Welcher Kampfsport ist geeignet für Kinder?

Kampfsport ist erstaunlich beliebt bei Kindern. Doch viele Eltern haben Berührungsängste mit dem Sport. Nicht zu unrecht, denn manchmal gibt es schwarze Schafe unter den Anbietern. Dennoch können einige Kampfsportarten Kindern sehr gut tun. Wir verraten warum...

Beliebt zum Einstieg sind Judo, Karate, Aikido, Ju Jutsu oder Wing Tsun. Begriffe, von denen die meisten wohl zumindest mal etwas gehört haben. Was genau dahintersteckt, wissen oft jedoch nur die wenigsten. Geht es um reine Selbstverteidigung, um Angriff oder hat man sogar gar keinen Körperkontakt mit seinem "Gegner"? Wir haben die einzelnen Kampfsportarten unter die Lupe genommen:

Judo: Die japanische Kampfsportart hat das Prinzip "Siegen durch Nachgeben" bzw. "maximale Wirkung bei einem Minimum an Aufwand". Es gibt hauptsächlich Würfe, Halte-, Hebel- und Würgetechniken. Judo dient nicht nur zur Leibesertüchtigung, sondern ist darüber hinaus auch eine Philosophie zur Persönlichkeitsentwicklung. Gegenseitiger Respekt und Disziplin gehören ebenfalls zum Judo. Die Kinder können sich übrigens wunderbar austoben. Ab fünf Jahren ist ein Einstieg schon gut möglich. Ausrüstung: Ein Judogewand kann man i.d.R. ab ca. 16 Euro erwerben.

ImageKarate: Die Anfänge des Karate reichen weit in das alte China zur Táng Dynastie (ca. 618-906 n.Chr.) zurück Als Mitbegründer des modernen Karates kann man den Altmeister Gichin Funakoshi nennen, der erst 1922 von Okinawa nach Japan kam, um diese Kampfkunst dort zu demonstrieren. Beim "Kampf mit leerer Hand!" - so eine mögliche Übersetzung - wird viel Wert auf die körperliche Kondition gelegt, die Beweglichkeit, Schnelligkeit und andere aerobe Belastbarkeit zum Ziel hat. Die waffenlose Technik, die vor allem aus Schlag-, Stoß-, Tritt- und Block- sowie Fußfegetechniken besteht, dient auch der Selbstverteidigung. Für den Einstieg für Kinder ab sechs Jahren werden von vielen Vereinen spezielle Gruppen angeboten, wo auf spielerische Art trainiert wird. Ausrüstung: Karateanzüge bekommt man ebenfalls ab ca. 16 Euro.

Aikido: Die betont defensive moderne japanische Kampfkunst hat zum Ziel, die Kraft eines gegnerischen Angriffs abzuleiten (Abwehr) und dieselbe Kraft intelligent zu nutzen, um den Gegner vorübergehend angriffsunfähig zu machen (Absicherung), ohne ihn dabei schwer zu verletzen. Wurf- und Haltetechniken machen den Hauptteil von Aikido aus. Es wird viel Wert auf Disziplin und Gehorsam gelegt. Beliebt bei vielen Eltern, da sie in Aikido die größten Vorteile der Selbstverteidigung für ihre Kinder sehen. Auch hier kann schon früh mit fünf bzw. sechs Jahren begonnen werden, die Technik ist jedoch z.T. recht kompliziert, was dann für das eine oder andere Kind zu anstrengend werden könnte. Ausrüstung: Auch beim Aikido gibt es Anzüge ab ca. 16 Euro.

