Der Weg zu gesunden Zähnen wird schon im Kleinkindalter geebnet: Bereits die Milchzähne benötigen unsere volle Aufmerksamkeit, denn sie steuern das Knochenwachstum im Kiefer und die Stellung der bleibenden Zähne. Außerdem helfen sie natürlich bei der Sprachbildung. Viele Eltern sind ein bisschen verunsichert, wenn es um das Thema Milchzähne geht. Wer an seine eigene Kindheit zurückdenkt, wird sich wohl an so manchen Wackelzahn erinnern. Geputzt wurde sicherlich auch, aber wie oft und in welchem Alter? Und dann kam der erste Gang zum Zahnarzt, doch wann war das und warum wurden sogar Zähne gezogen? Wir wollen ein bisschen Licht in diesen dentalen Dschungel bringen...
In welcher Reihenfolge und in welchem Alter kommen die Zähne?
Der Durchbruch der Milchzähne beginnt im Allgemeinen mit dem mittleren Unterkieferfrontzähnen im 6. Lebensmonat. Den Abschluss bildet der Durchbruch des letzten Oberkieferbackenzahnes mit 24 Monaten und damit von 20 Milchzähnen. Es ist durchaus möglich, dass sich Verschiebungen der Durchbruchssituation im Hinblick auf einen früheren als auch späteren Durchbruch von sechs bis neun Monaten ergeben. So ist es sogar in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben, dass ein Kleinkind mit bereits einem ersten Zahn geboren wird. Im Allgemeinen ist im Laufe des dritten Lebensjahres der Durchbruch des Milchgebisses abgeschlossen.
Welche Probleme kann das Zahnen machen und was kann man dagegen tun?
Normalerweise läuft der Milchzahndurchbruch ohne größere Komplikationen ab. Darüber hinaus werden aber auch Symptome wie Schmerzen, Schlafstörungen, Fieber, Durchfälle, Dehydration, Hautausschläge und Hypersalivation (vermehrter Speichelfluss) beschrieben. Zur Linderung der Beschwerden werden lokale Präparate, meist aus pflanzlichen Tinkturen (entzündungshemmend) und mit lokalanästhesierenden Eigenschaften empfohlen. Ferner sind entsprechende Beißringe, am besten gekühlt, schmerzlindernd. Gleichzeitig ist auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Unter Umständen kommen entsprechende Analgetika zum Einsatz. Bei darüber hinausgehenden Symptomen sollte der Zahnarzt bzw. der Kinderarzt aufgesucht werden, um lokale, aber auch allgemeine Infektionen zusätzlich auszuschließen.
Wann mit dem Zähneputzen anfangen? Wann mit Zahnseide, Kaugummi, Mundwässern, elektrischen Zahnbürsten?
Die Zahnpflege muss mit dem Durchbruch des ersten Milchzahnes beginnen. Dazu soll eine auf die Bedürfnisse von Kleinkindern abgestimmte Zahnbürste zur täglichen Mundhygiene genutzt werden. Einmal täglich ist hierfür eine erbsengroße Menge Kinderzahncreme mit kindgerechtem Fluoridgehalt (0,05% oder 500ppm) zu verwenden. Ab dem 2. Lebensjahr sollte die fluoridhaltige Kinderzahncreme zweimal täglich verwendet werden. Mit der regelmäßigen Zahn- und Mundhygiene anfänglich durch die Eltern, erzieht man die Kleinkinder zu einem selbstverständlichen und selbständigen Mundhygieneverhalten. Sofern beginnende manuelle Fähigkeiten bestehen, sollte das Kleinkind die Zahnpflege bereits selbständig durchführen. Zu beachten ist allerdings dabei, dass mindestens bis zum Beginn des Schulalters eine Nachpflege durch die Eltern erfolgen muss. Abhängig von der Zugänglichkeit ist für die Pflege der Zahnzwischenräume der Milchbackenzähne der Einsatz von Zahnseide sinnvoll. Zusätzliche Maßnahmen, wie Mundwässer, sind nicht unbedingt notwendig. Der Einsatz einer elektrischen Zahnbürste ist nach Einübung einer guten Zahn- und Mundhygiene mit einer Handzahnbürste durchaus sinnvoll.
Wann das erste Mal zum Zahnarzt? Woran erkennt man einen guten "Kinder"-Zahnarzt
Die Vorstellung beim Zahnarzt sollte frühzeitig erfolgen. Sinnvollerweise ist eine entsprechende Aufklärung zu den Maßnahmen der Zahn- und Mundhygiene bei Säuglingen und Kleinkindern bereits in der Schwangerschaft vorzunehmen. Darüber hinaus gibt es sinnvolle Informationen zur Ernährung und dem Einsatz von Fluoriden. Die regelmäßige Vorstellung des Kleinkindes beim Zahnarzt sollte bereits ab dem ersten Lebensjahr erfolgen. Ein spielerisches Heranführen an die Situation in der zahnärztlichen Praxis ist wichtig und kann neben den vermittelten Informationen an die Eltern gleichzeitig deutlich Ängste abbauen. Die Vorstellung des Kleinkindes erfolgt üblicherweise beim Allgemeinzahnarzt. Der Zahnarzt als auch die Prophylaxeassistentin in der Praxis sollten sich dafür entsprechend Zeit nehmen und mit einer positiv gestalteten Atmosphäre kindgerecht (d.h. nicht unbedingt auf den Behandlungsstuhl) entsprechende Untersuchungen sowie Aufklärungs- und Übungsmaßnahmen vornehmen. Von großer Wichtigkeit hierbei sind entsprechende Informationen und Aufklärungsmaßnahmen für die Eltern über die Zahn- und Mundhygiene, den Einsatz von Fluoriden, Ernährungsgewohnheiten und über Einflussfaktoren möglich schädigende Einwirkungen für die Zähne.
