Wie kann man den Winter vertreiben?

Schon unseren Vorfahren ging es ähnlich wie uns jetzt: Man hat genug vom Winter und will endlich Frühling, Sonne und eisfreie Straßen! Es gibt einige alte Bräuche, die auch heute noch dafür sorgen sollen, dass der Winter sich zurückzieht - doch in Zeiten des Lockdowns ist davon vieles nicht möglich. Hoffen wir, dass es trotzdem klappt!

Ob Karneval, Fastnacht, Fasslamm, Fassenacht oder Fasching - die närrischen Feste haben ihren Ursprung in vorchristlichen Zeiten und sollten den Winter austreiben. Sie wurden dann von den Christen übernommen und bekamen einen Bezug zur Fastenzeit, die ja mit dem Aschermittwoch beginnt.

Die Friesen entzünden jedes Jahr im Februar wieder die Biikefeuer - ihre Methode, den Winter endlich nach Hause zu schicken. Dabei wird ordentlich gefeiert - Gäste sind willkommen.
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Im Spreewald versucht man schon vor der Faschingszeit, den Frühling herauszulocken: Die verkleideten Dorfjugendlichen ziehen von Haus zu Haus und geben überall ein Ständchen. Dafür bekommen sie Naturalien wie Eier oder Speck oder Geld. Das Ganze nennt sich Zampern oder Heischegang und soll den Winter vertreiben, dem Dorf Schutz vor Gefahren und Dämonen bringen und den Start in die fruchtbare Jahreszeit beschleunigen.

In Ungarn wird im Februar nicht nur Fasching gefeiert, sondern es gibt auch Riten zur Vertreibung des Winters. Die "Buschos" von Mohács sind in zottelige Tierfelle gewandet und tragen nach uralten Mustern geschnitzte Holzmasken. Sie sind so erfolgreich in ihrem "Job", dass sie 1687 sogar die Türken nach 150 aus Ungarn vertrieben haben sollen. Da hat der Winter keine Chance...

ImageWenn sich der Fasching in Österreich (Foto) seinem Ende nähert, formieren sich wilde maskierte Gestalten in farbenfrohen Kostümen zu den Fasnachtsumzügen, um nach altem, über die Jahrhunderte überliefertem Ritual den Winter zu vertreiben und den Frühling willkommen zu heissen.

Beim "Mullerlaufen" in der Region Hall-Wattens zum Beispiel ist der "Spiegeltuxer", der einen rund zwölf Kilogramm schweren Kopfschmuck aus Federn und Blumen mit großem Spiegel in der Mitte trägt, die Hauptperson. Mit diesem Spiegel vertreibt er als Frühlingsfigur die bösen Geister des Winters.

Die zentralen Figuren des Schellerlaufens sind, wie beim Imster Schemenlauf und beim Fisser Blochziehen, der Bär und der Bärentreiber. Ertönt der Ruf "Urio Bärio" des Bärentreibers, beginnt das Herzstück der Nassereither Fasnacht. Der Treiber mit seiner grimmigen, hölzernen Maske verkörpert den Winter, der den Frühling - verkörpert durch den Bären - fest im Griff hat. In der einen Hand hält er einen Haselnuss-Stock, in der anderen die Kette des Bären. Begleitet werden die zwei vom so genannten Bären-Pfeifer - einem Mann mit einer kleinen Trommel sowie einer Pfeife, auf denen er ständig denselben Rhythmus spielt. Auch der Bären-Sammler ist dabei, er bemüht sich mit einem Klingelbeutel um ein wenig "Münzio" für Bären und seinen Treiber. Der Bär widersetzt sich anfänglich den Anweisungen des Treibers, dieser aber bringt das wilde Tier schließlich sogar dazu, einem Purzelbaum zu schlagen.

Wenn der Winter trotzdem noch nicht weichen will, gibt es noch den Frühlingsbrauch des Grasausläutens um Ostern herum, der seit dem 15. Jahrhundert sehr beliebt ist. Nach den langen Wintermonaten soll der Boden wieder Früchte tragen - saftiges Gras und bunte Blüten sind dabei die ersten Zeichen. Junge Männer ziehen mit laut klingenden Schellen oder Glocken, die sie sich umgebunden haben, durch die Straßen. Mit dieser geräuschvollen Zeremonie soll das Gras zum Wachsen animiert werden.

Quellen und Bildrechte:

  • Foto 1: Pixabay, Foto 2: Österreich Information

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