Ju Jutsu: Die von den japanischen Samurai stammende Kampfkunst dienst ebenfalls der waffenlosen Selbstverteidigung. Hauptziel des Ju Jutsus ist es, einen Angreifer möglichst effizient unschädlich zu machen. Dies kann durch Tritt-, Wurf-, Stoß-, Schlag-, Hebel- und Würgetechniken geschehen. Auch hier wird dabei möglichst wenig eigene Kraft aufgebracht, die Kraft des Angreifers soll gegen ihn selbst verwendet werden. Da das Ju Jutsu ein breites Spektrum von Selbstverteidigungsmöglichkeiten bietet, kann unabhängig vom Alter und Geschlecht trainiert werden. Durch die zusätzliche Stärkung des Charakters und Selbstbewusstseins wird zunächst eine friedliche Lösung von Konflikten erhofft. Auch die geistig-philosophische Seite ist Teil der Sanften Kunst. Ausrüstung: Einen Anzug kann man schon ab ca. 15 Euro bekommen.

Wing Tsun: Der chinesische Kampfkunststil (z.T. besser als Kung Fu bekannt) hat viel mit Denken in Prinzipien zu tun und dient der reinen Selbstverteidigung. Im Mittelpunkt steht eine facettenreiche Technik, die nur durch konzentriertes Üben und bewusstes Sich-Einlassen erlernt werden kann. Fließende Bewegungen und plötzliche Schnelligkeit gehen ineinander über. Die körperliche und geistige Flexibilität werden gesteigert, die Wahrnehmungsfähigkeit gefördert. Einher geht das Ganze mit gezielten Entspannungs- und Konzentrationstechniken sowie Atemübungen, die den Körper wieder "auftanken". Es werden inzwischen unter dem Namen "Kids WingTsun" gezielte Selbstverteidigungskurse für Kinder angeboten. Weitere Infos finden Sie hier. Ausrüstung: T-Shirt für Schüler ca. 17 Euro, Hose ca. 35 Euro.

ImageWorauf man noch unbedingt achten sollte...
Kinder sollten jede Kampfkunst zunächst spielerisch erlernen, vor allem dann, wenn sie mit dem Sport bereits mit fünf oder sechs Jahren beginnen. So entstehen völlig automatisch mehr Selbstvertrauen und eine gesteigerte Körperwahrnehmung. Der konstruktive Umgang mit eigenen Aggressionen und Aggressionen der Partner wird zudem geübt. Eine respekt- und vertrauensvolle Haltung gegenüber dem anderen sollte ein wichtiges Ziel des Trainings sein. Früher Leistungsdruck und eine allzu große Ernsthaftigkeit ("Verlieren tun wir nicht!") sollten Sie vermeiden. Aggressionen müssen genommen und nicht noch geschürt werden. Das "Verlieren können" ist ebenso wichtig wie Freude dabei zu empfinden, auch einmal die Oberhand zu behalten, weil bestimmte Griffe und Übungen super klappen.

Jeder Verein oder jede Kampfsportschule bietet Schnuppertage an. Ein erstes Kennenlernen des Sports muss jedoch noch nicht viel heißen: Bevor man lange Verträge abschließt, ist es ratsam - gerade wenn das Kind noch jung ist - sich lieber für ein paar Wochen auf ein "Training auf Probe" einzulassen. Dann kann man miterleben, ob die Trainer gut mit den Kindern umgehen können und ob sein Kind auch wirklich dabei bleiben möchte. Es ist völlig normal, wenn das Interesse schnell verpufft.

Auch das Thema Ausrüstung ist schwierig. Soll man gleich teure Sportkleidung kaufen oder lieber ein bisschen warten, bis es sicher ist, dass der Kauf nicht umsonst gewesen ist. Meistens werden bei Anfängern auch T-Shirt und Jogginghose toleriert. Prüfen Sie genau, wie die Gruppe aufgebaut ist (Durchschnittsalter, Trainingsstil, also wird Wert auf Respekt vor dem Partner gelegt oder einfach "draufgehauen"... ). Und zuletzt kommt es natürlich auf das Kind drauf an: Ist es lebhaft oder ängstlich, hat es bereits ein übersteigertes Selbstvertrauen und würde noch mehr davon eher schaden, vielleicht passt besser ein Mannschaftssport wie Fußball oder Hockey. Sie kennen Ihr Kind am besten!

Fotos: 1./2. Jutta Rotter 3. Michael Hirschka - alle Pixelio