Schnuller oder Daumen?
Das Lutschen am Daumen, Fingern oder Schnuller ist in den ersten beiden Lebensjahren häufig, sollte aber möglichst vermieden werden. Spätestens mit 3,5 Jahren sollte darauf hingewirkt werden, dass eine Verminderung oder vollständiges Abstandnehmen von den Lutschgewohnheiten einsetzt. Durch fortgesetzte Lutschgewohnheiten können Zahnstellungs- und Bisslagefehler, insbesondere ein offener Biss, entstehen. Um aufwändige kieferorthopädische Maßnahmen auch im bleibenden Gebiss zu vermeiden und gleichzeitig zu verhindern, dass Probleme bei der Sprachbildung oder Fehlfunktionen der Zunge insbesondere beim Schlucken auftreten, ist die Einflussnahme auf die Lutschgewohnheiten unbedingt notwendig.
Welche Fluoridprohylaxe?
Bedingt durch wissenschaftliche Erkenntnisse, dass Fluoride zum Schutz der Zahnhartsubstanz vorwiegend unmittelbar auf der Zahnoberfläche wirken, sollte ab dem 6. Lebensmonat die Zahnpflege einmal täglich mit einer erbsengroßen Menge kindgerechter Fluoridzahnpasta (0,05% oder 500ppm) erfolgen. Ab dem 2. Lebensjahr wird die fluoridhaltige Kinderzahncreme in der gleichen Menge zweimal täglich eingesetzt. Mit dem sechsten Lebensjahr ist es notwendig, zweimal täglich mit Fluoridzahnpasten für Erwachsene zu pflegen. Neben dem Einsatz der fluoridhaltigen Zahnpasta ist die Verwendung von jodiertem und fluoridiertem Kochsalz sinnvoll. Zu beachten ist hierbei, dass ein zusätzlicher Einsatz von Fluoridtabletten ausgeschlossen wird. Zur genauen Bestimmung des Einsatzes von Fluoriden ist eine entsprechende Fluoridanamnese durch den Zahnarzt oder Kinderarzt zu erheben. Bei einem erhöhten Kariesrisiko bietet sich ab dem dritten Lebensjahr der Einsatz von Fluoridlacken bzw. Fluoridgelen unter zahnärztlicher Kontrolle an.
Was sollten Eltern rund um das Thema Zähne noch beachten?
Die ersten prophylaktischen Weichen für eine positive Allgemein- und Mundgesundheit des Kindes sollten bereits in der Schwangerschaft gestellt werden. Wissenschaftlich belegt ist, dass entzündliche Erkrankungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis) das Risiko einer Frühgeburt in Verbindung mit einem geringen Geburtsgewicht des Kindes erhöhen können. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, dass bereits die Schwangere auf einen guten Mundgesundheitszustand und eine sanierte Mundhöhle achtet. Ebenso schädlich für das Kind sind an Karies erkrankte Zähne der Mutter, des Vaters oder anderer Bezugspersonen. Nach aktuellem Verständnis der Zahnmedizin werden die Mundhöhlenbakterien der engsten Bezugspersonen, zumeist der Mutter, an das Kind weitergegeben. Hierdurch steigt das Risiko selbst frühzeitig an Karies zu erkranken. Eine sorgfältige tägliche Mundhygiene unterstützt durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, unter Umständen notwendiger professioneller Zahnreinigungen und rechtzeitiger Behandlung von Schäden in der Mundhöhle, insbesondere der Mutter, sind somit von großer Wichtigkeit.
Über die regelmäßige Zahn- und Mundhygiene beim Kleinkind hinaus sind die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen auch zur frühzeitigen Erkennung von Zahnstellungs- und Bisslagefehlern mindestens halbjährlich von Wichtigkeit. Bei erhöhtem Kariesrisiko können zusätzliche Maßnahmen eingesetzt werden. Von großer Wichtigkeit ist das richtige Trink- und Essverhalten des Kleinkindes. Eine besonders schwerwiegende Form der frühkindlichen Karies ist die sogenannte Nuckelflaschenkaries. Sie entsteht durch ständiges Umspülen der Zähne mit gesüßten oder stark säurehaltigen Getränken aus Saugerflaschen. Keinesfalls sollten den Kleinkindern solcherlei Getränke zur Selbstbedienung insbesondere in der Nacht überlassen werden. Durstlöschend sind ungesüßte Tees, Mineral- und stille Wasser. Zu beachten ist auch, dass Fruchtsäfte bei zu häufigem Genuss und "selbstständiger" Bedienung zur starken Zerstörung insbesondere der Oberkiefermilchfrontzähne führen können.
