Schlafen im Ehebett ungesund?

Gemeinsames Schlafzimmer oder doch lieber in getrennten Zimmern nächtigen? Britische Schlafforscher fanden heraus, dass es für die Gesundheit besser ist, getrennt zu schlafen. Doch jeder muss für sich selbst entscheiden, was ihm am besten bekommt.

Nach Ansicht des britischen Schlafforschers Neil Stanley von der University of Surrey ist der häufigste Grund für getrenntes Schlafen, dass sich Partner häufig dabei stören. Der deutsche Schlafforscher Jürgen Zulley vom Bezirksklinikum Regensburg dagegen meint, das es auf das subjektive Empfinden ankomme, das ausschlaggebend für einen guten Schlaf sei.

"Natürlich kommt es auch auf den Stand der Beziehung an", argumentiert Zulley. "Es mag sein, dass es objektiv besser ist, in getrennten Schlafzimmern zu übernachten. Das hängt aber tatsächlich davon ab, wie sehr ein Partner den anderen beim Schlafen stört", meint der Experte, der sich seit mehr als 35 Jahren mit dem Thema Schlaf beschäftigt. Der klassische Fall, der bei der Partnerin zu Schlafstörung führe sei das Schnarchen. "Nur dann, wenn ein Partner den anderen massiv stört, sollte man die Konsequenz ziehen und in getrennten Schlafzimmern übernachten", so Zulley.

Stanley hat Zahlen vorgelegt, wonach britische Studien deutlich gezeigt hätten, dass Paare 50 Prozent mehr Schlafstörungen haben, wenn sie gemeinsam in einem Bett übernachten. Er erinnert auch an die historische Entwicklung. "Gemeinsame Schlafzimmer gibt es erst seit der industriellen Revolution. In der vorviktorianischen Zeit war es nicht unüblich, in getrennten Schlafzimmern zu schlafen. Wenn ein Paar perfekt und ungestört in einem Bett schlafen kann, sollte es das auch weiterhin tun. Man sollte jedoch keine Angst davor haben, diese Gewohnheit zu ändern, wenn man keinen ruhigen Schlaf findet", so Stanley. Schlafstörungen gehören nach Angaben des Forschers zu den zunehmenden Problemen. "Schlechter Schlaf führt zu Depressionen, Herzerkrankungen, Schlaganfällen, Lungenkrankheiten und zu Unfällen im Straßenverkehr, aber auch am Arbeitsplatz."

Auch bei jüngeren Menschen nehmen Schlafstörungen stark zu, bestätigt Zulley. Neben den zunehmenden existenziellen Sorgen, die auch junge Menschen betreffen, sorge auch die Reizüberflutung für solche Störungen. "Schlechte Entspannung verlangt aber noch höhere Reizflut. Man kommt immer schlechter zur Ruhe", so der Forscher, der auch kritisiert, dass die westlich-industrialisierte Gesellschaft Schlaf ablehnend gegenübersteht, weil sie darin eine mangelnde Arbeitsleistung sieht. "Tagesschlaf ist verpönt. Man muss nachts kompakt durchschlafen, um tagsüber kompakt wach zu sein. Das schafft zusätzlichen Druck", so Zulley.

Foto 1: Wolfgang, Pixelio