Nachhaltige Gartenmöbel erkennen: Holzart, Umweltbilanz oder Prüfsiegel?

Die Themen Klima- und Umweltschutz gewinnen für immer mehr Menschen an Bedeutung – nicht zuletzt auch dank des Wissens um den Klimawandel und der Alternativen zu Plastik und Co. Kein Wunder also, dass auch bei der Wahl der Gartenmöbel nach umweltfreundlichen Alternativen gesucht wird. Allerdings stellt sich die Frage, woran man nachhaltige Varianten erkennt. Worauf sollte man auf jeden Fall achten, wenn man den Kauf neuer Gartenmöbel mit seinem grünen Gewissen in Einklang bringen möchte?

Während das Bild deutscher Gärten noch vor gar nicht allzu langer Zeit hauptsächlich von klassischen weißen Plastikstühlen geprägt wurde, sieht man mittlerweile immer häufiger Stühle, Tische und sonstige Accessoires aus Holz – doch was auf den ersten Blick nach einer überaus positiven Veränderung aussieht, stellt sich bei genauerer Betrachtung leider nicht selten als Trugschluss heraus.

Der Grund dafür: Da viele Gartenbesitzer großen Wert darauf legen, dass ihre Gartenmöbel Wind und Wetter trotzen können, möglichst günstig und zudem auch einfach zu reinigen sind, fällt die Wahl häufig auf Gartenmöbel aus robusten Materialien wie Teakholz, Mahagoni oder auch Akazie. Was vielen jedoch nicht bewusst ist: Dabei handelt es sich um sogenannte Tropenhölzer, die nicht selten aus illegalen Rodungen stammen, um die Preise möglichst niedrig zu halten.

Echte Nachhaltigkeit sucht man hier in den meisten Fällen also vergebens, denn dieser Raubbau sorgt nicht nur für die Gefährdung seltener Tierarten und eine deutliche Beschleunigung des Klimawandels – er hat auch die Ausbeutung der Arbeiter vor Ort zur Folge, die nur selten eine wirklich faire Bezahlung erhalten. Was zeichnet nun aber nachhaltige Gartenmöbel aus?

Umweltfreundliche Gartenmöbel aus regionalen Holzarten

Wer den Kauf neuer Gartenmöbel plant, sollte sich im ersten Schritt über die verwendeten Materialien und deren Herkunft informieren. Eine kostengünstige und zugleich nachhaltige Alternative zu den angesprochenen Tropenhölzern stellt der Baumstämme aufgeschichtetBaum des Jahres 2020 dar: Die Robinie, die auch als „falsche Akazie“ bekannt ist. Diese ursprünglich aus Nordamerika stammende Holzart wird bereits seit dem 17. Jahrhundert in Deutschland angebaut und besticht vor allem durch ihre robuste Wetterfestigkeit.

Die Douglasie, die ebenfalls aus Nordamerika stammt und schon seit langem in Deutschland heimisch ist, eignet sich ebenfalls für die Herstellung nachhaltiger Gartenmöbel. Darüber hinaus empfehlen sich aber natürlich auch (ur-)europäische Hölzer wie zum Beispiel die Buche, die Eiche oder auch Kiefern- und Fichtenholz. Diese Gehölze gehören zu den verbreitetsten deutschen Baumarten. Der einzige Nachteil von Buchenholz: Aufgrund der nur sehr geringen Wetterbeständigkeit müssen die Gartenmöbel häufiger mit schonenden Holzschutzmitteln und Pflegeölen behandelt werden.

Die Ökobilanz: Was macht nachhaltige Gartenmöbel aus?

Nach der Überprüfung des Materials und dessen Herkunft geht es im nächsten Schritt um die Herstellung der Gartenmöbel. Wie lang sind beispielsweise die Transport- und Lieferwege sowohl in Bezug auf die Produktion selbst, als auch beim späteren Versand an den Endkunden? Wie ist es um die Langlebigkeit der Gartenmöbel bestellt? Bietet der Hersteller faire Arbeitsbedingungen für die Angestellten? Können sämtliche Bestandteile ohne Probleme recycelt werden? In der Regel beantworten nachhaltig agierende Hersteller diese Fragen auf der Firmenwebseite oder auf Nachfrage per E-Mail.

