VW T-Roc: Frech und spritzig

Weltweit ist jedes dritte Fahrzeug ein SUV. Und es werden noch mehr. Das liegt auch daran, dass die begehrte SUV-Form inzwischen auch für kleine Fahrzeuge zur Wahl steht. Mit von der Partie ist jetzt auch VW – mit dem T-Roc. Den hat sich unser Auto-Tester Heinrich Rohne einmal genauer angeschaut und war ziemlich überrascht.

Das Erfolgsrezept ist einfach: Trendige Proportionen, schickes Design und eine bekannt gute technische Basis inklusive Antrieb, Motoren, Vernetzung und Fahrerassistenz. Das haben die Wolfsburger bei ihrem jüngsten Spross, dem T-Roch auch prima umgesetzt. Mit ihrem Neuling geht VW nämlich neue Wege. Denn auch wenn man den Neuen gerne „Golf-SUV“ nennen würde, er ist nicht einfach nur die höhergelegte Version des Wolfsburger Dauerbrenners. Stattdessen baut VW den kleinen Bruder des Tiguan konsequent als eigene Baureihe auf.

Dass der T-Roc verglichen mit den anderen VW-SUVs Tiguan und Touareg, aber auch Konzern-SUVs Seat Ateca und Skoda Karoq, Neuland befährt, zeigt sich zunächst in den Abmessungen: Mit 4,23 Meter Länge ist er deutlich kürzer als ein Tiguan und sogar minimal kürzer als der Golf (4,26 Meter). Seine Form erinnert stärker an einen normalen Kompakten als an ein SUV mit großem Kofferraum. Auch der Radstand hat mit 2,59 Meter Golf-Niveau (2,62 Meter) – kein Wunder, schließlich steckt der Modulare Querbaukasten MQB unterm Blech. Gepaart mit kurzen Überhängen und rund 1,82 Meter Breite ergibt sich eine bullige und modebewusste Optik, die praktisch keine Ähnlichkeit mehr zum Technikspender Golf erkennen lässt.

Beim Hinterteil haben sich die Designer scheinbar vom Arteon inspirieren lassen, so fließend geht das Dach in die Heckscheibe über. Die betonten Radhäuser und die Plastikverkleidungen der Radausschnitte tun ihr übriges für den rustikalen Crossover-Look. Doch die eigenständige Karosserieform alleine reichte wohl noch nicht, denn VW möchte mit dem T-Roc neue Kunden ansprechen – wahrscheinlich die, denen die bisherigen Modelle zu brav sind. Deshalb lässt sich die kantige Karosserie des Neuen mit der derzeit so angesagten Zweifarblackierung zum Hingucker individualisieren – ganz nach dem Konzern-Vorbild Audi Q2. Damit liegt der T-Roc bei den Kompakten voll im Trend.

Doch da ist noch etwas anderes: die nach vorn geneigte C-Säule, ringförmige Tagfahrleuchten, ein Chromstreifen oberhalb der Seitenfenster, der große Schriftzug mitten auf der Heckklappe. „Die Idee war, ein sehr jugendliches Auto zu machen,“ sagt Exterieurdesigner Urs Rahmel. Das ist in der Tat gelungen – der T-Roc sieht richtig frech aus.

Platznehmen in dem neuen VW

Der T-Roc macht es seinen Insassen leicht, denn der Einstieg geht locker lässig aus der Hüfte wie beim Golf Sportsvan. Und dann? Dann erblickt man ein farbenfrohes Cockpit, das nach dem ersten Überraschungsmoment keine weiteren Fragen aufwirft, weil alles VW-typisch klar strukturiert und gut bedienbar platziert ist. Wie beim Polo gibt es einen bis zu acht Zoll großen Touchscreen unter Glas – mit den beiden vertrauten Drehreglern.

Tadellos sind auch die Platzverhältnisse. Die leicht zum Fahrer geneigte Mittelkonsole vermittelt zudem ein gutes Raumgefühl und macht den mittigen Bildschirm gut ablesbar. Schön ist, dass der Lifestyler auch Nutzwert bietet: Denn auch hinten sitzen große Mitfahrer noch aufrecht. Das Kofferraumvolumen mit 445 bis 1.290 Liter kann sich außerdem sehen lassen. Zum Vergleich: Der Golf bietet im Normalzustand 65 Liter weniger und 20 Liter weniger bei umgeklappter Rücksitzbank.

Unter der Haube stehen zunächst drei Motoren - zwei Benziner mit 115 PS und 190 PS und ein Diesel mit 150 PS – zur Wahl. Später kommt bei den Benzinern noch ein 150 PS starker 1,5-TSI (DSG und Allrad gegen Aufpreis) hinzu. Auch wird es zwei weitere Diesel geben. Die Selbstzünder leisten beim 1.6 TDI 115 PS und im 2.0-TDI 190 PS. Und: Anders als die meisten Konkurrenten und genau wie Hauskonkurrent Audi bietet Volkswagen auch Allradantrieb.

Und wie fährt er sich, der bullige T-Roc?

So fällt beim derzeit einzigen Diesel mit 150 PS auf, dass dieser angenehm leise ist und den kompakten T-Roc kräftig beschleunigt. Natürlich ist das kleine SUV nicht die erste Wahl beim nächsten Ampelrennen aber das maximale Drehmoment von 340 Nm liegt schon bei 1750 U/min an und lässt den T-Roc zügig loslegen - 100 km/h werden nach 8,4 Sekunden erreicht. Zudem fällt auf, dass das Fahrwerk des SUV eher etwas härter abgestimmt ist. Allerdings federt der T-Roc zu keiner Zeit übertrieben hart oder unkomfortabel.

Wechsel in das Topmodell 4Motion 2.0 TSI. Der Vierzylinder-Benziner hat 190 PS und hängt vor allem im Sportmodus sehr gut am Gas. Trotz 20 Nm weniger Drehmoment als im Diesel geht der 1.495 Kilo schwere T-Roc mit dem großen Benziner gefühlt deutlich besser. 7,2 Sekunden auf 100 km/h unterstreichen diesen Eindruck.

Der T-Roc sieht also nicht nur sportlich aus, sondern fährt auch zackig. Und bietet reichlich Ausstattung in Bezug auf Connectivity, Individualisierung und Assistenzsystemen. Immer an Bord sind die Features „Front Assist“ mit City-Notbremsfunktion und Fußgängererkennung, eine Multikollisionsbremse und der Spurhalteassistent. Optional sind beispielsweise ein Abstandsregeltempomat (30 bis 210 km/h), Verkehrszeichenerkennung, Spurwechselhilfe, Parklenkassistent und ein Stauassistent erhältlich.

Fazit: Der T-Roc ist nicht nur ein Auto für junge, urbane Hipster, sondern ein ausgewachsenes Kompakt-SUV, das erstaunlich gut fährt. Zum Erfolg des neuen Volkswagen sollen die Preise mit betragen, denn der T-Roc ist deutlich unterhalb des Tiguan positioniert. So geht es bereits bei 20.390 Euro los. Dafür gibt es den dreizylindrigen 115-PS-Benziner. Das Topmodell mit 190 PS kostet als T-Roc Sport mindestens 30.800 Euro.

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  • Fotos: VW