Demenz - die neue Volkskrankheit

Die Zahl der Demenzkranken in Deutschland steigt rapide. Ein schlimmer Zustand auch für die Mitmenschen. Wir sagen, wie Sie den Umgang miteinander für alle erträglicher machen können.

Demenz bezeichnet fortschreitende Hirnleistungsschwächen, die sämtliche alltägliche Aktivitäten beeinträchtigen und langfristig zur einer Pflegebedürftigkeit führen.

Schätzungen zu Folge leidet in Deutschland etwa eine Million Menschen an einer mittelschweren bis schweren Demenz. Bedingt durch die steigende Lebenserwartung nimmt die Zahl stetig zu. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft rechnet sogar mit einer Zunahme der Erkrankung um 100 Prozent bis zum Jahr 2040.

Die Gestaltung einer Beziehung zu einem Demenzkranken stellt Angehörige häufig vor fast unlösbare Probleme. Dementiell veränderte Menschen leben in einer anderen, in ihrer eigenen Realität. Nicht selten befinden sich die Erkrankten in einer Zeit, in der sie jung und glücklich waren: Eine 80-Jährige möchte ihre Kinder von der Schule abholen oder für ihren (verstorbenen) Mann das Mittagessen kochen.

VergissmeinnichtDie Frage, vor der ihre Mitmenschen stehen: Ist es einfacher, den Dementen aus seiner Welt ins Jetzt zurückzuholen oder ihn in der "guten alten Zeit" zu belassen? Die Antwort ist naheliegend: Solange sich die erkrankte Person noch unterhalten kann, erfolgt die Kommunikation auf seiner Ebene. Oberstes Gebot auch dabei: Die Würde des Menschen muss erhalten bleiben. Das bedeutet, der Demente wird nicht belogen und es werden keine unerfüllbaren Versprechungen gemacht, wie zum Bespiel: "Ihr Mann wird gleich nach Hause kommen, ich kümmere mich darum." Vielmehr werden die Äußerungen des Dementen aufgegriffen und das Gespräch in eine andere Richtung gelenkt. Diese Form der Kommunikation mit einer an Demenz erkrankten Person nennt man Validation.

Wenn also eine dementiell erkrankte Frau ihrem (verstorbenen) Mann das Essen kochen möchte, dann erkundigt man sich nach ihren Kochkünsten oder ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter: "du warst eine gute Köchin?!", "du hast dich immer um deine Familie gekümmert?!" Ein solches Gespräch dauert meistens nicht länger als fünf Minuten und trägt entscheidend dazu bei, die Situation nicht eskalieren zu lassen. Denn eine dementiell erkrankte Person neigt häufig zu aggressivem Verhalten, wenn eine für sie feststehende Tatsache ("mein Ehemann lebt") von den Angehörigen vehement bestritten wird ("dein Mann ist doch schon seit Jahren tot"). Auch Redensarten und Sprichwörter helfen dabei, ein wertschätzendes Gespräch zu führen, denn an die können sich viele Betroffene ein Leben lang erinnern. ("Einmal Mutter, immer Mutter", "Eigener Herd ist Goldes wert").

So schwer es auch fällt, von geliebten Menschen nicht mehr erkannt zu werden, so tröstlicher ist jedoch die Erfahrung, den Erkrankten zufrieden und mit sich im Reinen zu erleben. Denken Sie daran, dass eine dementiell erkrankte Person schon nach kurzer Zeit vergessen hat, worüber Sie mit ihr gesprochen haben.

Foto: Dirk Schelpe (1), Ruth Rudolph (2) / Pixelio.de