Eisenmangel - viel häufiger als man denkt

Sie fühlen sich of müde, leiden unter Konzentrationsschwäche, haben brüchige Nägel oder oft Infekte? Dann ist möglicherweise ein Eisenmangel daran schuld. Denn Eisenmangel ist die häufigste Mangelerkrankung weltweit (1). Das Spurenelement ist vorwiegend an der Blutbildung und dem Sauerstofftransport beteiligt. Hauptlieferant für den menschlichen Körper sind Fleisch und Wurstwaren.

Im Körper eines Erwachsenen befinden sich in etwa drei bis vier Gramm Eisen, wovon zwei Drittel an Hämoglobin in den roten Blutkörperchen gebunden sind. Dabei vollbringt Eisen eine seiner wichtigsten Aufgaben: den Sauerstofftransport. Eisen bildet in den roten Blutkörperchen die Anlegestelle für Sauerstoff. So werden das Gewebe und die Organe über die Blutbahn mit Sauerstoff versorgt. Daneben erfüllt Eisen seine Aufgaben in der Energieversorgung, der Produktion unseres Erbmaterials und bei der Abwehr von Viren und Bakterien.

Fleisch- und Wurstwaren sind eine optimale Eisenquelle

Über Stuhl, Urin und Schweiß verliert der menschliche Körper täglich etwa 1 mg Eisen. Jugendliche und Erwachsene benötigen pro Tag zwischen 10 bis 15 mg, da von dem Eisen in den verzehrten Lebensmitteln in etwa nur 10 - 15 % vom menschlichen Körper aufgenommen werden können. In Schwangerschaft und Stillzeit erhöht sich der Bedarf auf 30 bzw. 20 mg täglich. Eisen ist nicht gleich Eisen – so enthalten tierische Produkte das Häm-Eisen, das vom menschlichen Organismus zwei- bis dreimal besser verwertet werden kann als das Nicht-Häm-Eisen aus Obst und Gemüse.

Die Aufnahme von Häm-Eisen aus tierischen Lebensmitteln ist für den menschlichen Organismus recht einfach. Dagegen ist das Eisen aus pflanzlichen Quellen teilweise gehemmt, da es an andere Lebensmittelbestandteile gebunden ist. Zudem scheint der gleichzeitige Verzehr von schwarzem Tee, Kaffee oder Milchprodukten die Eisenaufnahme aus Lebensmitteln zu verringern. Eine ausgewogene Mischkost, über den Tag verteilt, eignet sich daher am besten, um die Eisenspeicher zu füllen.

Laut der Nationalen Verzehrsstudie, die vom Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung durchgeführt wurde, erreichen 14 % der Männer und 58 % der Frauen (unter 50 Jahren) nicht die Empfehlungen für eine adäquate Eisenzufuhr (2). Das gute Ergebnis der männlichen Bevölkerungsgruppe kommt dadurch zustande, dass Männer einen wesentlich höheren Fleisch- und Wurstwarenkonsum haben. Frauen verzehren weniger davon, zudem liegen die Empfehlungen zur Eisenaufnahme höher. Auch Kinder und Jugendliche haben in den Wachstumsphasen einen verhältnismäßig hohen Eisenbedarf. Gerade Mädchen decken durch geringeren Verzehr an Fleisch- und Wurstwaren diesen Bedarf nicht.

Ein besonderes Risiko für Ungeborene: Eisenmangel in der Schwangerschaft

Schwangere Frauen stellen eine besondere Risikogruppe für einen Eisenmangel dar. Da die Plazenta und die Gebärmutter zusätzlich mit Eisen versorgt werden müssen und auch der Fötus schon eigene Eisenspeicher anlegt, steigt der Bedarf enorm – Schwangere brauchen doppelt so viel Eisen wie andere Frauen. Es wird angenommen, dass fast 50 % der Schwangeren unter einem Eisenmangel leiden, 10 % sind sogar von der schweren Form, der Eisenmangel-Anämie, betroffen.

schwangere FrauEin häufiges Problem: ein Großteil der Frauen (circa 22 %) bringt einen unentdeckten Eisenmangel schon in die Schwangerschaft mit (3). Die Anzeichen eines Mangels unterscheiden sich zunächst nicht von nicht-schwangeren Frauen – Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen oder eine erhöhte Infektanfälligkeit sind ein paar Beispiele für typische Symptome. Allerdings kann im Falle einer Anämie bei starkem Eisenmangel die Plazenta häufig nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden, was wiederum die Sauerstoffversorgung des ungeborenen Babys beeinträchtigt. Negative Folgen für die Gehirnentwicklung sowie Fehl- oder Frühgeburten können die Folge sein. Daher sollte bei der ärztlichen Untersuchung während der Schwangerschaftsvorsorge auch regelmäßig der Eisenwert im Blut der Frauen untersucht werden, um gegebenenfalls frühzeitig mit geeigneten Supplementen die mütterlichen Eisenspeicher zu füllen.

Quellen und Bildrechte:

  • [1] Percy, Laura; Mansour, Diana: Iron deficiency and iron‐deficiency anaemia in women’s health, The Obstetrician & Gynaecologist, Volume 19, Number 2, 1 April 2017, pp. 155-161(7)
  • [2] Max Rubner-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel: Nationale Verzehrsstudie II, Ergebnisbericht, Teil 2
  • [3] Kirschner, W. et al., Eisenmangel in der Schwangerschaft, Der Gynäkologe 2011, 9: 759-66
  • GIVE e.V. https//www.give-ev.de
  • Foto 1 und 3: Pixabay

Ähnliche oder weiterführende Artikel