VW T-Cross: Frech, bunt und quirlig

Es ist wie so oft bei VW: Da gibt es seit Jahren einen großen Trend zu kleinen SUV, die Konkurrenz verdient sich eine goldene Nase und die Wolfsburger schauen zu. Doch jetzt haben die Niedersachsen mit dem T-Cross eine Antwort gefunden. Unser Auto-Tester Heinrich Rohne hatte jetzt schon die Gelegenheit, diesen kleinen SUV zu fahren, und war begeistert.

Jetzt im Frühjahr kommt der ebenso modische wie abenteuerlustige Ableger des aktuellen Polo zu Preisen knapp unter 18.000 Euro in den Handel. Und der kleine SUV will zum Pulsbeschleuniger werden und treibt es deshalb auch in der Serie bunt. Knallige Felgen, zwölf Farben, Kontrast-Lackierungen und auffällige Klebetattoos machen den Nachzügler zum Blickfang. Und auch die Form ist etwas frecher als beim Polo. Der T-Cross ist nicht nur fünf Zentimeter länger und bietet eine höhere Bodenfreiheit, sondern kommt auch mit seinem stolzen Grill im Touareg-Stil, der mit den Scheinwerfern verschmilzt, deutlich bulliger rüber als sein kleiner Bruder. Auffällig auch die Rückleuchten, die mit einem roten Reflektorband verbunden sind. Innen geht es mit der Farbenfreude munter weiter. Es gibt bunte Konsolen rund um das auf Wunsch digitale Cockpit mit dem großen Touchscreen und freche Sitzbezüge.

Doch weil der T-Cross ein typischer VW ist, will er nicht nur peppig, sondern auch praktisch sein. Zur ohnehin erhöhten Sitzposition gibt es deshalb eine gehörige Portion Variabilität: So lässt sich der Beifahrersitz serienmäßig flachlegen und die Rückbank zumindest gegen Aufpreis um 14 Zentimeter verschieben. Und bei 4,11 Metern Länge und 2,55 Metern Radstand können wahlweise auch zwei Erwachsene hinten mitfahren, ohne Platzangst zu bekommen. Alternativ wird der T-Cross mit 385 bis 1.281 Litern Ladevolumen zu einer modischen Weiterentwicklung des Polo Variant.

Lassen wir den T-Cross jetzt mal laufen. Und hier wird schnell die Verwandschaft zum Polo deutlich. Denn außer dem Schwerpunkt, dem Gewicht und der Federung hat sich im Grunde nichts geändert. Achsen, Lenkung und Antriebe sind identisch und so fühlt sich der T-Cross auch an: Gutmütig und erwachsen, wie eben auch der aktuelle Polo daherkommt. Und das mit einer Motorpalette, die derzeit vom Dreizylinder mit 1,0 Litern Hubraum und 95 oder 115 PS bis zum Vierzylinder mit 1,5 Litern und 150 PS (kommt etwas später) reicht und zunächst nur einen 1,6-Liter-Diesel mit 95 PS umfasst. Alle Motoren erfüllen die neueste Abgasnorm Euro 6d-Temp. Dazu gibt es später je nach Kundenwunsch und CO2-Vorgaben womöglich eine Erdgasvariante und vielleicht auch einen GTI.

Ein quirligen Eindruck hinterließ bei ersten Testfahrten bereits das Basis-Triebwerk mit 95 PS, das den T-Cross in 11,5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt und maximal 180 km/h schafft. Der Verbrauch ist mit 4,9 l/100 Kilometern annehmbar. Lob verdient die harmonische Fahrwerksabstimmung: Der T-Cross lässt sich schnell bewegen, bleibt dabei lange neutral, ehe er durch behutsames Schieben über die Vorderräder das Nahen des Grenzbereichs ankündigt. In flott genommenen Kurven neigt er sich zudem nur wenig zur Seite. Dieses Dynamikpotential geht aber nicht auf Kosten des Komforts. Ganz im Gegenteil. Der VW T-Cross steckt jegliche Art von Unebenheiten trotz der montierten 18 Zoll Reifen souverän weg - ohne, dass die Karosserie nervös nachschwingt.

Eine Option werden die Niedersachsen allerdings für alles Geld der Welt nicht anbieten: den Allradantrieb. Als erstes SUV aus Wolfsburg muss der T-Cross nur mit Frontantrieb auskommen. Das sei auf der A0-Plattform nicht vorgesehen und wäre im gegebenen Preisrahmen nicht darstellbar gewesen, so die VW-Experten, die dies auch nicht als Nachteil empfinden. Denn erstens fehlt der Allrad auch bei den meisten Konkurrenten wie dem Renault Captur, dem Peugeot 2008, dem Opel Crossland X, dem Ford EcoSport und dem spanischen Cousin Seat Arona. Und zweitens spielt sich das Abenteuer für SUV dieser Sorte ohnehin in der Stadt ab, wo die Straßen asphaltiert und im Winter auch geräumt sind.

Dafür wartet der T-Cross bereits in der Basisversion mit zahlreichen Assistenzsystemen auf. Unter anderem sind ein Notbremssystem, ein Spurhaltehelfer und ein Totwinkelwarner an Bord. Auf der Optionsliste finden sich zudem LED-Scheinwerfer, Abstandsregel-Tempomat und eine Müdigkeitserkennung.

Fazit: Natürlich wissen sie auch in Wolfsburg, dass sie spät dran sind. Aber wer zum ersten Mal im T-Cross unterwegs ist, der wird unschwer erkennen, dass sich das Warten gelohnt hat. Denn der kleine SUV ist mehr als ein typischer VW: eben nicht nur grundsolide und hochwertig, sondern diesmal auch ein bisschen frech. Und so wird der jüngste Spross aus Wolfsburg vermutlich den gleichen Weg nehmen, wie die allermeisten VW-Modelle in ihrem Segment – den Weg schnurstracks an die Spitze.

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  • Fotos: VW