Paukenerguss: Wenn das Ohr belüftet werden muss

Ein Paukenerguss bei einem Kind ist leider nicht selten. Dabei sammelt sich wiederholt Flüssigkeit im Mittelohr, was z.T. zu massiven Problemen führen kann. Denn es tritt eine sogenannte Schalleitungsschwerhörigkeit auf. Bleibt diese unbehandelt, hat das Folgen: Das Kind wird u.a. massiv in der Sprachentwicklung gestört...

Warum sich bei Kindern ein Paukenerguss bildet
Gerade kleine Kinder sind häufig erkältet, und eine Flüssigkeitsansammlung hinter dem Trommelfell ist normal. Beim Genesungsprozess fließt diese wieder vollständig ab, wenn biologisch alles in Ordnung ist. Ein Paukenerguss bildet sich meistens dann, wenn eine Belüftungsstörung des Mittelohrs vorliegt. Dafür können oft Rachenmandeln (Polypen, nicht zu verwechseln mit Nasenpolypen), verantwortlich sein. Sind diese stark vergrößert, behindern sie die Belüftung der Tube (Eustachische Röhre) und somit auch das Mittelohr. Ein Druckausgleich ist dann nicht mehr möglich, und die Folgen können ein chronischer Tubenkatarrh und langfristig ein Paukenerguss sein. Gelegentlich kann auch eine Fehlbildung die Ursache sein, wie bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalten oder auch Tumore im Nasenrachen.

Gute Gründe für eine kleine Operation
Ein paar einzelne Mittelohrentzündungen, die antibiotisch behandelt werden können, sind vielleicht noch zu vertreten. Nehmen diese jedoch kein Ende und ein Hörtest zeigt schlechte Werte, spricht einiges dafür, einer OP zuzustimmen. Gerade den ganz Kleinen, die ihr passives und aktives Sprachvermögen stetig in den ersten drei Jahren aufbauen, sollte ein einwandfrei funktionierendes Hörvermögen zur Verfügung stehen. Ohne dieses kommt es zu gewaltigen Entwicklungsverzögerungen, die die Kinder nur sehr schwer mit logopädischer Hilfe in den Griff kriegen können. Es ist natürlich auch nicht einfach, wenn nicht sogar gänzlich ausgeschlossen, Wörter richtig zu lernen, wenn man diese nur sehr dumpf hören kann.

Ein kleiner Schnitt oder manchmal auch mehr
Der HNO-Arzt oder spezielle Abteilungen (Pädaudiologie/Phoniatrie) in der HNO-Klinik untersuchen die Ohren, machen ausgiebige Hörtests und schlagen dann die beste Therapie vor. Manchmal entscheiden sich einige Maßnahmen auch erst während einer OP. Grundsätzlich kann man wohl davon ausgehen, dass ein HNO-Arzt einen kleinen Schnitt in das Trommelfell vornimmt, damit das gestaute Sekret dahinter abfließen bzw. vom Chirurgen abgesaugt werden kann. Selbstverständlich befindet sich ein Kind dabei in Narkose. Ein Erwachsener muss sich diese Prozedur unter örtlicher Betäubung gefallen lassen. Ggf. setzt der Chirurg ein Röhrchen ins Trommelfell (Paukenröhrchen). In der Regel wird auch störendes Rachenmandelgewebe (Polypen/Wucherungen) mit einem speziellen Instrument durch den Mund entfernt. Sehr selten kommt es dabei zu Komplikationen. Bei einem solchen Eingriff werden kleine Kinder nach der OP häufig für eine Nacht stationär aufgenommen. Damit eine rasche Hilfe gewährleistet ist, falls die Wunde nachbluten sollte. Schon während der OP zeigen Hörtests ein verbessertes Hörvermögen, sobald das Ohr wieder belüftet ist.

Paukenröhrchen: viele offene Fragen
Paukenröhrchen sind in der Regel keine Behinderung für das Kind. Nach neuesten Studien dürfen Kinder selbst beim Baden im Schwimmbad oder im Meer ohne Ohrschutz ihren Spaß haben. Die Oberflächenspannung des Wassers und der Wasserdruck selbst verhindern, dass Wasser und damit Bakterien ins Mittelohr gelangen. Tiefes Tauchen oder aus größerer Höhe ins Wasser springen, sollte jedoch vermieden werden. Wenn Seife oder Haarshampoo ins Spiel kommen, schaut die Sache anders aus, denn die Oberflächenspannung wird aufgehoben. Hier sollten Eltern die Ohren vor dem Schaumwasser besonders gut schützen. Der Urlaubsflug kann dank der Paukenröhrchen sogar äußerst entspannt vonstatten gehen, denn der Druckausgleich ist automatisch gewährleistet, und das Kind wird nicht über Ohrenschmerzen klagen. In der Regel fallen die winzigen Röhrchen nach 6 bis 18 Monaten von alleine raus. Die Angst der Eltern, dass sie in das Ohr hineinfallen, ist aufgrund der Form auszuschließen. Manchmal verbleiben sie auch länger im Trommelfell, weil z.B. die Entwicklung der Eustachischen Röhre noch nicht voll ausgebildet ist, oder viel Sekret (Ohrschmalz) die Röhrchen sozusagen festkleben lassen. Ob die Röhrchen unter Narkose wieder schmerzfrei entfernt werden müssen, oder ob man einfach abwartet, bis sie alleine rausfallen, darüber streiten sich die Ärzte. Generell kann man sagen, dass nichts dagegen spricht, sie auch über Jahre im Ohr zu belassen. Egal wie lange die Paukenröhrchen im Ohr verweilen, eine regelmäßige ärztliche Kontrolle alle 3 Monate sollte vorgenommen werden, denn in seltenen Fällen kann es zu Wundgewebsbildung um die Paukenröhrchen kommen, die mit speziellen Ohrentropfen im Frühstadium gut und schnell behandelt werden kann. Werden diese jedoch chronisch, wird der Arzt ein Entfernen der winzigen Röhrchen befürworten.

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