Eine ausgewogene Ernährung entsprechend den Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährungswissenschaften ist von großer Wichtigkeit. Auf süße Zwischenmahlzeiten sollte nach Möglichkeit verzichtet werden.
All diese wichtigen Informationen werden in zahlreichen Bundesländern durch einen "zahnärztlichen Kinderpass" unterstützt und zusätzlich die Kontrolluntersuchungen entsprechend aufgeführter Inhalte dokumentiert. (Quelle: Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundezahnärztekammer)
Noch einmal nachgehakt:
Zahnärztlicher Kinderpass - was genau ist das?
In zahlreichen Bundesländern bekommt bereits die werdende Mutter den "zahnärztlichen Kinderpass" in die Hand gedrückt bzw. kann ihn sich bei ihrem Zahnarzt abholen bzw. ausfüllen lassen. Denn die ersten zwei Untersuchungen, die der je vom Bundesland abhängige Pass vorsieht, werden oft schon bei ihr unternommen, um das Übertragungsrisiko auf das zukünftige Kind zu minimieren. Für das Kind selbst sieht der Kinderpass in der Regel elf Vorsorgeuntersuchungen im Alter von einem halben Jahr bis sechs Jahren vor. Dort wird die gesunde Entwicklung des Kiefers und der Milchzähne beim Kind Schritt für Schritt dokumentiert. Weitere Themen können sein: die altersgerechte Mundhygiene und Lutschgewohnheiten. Großer Vorteil des zahnärztlichen Kinderpasses: Das Kind hat viel in puncto Zahngesundheit gelernt und ist mit regelmäßigen Zahnarztbesuchen und der Atmosphäre in der Praxis vertraut. Vom sechsten bis zum vollendeten 17. Lebensjahr haben Kinder dann Anspruch auf besondere individuelle Vorsorgemaßnahmen.
Kindergarten und Schule
Zähneputzen bzw. das Pflegen der Milchzähne und der bleibenden Zähne gehört zur Gesundheitserziehung. Verbreitet steht daher das Thema "Zähne" auch immer wieder im Mittelpunkt in den meisten Kindergärten und später in der Grundschule. Neben dem gemeinsamen Zähneputzen nach dem Frühstück bzw. dem Mittagessen organisieren die Erzieher manchmal auch sogenannte Workshops: Wie heißen die Zähne, wie putzt man sie gründlich, was tut den Zähnen gut und was nicht, und was macht der Zahnarzt? Nicht selten kommt sogar ein Arzt zu Besuch, der sich die Zähne der Kleinen anschaut und auch Empfehlungen an die Eltern weitergibt. In der Grundschule wird das Thema im Rahmen der zahnmedizinischen Gruppenprophylaxe noch einmal aufgenommen. Auch hier stehen dann Vorsorgeuntersuchungen, Unterrichtsbesuche zum Erlernen und selbstständigen Durchführen des Zähneputzens sowie das Thema (zahn)gesund essen und trinken auf dem Programm.
Praxisgebühr und zusätzliche Kosten
Parallel zu Untersuchungen beim Kinderarzt hat der Gesetzgeber für Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr neben den normalen Kontrolluntersuchungen drei zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen eingeführt. Die Kosten tragen die Krankenkassen. Auch die im "zahnärztlichen Kinderpass" aufgeführten Untersuchungen sind selbstverständlich kostenlos. Die bei hohem Kariesrisiko zusätzlich durchführbaren Fluoridierungsmaßnahmen zur Zahnschmelzerhärtung (ab dem 30. Lebensmonat) werden bei privat Versicherten und Beihilfeberechtigten, solange sie bescheiden bleiben, im Rahmen der Gebührenordnung für Zahnärzte und je nach Vertragsgestaltung ebenfalls erstattet. Darüber hinaus gibt es jedoch auch bei Kindern mögliche Vorsorgemaßnahmen, die die Krankenkassen nicht tragen. Ein Gespräch mit dem Zahnarzt oder mit der Kasse bringt Klarheit...
Link-Tipps:
www.bzaek.de - Die deutschen Zahnärzte im Internet. Infos für Zahnärzte und Praxispersonal, Neuigkeiten aus der zahnmedizinischen Forschung und Patienteninformationen runden das Angebot ab.
Download-Tipp:
Anlässlich des Monats der Mundgesundheit 2006 wurde die Broschüre "Mundgesundheit von Anfang an - Prophylaxekonzepte für Mutter und Kind" erstellt, die Sie sich hier herunterladen können.
Quellen und Bildrechte:
- Foto 1: Bild von pixabay.com>Jenny Friedrichs auf pixabay.com>Pixabay
- Alle anderen Fotos: proDente e.V.
