Der türkische Nikolaus und andere Weihnachtsüberraschungen

Andere Länder, andere Sitten. Das gilt auch zu Weihnachten. Wie die Niederländer mit Weihnachtsbäumen umgehen, was Weizenkörner mit Weihnachten zu tun haben und warum die Polen zum Fest Stroh ins Esszimmer legen, lesen Sie hier.

Wussten Sie, dass der heilige Nikolaus in der Türkei gelebt hat? Oder dass die Niederländer neuerdings mit ihren Weihnachtsbäumen werfen? Oder dass die Polen zu Weihnachten Stroh unter der Tischdecke haben? Dann sind Sie ein echter Weihnachtsexperte oder, wer weiß, vielleicht sogar der Weihnachtsmann persönlich.

Gut, die Sache mit dem Nikolaus liegt schon eine Weile zurück. Der Mann, dem wir die Sache mit den Schuhen vor der Tür zu verdanken haben, hat wirklich gelebt. Und zwar vor 1700 Jahren als Bischof in Myra, einer Stadt in der Süd-Türkei. Nach seinem Tod am 6. Dezember 343 oder 350, genau weiß man es nicht, wurde er heilig gesprochen und gilt seither als Schutzpatron der Kinder, Seefahrer und Kaufleute. Schließlich sagt man Nikolaus nach, dass er immer etwas Nettes oder Essbares für Kinder in den Taschen seines weiten Mantels dabei hatte. Vor ungefähr 400 Jahren ist man dann in Mitteleuropa auf die Idee gekommen, diesem Mann einen christlichen Gedenktag im Kalender zu widmen.

Man sollte eigentlich meinen, die Zeit vom 6. Dezember bis zu den Weihnachtsfeiertagen am 25. und 26. Dezember reicht, um die Geburt Jesu gebührend mit Geschenken und Gelagen zu feiern. Das sehen die Italiener anders. Südlich der Alpen gibts, wie anderswo auch, am 25. Dezember Weihnachtsgeschenke - aber am 6. Januar schon wieder! An diesem Tag bekommen die Bambini noch einmal Geschenke. Der christliche Hintergedanke: Schließlich wurde am 6. Januar das Jesuskind von den heiligen drei Königen beschenkt.

Ganz anders die Niederländer: Die haben Anfang Januar nichts mehr mit Weihnachten am Hut, sondern schon die Mütze auf. Am 6. Dezember gibt es die Geschenke, am 24. Dezember wird dann ohne Gaben und eher ruhig gefeiert. Aber dann. Vor einigen Jahren haben die Niederländer eine neue Wintersportart entwickelt, das Weihnachtsbaum-Weitwerfen. In dem Land, in dem man nur in der Halle Ski fahren kann, müssen die Trend-Wintersportler mit Holzschuhen, Holzhackerhemd und Weihnachtsmütze ausstaffiert einen mindestens 1,60 Meter hohen Weihnachtsbaum durch die Luft schleudern. Nicht in der Halle, sondern übers platte Land und mit dem dicken Ende voran.

Ein dickes Ende hat das Weihnachtsfest möglicherweise auch für den einen oder anderen Polen. In Polen serviert man nämlich gerne zwölf verschiedene Speisen zum Festschmaus am heiligen Abend. Das üppige Speisenangebot ist natürlich streng biblisch begründet: Jesus hatte ja an seinem Tisch zwölf Apostel um sich versammelt. Unter der festlich gedeckten Tafel haben die Polen häufig Stroh verteilt. Das Stroh soll daran erinnern, dass das Jesuskind in einer Krippe auf Stroh gelegen hat. Ob man in Polen nach einem so umfangreichen Mahl wie ein sattes Baby in der Wiege schlummern kann, mag allerdings bezweifelt werden.

In der Provence spielen zu Weihnachten Weizenkörner eine große Rolle. Am Tag der heiligen Barbara werden sie in drei kleinen Schalen auf getränkte Watte gesät und an einem warmen Ort aufbewahrt. Diese dienen am Weihnachtsabend zum "Gros Souper" mit einem roten Band als Tischdekoration und sind ein Symbol für die Ernte und den wirtschaftlichen Aufschwung des nächsten Jahres. Die drei Schalen stehen für die Dreifaltigkeit und je höher der Weizen wächst, desto besser soll die nächste Ernte ausfallen. Vielleicht sollten wir diesen Brauch in Deutschland übernehmen...

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