Von Hasen, Hennen und Hirschen

Fast zu schade zum Essen: Die österlichen Gebildbrote, Gebäck in Form von Tieren, Brezeln oder anderen Formen. Dabei handelt es sich aber nicht immer um eine tiefsinnige Symbolik - sondern viele sind einfach einer kreativen Bäckerlaune entsprungen. Auf jeden Fall sind sie ein Hingucker und auch ein schönes Geschenk!

Das Backen von Gebildbroten hat eine lange Tradition. Bis ins griechische und römische Altertum hinein ist die Herstellung von Gebildbroten belegt. Brot hat eine sehr lange kulturgeschichtliche Bedeutung, die gerade in Europa mit Symbolik und Spiritualität eng zusammen hängt. Es gilt seit Alters her als heilig, beim Backen und beim Brechen des Brotes wurden verschiedene Rituale vollzogen. Im Christentum wird im "Vater unser" um Brot gebeten, Christus selbst wird das Brotwunder, also die wundersame Vermehrung von Brot, zugeschrieben. Auch in der jüdischen Symbolik spielt das Brot eine große Rolle. Beim Pessach-Fest erinnert ungesäuertes Brot an den Auszug aus Ägypten.

ImageTypische österliche Gebildbrote aus Tirol
Zu bestimmten religiösen Feierlichkeiten werden heute noch traditionelle Gebildbrote gebacken. Das sind figürliche Gebäcke, die ohne Zuhilfenahme von Modeln hergestellt werden. Nur mit den Händen werden verschiedene Brotformen geschaffen, welche wiederum mit Festen und Terminen des Jahreskreises zusammen hängen. Zu Allerheiligen und besonders zu Ostern ist das Gebildbrot sehr beliebt, es werden viele verschiedene Arten hergestellt und verzehrt. Meist sind es Tierformen, aber auch die menschliche Gestalt oder Symbole, wie die Brezel, sind beliebte Formen für Gebildbrote. In Tirol ist diese bei den österlichen Gebildbroten regional verschieden. Es sind vor allem Hennen- und Hasenformen, die besonders bekannt und beliebt sind, im Außerfern und im Zillertal ist die Hirschform verbreitet.

In Tirol ist es Brauch, dass der Taufpate (auf Tirolerisch heißt er Godl, seine Geschenke Godlpack) seinen Patenkindern zu Ostern ein solches Gebildbrot schenkt. Mädchen bekommen die Henne, Buben den Hasen. Wer einen Bezug dieser Formen zu einem religiösen Inhalt sucht, der wird allerdings enttäuscht. Diese Gebildbrote markieren das Ende der Fastenzeit, in der der Genuss von Eiern verboten war. Jetzt aber dürfen sie wieder verspeist werden und so sind sie auch eine wesentliche Zutat dieser Brote.

Marion Erhart-Kröll von der Bäckerei Kröll in der Innsbrucker Altstadt erklärt, dass Eier für Fruchtbarkeit und Wachstum stehen und deshalb in der Fastenzeit nicht gegessen werden dürfen. Danach aber werden sie wieder vermehrt konsumiert und das schlägt sich auch in den Osterbäckereien nieder. Die Osterpinze ist ein rundes Brote aus Brioche-Teig, das mit einem Einschnitt gedrittelt wird. In der Mitte der Osterpinze liegt ein bunt gefärbtes Ei. Der Volksglaube rät zu einer Osterpinze mit rotem Ei. Der Überlieferung zu Folge garantiert ein rotes Ei, das am Ostersonntag verspeist wird, Wohlstand und Erfolg. Ein besonderes österliches Gebäck ist der Fochaz, ursprünglich ein unter der Asche gebackenes Fladenbrot. Irgendwann wurde dieser Begriff dann auf das zu Ostern gebackene Weizenbrot übertragen. Die typischen Ingredienzien für einen Fochaz sind sehr viele Eier und Anis, welcher ihm auch die eigene Geschmacksnote verleiht. Der Fochaz ist leicht süßlich, verträgt sich aber auch hervorragend mit dem saftigen Osterschinken. Der Überlieferung nach nimmt derjenige, der den Osterfochaz isst, einen besonderen Segen in sich auf.

Heute entspringen viele Osterbäckereien schlichtweg der Phantasie des Bäckers, es gibt sie in allen möglichen Formen und Größen, sind aber immer noch ein typisches Ostergebäck. Für Bäckermeister Heinz Kröll ist es immer wieder eine Freude, die verschiedenen Osterköstlichkeiten herzustellen, was man an den liebevoll zubereiteten Figuren leicht erkennen kann.

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