger. Anmut und Grazie in Haltung und Bewegung werden entwickelt, was eine positive Ausstrahlung und mehr Selbstbewusstsein verleiht.

Kleiner Tipp zum Schluss: Wenn Sie wissen wollen, wie man sich bei diesen Tanzstilen wirklich bewegt, schauen Sie doch einmal mal bei You Tube rein. Dort finden sich eigentlich von fast allen hier vorgestellten Tänzen Videos. So erhalten Sie weitere Eindrücke...

Fotos: 1. Angela Parszyk, 2. Bärbel Schulz, 3. Wolfgang Pfensig - alle Pixelio