Zertifikate als Nachweis für eine nachhaltige Forstwirtschaft

Mittlerweile gibt es zahlreiche Zertifikate auf dem Markt, die nicht nur eine nachhaltige Forstwirtschaft garantieren, sondern zudem auch die sozialgerechte Arbeitssituation in den jeweiligen Zulieferer- und Herstellerbetrieben bewerten sollen. Da man als Endkunde aufgrund der Vielzahl an verschiedenen Zertifikaten jedoch sehr schnell den Überblick verlieren kann, stellen wir nachfolgend die wichtigsten Prüfsiegel, die nachweislich sehr strenge Voraussetzungen zur Vergabe stellen, im Überblick vor:

- Forest Stewardship Council (kurz FSC): Das FSC-Siegel ist nicht nur hierzulande sehr weit verbreitet und steht in erster Linie für den umweltgerechten und nachhaltigen Umgang mit der natürlichen Ressource Holz. Die Bewertungen der Hersteller- und Verarbeitungsbetriebe erfolgt nach strengen Richtlinien und soll dem Kunden auf diese Weise zeigen, dass das Holz aus nachhaltigem Anbau stammt.

Auch wenn bestimmte Facetten der FSC-Zertifizierung unter anderem seitens Greenpeace in der Kritik stehen, gilt das FSC-Siegel immer noch als das glaubwürdigste Nachhaltigkeitszertifikat. Der BUND, der WWF, das staatliche Thünen-Institut, aber auch Greenpeace empfehlen beim Möbelkauf trotz Einschränkungen auf das FSC-Siegel zu achten.

- Das Ökosiegel von Naturland: Um das Naturland Ökosiegel zu erhalten, müssen die Hersteller sehr strenge Auflagen (und teils deutlich strenger als beispielsweise bei dem FSC-Siegel) in Bezug auf die Nachhaltigkeit bei der wirtschaftlichen Nutzung der Wälder erfüllen. Gut zu wissen: Diese Richtlinien wurden bereits 1995 von Naturland, Robin Wood, Greenpeace und dem Umweltverband BUND gemeinsam festgelegt, was die Glaubwürdigkeit des Siegels dementsprechend nochmals erhöht.

- Der Blaue Engel: Bei dem Blauen Engel handelt es sich um ein sogenanntes Regierungsprüfsiegel, bei dem vor allen Dingen schädliche Emissionen und sonstige Schadstoffe, die bei der Produktion entstehen, unter die Lupe genommen werden. Der Nachteil: Die eigentliche Holzgewinnung und die nachhaltige Arbeitsweise der verantwortlichen Unternehmen spielen hier leider nur eine untergeordnete Rolle.

Abschließend bleibt zu sagen, dass es natürlich auch Zertifikate und Prüfsiegel gibt, die sich aus verschiedensten Gründen leider nur sehr eingeschränkt als Beweis für eine nachhaltige und ökologisch wertvolle Forstwirtschaft eignen. Dazu gehören beispielsweise die nachweislich sehr industrienahe „Rainforest Alliance“, das „Program for the Endorsement of Forest Certification“ (kurz PEFC), das nur sehr wenig kontrolliert und stattdessen auf die Selbstverpflichtung der Hersteller setzt, sowie „natureplus“, ein Verein zur Förderung nachhaltigen Bauens, dessen Bewertungssysteme jedoch schon häufiger von diversen Institutionen – unter anderem der Stiftung Ökotest – angeprangert wurden.

Was kann man selbst tun?

Am Ende kommt es nicht nur darauf an, welche Möbel man kauft, sondern auch wie oft. Je länger man seine Gartenmöbel nutzt, desto besser ist ihre Umweltbilanz. Die richtige Pflege in Sachen Nachhaltigkeit ist also ebenso wichtig wie die Herkunft oder Verarbeitung des Holzes. Wer Spaß daran hat, selbst Hand anzulegen, kann zudem gebrauchte Möbel abschleifen und neu lackieren, statt neue anzuschaffen.

Gut zu wissen: Bei der korrekten Pflege können Stühle, Tische und Liegen aus regionalen Hölzern 50 Jahre und länger halten.

Quellen und Bildrechte:

  • Sven Schäfer für Gartenmoebel.de, Kooperation mit Familien-Welt.de
  • Sven Schäfer schreibt bereits seit vielen Jahren freiberuflich für bekannte Online-Portale, darunter Gartenmoebel.de. Dank seiner Expertise in Bezug auf Nachhaltigkeit im eigenen Garten, Permakultur und ökologischen Landschaftsbau weiß er genau, wie man die grüne Oase noch schöner gestalten und effizienter nutzen kann.
  • Fotos: www.pixabay.com

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