ZIKA und andere Reisekrankheiten

Mückenstiche können mehr verursachen als nur harmlose, juckende Hautrötungen. Längst gelangen Mückenarten aus tropischen und subtropischen Ländern auf modernen Reisewegen an neue Orte auf der ganzen Welt. Im Gepäck haben sie dann manchmal Infektionskrankheiten, die Ärzten und Wissenschaftlern Sorge bereiten. Eine davon ist zum Beispiel das Zika-Virus, das sich gerade explosionsartig ausbreitet.

Es gehört zu einer Gruppe bisher wenig bekannter Infektionen, die bisher nur im südpazifischen Raum vorkamen. Das Virus äußert sich in Hautausschlag, Augenrötung, Fieber und Gelenkschmerzen. Der Verlauf ist meist ohne Komplikationen. Experten vermuten aber, dass Zika für schwangere Frauen gefährlich werden kann. Es verdichten sich die Hinweise, dass die Infektion das Risiko für Fehlbildungen an Kopf und Gehirn (pränatale Mikrozephalie) des Ungeborenen erhöht.
Die WHO hat wegen des dramatischen Anstiegs an Zika-Infektionen in Lateinamerika den weltweiten Gesundheitsnotstand verhängt. Forscher arbeiten bereits an einem Impfstoff, aber wie lange die Entwicklung dauern wird, weiß noch niemand.

Das Zika-Virus gehört - wie Dengue-, West-Nil-, Gelbfieber oder die Japanische Enzephalitis - zu den Flaviviren. Überträger sind Stechmücken vom Typus Aedes wie die Gelbfiebermücke, die schon auf der portugiesischen Atlantikinsel Madeira heimisch geworden ist, und die Tigermücke, von der jüngst eine Population in Freiburg entdeckt wurde. Die DTG (Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit e.V.) empfiehlt Schwangeren, möglichst nicht in Gebiete zu reisen, in denen es aktuell zu Zika-Ausbrüchen kommt. Sollte eine Reise nicht zu vermeiden sein, sollten sie unbedingt auf Mückenschutz achten.

Betroffene Länder bisher: Brasilien und Kolumbien, einige Regionen in Afrika sowie Mikronesien, französisch Polynesien, Neu-Kaledonien, Cook-Inseln und Osterinsel.

Die Tigermücke gilt auch als Überträger von Chinkungunya-Fieber. Das verläuft in der Regel ungefährlich, selten kommt es zu lebensgefährlichen Einblutungen. Die Krankheit äußert sich mit hohem Fieber, starken Gelenk-, Muskel- und Kopfschmerzen. Oftmals kommt es zum Hautausschlag. Eine spezifische Therapie gibt es nicht.

Besorgt schauen die Experten jedoch auch immer noch auf das Dengue-Virus. Weltweit mehr als 100 Länder sind von der Infektion betroffen, die vier DEN-Serotypen besitzt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es jährlich 400 Millionen Infektionen, 22.000 davon verlaufen tödlich. Mexiko hat gerade den ersten Impfstoff gegen Dengue-Fieber zugelassen.

Eigentlich ist das Virus in Südamerika heimisch und dort ein großes Problem. 2010 aber tauchte es in Kroatien und Südfrankreich auf. Zwischen 2009 und 2013 wurden Fälle aus Florida gemeldet. Im Winter 2012/13 brach die Krankheit auf Madeira aus. Das Dengue-Virus löst grippeartige Beschwerden aus mit plötzlichem Fieberanstieg bis 40 Grad. Häufig kommen noch Schüttelfrost und starke Kopfschmerzen hinzu. Schlimmstenfalls kommt es zu einem Schocksyndrom und Kreislaufversagen. Reisende sollten helle, geschlossene Kleidung tragen. Wer feines Gewebe nutzt, sollte es mit Insektenschutz imprägnieren. Für die Haut werden oft Repellentien mit dem Wirkstoff Diethyltoluamid (DEET) empfohlen. Nachts schützen Moskitonetze.

Auch die Sandmücke treibt in Europa ihr Unwesen. Sie gilt als Überträger der Viszeralen Leishmaniose, die Mensch und Tier befällt. So sind im Süden von Spanien, Italien und Griechenland zum Beispiel viele streunende Hunde mit dem Virus infiziert. Die Krankheit bringt Fieberschübe, Gewichtsverlust, eine vergrößerte Leber und Milz sowie Blutarmut mit sich. Unbehandelt endet sie tödlich. Einen Impfstoff gibt es auch hier bisher nicht. Forscher hoffen auf einen Durchbruch. Bisher hilft auch hier nur der Schutz gegen Insektenstiche.

Das hämorrhagische Krim-Kongo-Fieber hat die Hyalomma-Zecke nach Südosteuropa gebracht. Nach einem Zeckenbiss kann es zu Gesichtsödemen, Gesichts-, Rachen- und Bindehautrötung kommen. Teilweise treten Darm- und Hautblutungen sowie Bluterbrechen auf. Bisher gibt es noch keinen Impfschutz. In den vergangenen Jahren wurden Todesfälle aus der Türkei, Serbien und Griechenland vermeldet. Der Tod erfolgt durch das Versagen mehrerer Organe.

"Emerging Pathogen" nennen Experten Infektionen, die sich rasch ausbreiten. "Das West-Nil-Fieber zeigt, wie rasant das gehen kann", sagt Dr. Sandra Vergin vom CRM Centrum für Reisemedizin. 1999 war es erstmals in New York entdeckt worden. Seitdem hat sich die grippeähnliche Erkrankung, die mit Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit und geschwollenen Lymphknoten äußert, in Windeseile übers ganze Land verteilt. Überträger ist unter anderem auch die Asiatische Tigermücke. Ein Impfstoff ist gerade in der Erprobung. Auch hier zählt Selbstschutz durch richtige Kleidung und Abwehrmittel.

Das West-Nil-Virus ist längst auch in Südosteuropa heimisch. Momentan dürfen Urlauber, die mindestens zwei Tage in Bosnien-Herzegowina, Serbien, Ungarn, Bulgarien (Region Sofia), Rumänien, Griechenland, Italien, Österreich und Russland waren, über einen Zeitraum von vier Wochen kein Blut spenden. Eine entsprechende Sperre gilt auch für Rückkehrer aus Risikogebieten anderer Viren. Aktuell hat das European Centre for Disease Prevention and Control Fälle in Bulgarien, Nord-Italien (Cremona) und Israel notiert.

Gerade in ländlichen Regionen in Südostasien besteht die Gefahr, sich durch die Culex-Mücke mit der Japanischen Enzephalitis zu infizieren. Der Stich der Mücke kann zu einer schweren Hirn- und Hirnhautentzündung führen. "Die Mücken sind gerade in Abend- und Nachtstunden aktiv", weiß Vergin. Eine Reiseimpfung ist möglich.

Generell gilt: Sollten während oder nach einer Reise Anzeichen einer Krankheit auftauchen, heißt es, sofort den Arzt aufzusuchen.

Quellen und Bildrechte: