Abfischen: Rund um Karpfen & Co.

Jetzt ist sie wieder da - die Zeit des Abfischens. Überwiegend im Herbst lassen die meisten Teichbesitzer das Wasser ab, um vor dem Winter den Fischbestand quasi zu ernten. Neben allerlei kleinen Fischen sind vor allem die Jäger wie Hecht oder Zander und natürlich der Karpfen Objekte der Begierde von Groß und Klein...

Meistens wird es in den Regionalblättern angekündigt, man kann es aber auch im Internet googeln: Bauer X ruft zum traditionellen Abfischen. Häufig macht sich dann die ganze Familie auf, diesem Riesenspektakel beizuwohnen, denn man bekommt sehr viel zu sehen. Neben dem eigentlichen Abfischen wird nicht selten ein kleines Rahmenprogramm mitgeliefert. So landete z.B. das eine oder andere heiße Süppchen in unternehmungslustigen Mägen. Aber natürlich gibt es vor allem eines: frischen Fisch! Und wer während des stundenlangen Zusehens Hunger bekommt, bekommt diesen auch sogar direkt aus dem Räucherofen, gebacken und/oder im Brötchen serviert.

Das wohl größte Fischerfest in Deutschland ist das Horstseefischen in Wermsdorf, dass nun vom 7. bis 9. Oktober stattfinden wird. Jedes Jahr kommen tausende Besucher, um an diesem Abfischen am Horstsee teilzunehmen. Weitere Infos und viele Fotos vom vergangenen Jahr finden Sie hier!

So läuft das Abfischen ab...
Wenn abgefischt wird, muss der Teich bis auf einen Rest abgelassen werden. Da dies nicht mal eben so kurz gemacht wird, kann dieser Vorgang durchaus ca. vier Wochen dauern. Damit die Fische für die Weiterverarbeitung auch frisch bleiben, werden einige Behälter benötigt, die zur Zwischenlagerung dienen. Diese werden mit genau dem Teichwasser gefüllt, in dem die Fische leben. Außerdem werden sie zusätzlich belüftet. Wenn dann alles bereitsteht und der Tag des Abfischens gekommen ist, wird meist mit dem Auslegen eines großen Netzes von einem Boot aus begonnen, das eine Runde im verblieben Teichwasser dreht. Natürlich ist das aber auch von der Größe des Teiches abhängig, weil manchmal lohnt sich der Aufwand mit einem Boot nicht, wenn der Teich zu klein ist. Ist das Teich ausgelegt, wird es von weiteren Mitarbeiter zum Ufer hin eingeholt. Kein Fisch muss um Luft ringen, alle bleiben immer noch in ihrem Element. Sobald das Netz am Ufer gut verankert ist, werden die Fische mit Kechern in die Transportbehälter gebracht. Natürlich können nicht immer alle Fisch gefangen werden, diese werden dann zuletzt mit dem gesamten Netz per Kran aus dem Wasser gehoben.

Was macht den Reiz aus?
Das Fangen von Fischen alleine ist schon für viele reizvoll. Während man beim Angeln manchmal erfolglos nach Hause zurückkehren muss, erübrigt sich dies beim Abfischen, denn Fische werden auf jeden Fall "geerntet". Außerdem ist es durchaus spannend! Wie groß sind wohl die Karpfen? Welche Fische befinden sich noch im Teich? Reizvoll ist für viele auch die schwere körperliche Arbeit, die so ganz anders als der übliche Büroarbeitsplatz ist. Sie führt einen zurück zu den Ursprüngen der Menschheit. Abfischen ist und bleibt etwas Ursprüngliches...

Nachdem wir nun soviel über das Abfischen geschrieben haben, wollen wir nicht versäumen, Ihnen auch dabei behilflich zu sein, die beim Abfischen erworbenen frischen Fische köstlich zuzubereiten. Leckere Rezepte finden Sie auf der nächsten Seite!

Braunbier-Karpfen
Für 4 Personen benötigen Sie: 1 mittlerer Karpfen, 1 Zitrone, Pfeffer aus der Mühle, Salz, 100 ml Rotwein, 200 g Möhren, 100 g Knollensellerie, 2 Flaschen Doppelkaramellbier, 1 Zwiebel, Nelkenblatt und Nelken, 90 g Butter, 70 g Honigkuchen, 40 g Sultaninen (einweichen), Zucker, Essig, 60 g gehackte Mandeln

Und so wird das Gericht zubereitet:
Den Karpfen halbieren, Kiemen entfernen, säubern und in vier Teile zerlegen. Mit dem Saft einer Zitrone, Pfeffer und Rotwein in einer flachen Schale marinieren und etwa 2 ½ Stunden kühl stellen. Die Möhren und den Sellerie putzen und in mittlere Streifen schneiden. Die gehäutete Zwiebel mit dem Lorbeerblatt und den Nelken spicken. Den marinierten Karpfen in ein flaches Gefäß (z.B. Deckel vom Bräter) legen und salzen, mit dem Bier und der restlichen Marinade übergießen. Die gespickte Zwiebel dazulegen. Kurz aufkochen und dann etwa 205 Minuten gar ziehen lassen. Die Gemüsestreifen in Butter anschwitzen. Die Karpfenstücke aus dem Gefäß nehmen und warm halten. Den Sud durch ein Sieb geben, mit geriebenem Honigkuchen sämig binden und kurz aufkochen lassen. Nun die eingeweichten Sultaninen, die Mandeln und die Gemüsestreifen unterziehen. Die Sauce nochmals mit Zucker und ein wenig Essig abschmecken und die Karpfenstücke in die fertige Sauce geben und kurz erwärmen. Beilage: einfache Salzkartoffeln.

Aus "Große und kleine Fische" von Sven Bauer. "Von der Angst, ausgenommen zu werden" steht in ausgeschnittenen Zeitungsbuchstaben unter einer in Aquarell und Bleistift gezeichneten Viererreihe Sprotten - und daneben handschriftlich: "Das nächste Mal den Werkvertrag nicht vergessen." Sven Brauers charakteristische Illustrationen für sein Kochbuch "Große und Kleine Fische" sind kleine Kunstwerke. Der Hamburger Künstler fertigt sie im Stil seines Lehrers Horst Janssen mit schnellem Strich und Farben an, die er teilweise auch aus Lebensmitteln selbst herstellt, wie zum Beispiel löslichem Kaffee. Die aufwändig angefertigten grafischen Arbeiten von "Große und kleine Fische" knüpfen an den Erfolg seines ersten Buches "Huhn in Handschellen" an. Gemeinsam sind beiden Kochbüchern auch die Zusammenstellung von unkomplizierten Gerichten, wie Braunbierkarpfen, Karibischer Ofenfisch, Hechtfrikadellen oder Jakobsmuscheln im Speckmantel. Die Rezepte hat Sven Brauer von seinen Freunden und Bekannten zusammengesammelt. Sie leben nicht von großen Namen, sind aber praxiserprobt und einfach nachzukochen. Ein geschmacklicher und optischer Gaumenschmaus auf 168 Seiten. Erschienen bei Edition Temmen zum Preis von 19,90 Euro (Hardcover, ISBN: 978-3-8378-4023-0).

Zander im Speckmantel
Für 4 Personen benötigen Sie: 1 küchenfertiger Zander (etwa 1 kg), Saft von ½ Zitrone, Salz, frisch gemahlener Pfeffer, 10 lange Scheiben durchwachsener Speck (etwa 150 g), 1 Zwiebel, 1 kleines Bund Suppengrün, 3 EL Butter, 1 EL Speisestärke, 100 ml Fischfond, 50 ml Weißwein, 200 g Sahne

Und so wird das Gericht zubereitet:
1. Den Fisch innen und außen gut waschen und trocken tupfen. Anschließend schuppen. Nun den Fisch innen und außen mit Zitronensaft beträufeln, salzen und pfeffern.
2. Den Zander rundherum mit den Speckstreifen umwickeln. Die Zwiebel schälen und würfeln, das Suppengrün putzen und klein schneiden.
3. Den Backofen auf 180 Grad (Umluft!) vorheizen. In einem Fischbräter die Butter erhitzen und den Fisch darin auf beiden Seiten in 5-8 Minuten anbraten. Das Gemüse hinzufügen und kurz mitbraten. Den Fisch im heißen Ofen (Mitte) 30-40 Minuten garen; herausnehmen und warm halten.
4. Die Speisestärke mit etwas Fischfond glatt rühren. Den restlichen Fischfond und den Wein zum Bratsatz in den Bräter gießen und aufkochen lassen, dabei den Bratsatz losschaben. Sahne und angerührte Stärke hinzufügen. Die Sauce kurz unter Rühren aufkochen und andicken lassen; salzen und pfeffern.
5. Die Speckstreifen vom Fisch entfernen, und den Zander filetieren. Die Filets auf Tellern anrichten und etwas Sauce angießen. Mit kleinen gerösteten Kartoffeln oder Bratkartoffeln servieren.

Aus "Das TEUBNER Handbuch Fisch & Meeresfrüchte". Mit seinen 416 Seiten und den vielen Informationen und Rezepten, ist dieses TEUBNER Handbuch das ideale Nachschlagewerk rund um das Thema Fisch. Auch dieser Band bietet wieder die bewährte Aufteilung in Zutaten, Küchenpraxis und Rezepte. Angefangen bei Aal über Garnelen bis hin zu Zander werden alphabethisch geordnet über 150 Produkte in Text und Bild unter Berücksichtigung gefährdeter Arten vorgestellt. Wie öffnet man Austern fachkundig? Was gilt es bei der Zubereitung von Hummer und Languste zu beachten? Welche Punkte sollte man unbedingt beim Umgang mit Muscheln beachten? Im Praxisteil werden spezielle Zubereitungsschritte und Küchentechniken Step-by-Step und leicht verständlich erklärt. Jedes Rezept klingt verlockender als das andere. Von feinen Vorspeisen, Suppen, Salaten und Snacks zu Hauptgerichten mit Fisch oder Meeresfrüchten, der umfangreiche Rezeptteil versammelt über 150 klassische und moderne Rezeptideen aus aller Welt, die von bekannten Spitzenköchen veredelt wurden. Spezielle "EXTRA"-Themenseiten über generelle Frischemerkmale, den sachkundigen Einkauf von Seafood, eine kleine Gerätekunde oder die Verwertbarkeit von Fisch und Meeresfrüchten sind an verschiedenen Stellen im Buch eingestreut und runden das Handbuch perfekt ab. Erschienen bei Gräfe und Unzer zum Preis von 25 Euro (Hardcover, ISBN: 978-3-8338-2041-0).

Fotos: 1. Proprius / Pixelio.de, 2. Paul Marx / Pixelio.de