VW Passat: Der Dienstwagen-König rüstet auf

Geht es um Bestseller, denkt man bei Volkswagen stets an den Golf. Doch nicht minder erfolgreich ist der Passat, 30 Millionen Mal lief er bereits vom Band, seit 1973, in acht Generationen und beliebtester Dienstwagen. Für die restliche Laufzeit bis 2022 erhielt der Passat nun eine letzte große Überarbeitung. Unser Auto-Experte Heinrich Rohne durfte schon einmal Platz nehmen im „Dienstwagen-König“.

Äußerlich muss der Betrachter allerdings schon genauer hinschauen, um Veränderungen festzustellen. So fallen aber doch die geänderten Scheinwerfer auf: In Zukunft wird der Passat immer LED-Scheinwerfer haben – die Topvariante ist das LED-Matrix-Licht mit 44 LED-Zellen. Auch beim Grill haben die Designer Hand angelegt – er baut jetzt einige Zentimeter höher als zuvor. Hinten warnt der Passat die folgenden Autos mit einer neuen Bremslichtgrafik. Sie leuchtet im Wechsel mit dem regulären Rücklicht und soll so für mehr Aufmerksamkeit sorgen. Die Rückleuchten mit der animierten Leuchtgrafik und dem wischenden Blinker lassen an Audis Lichtspektakel denken. Wie beim Arteon trägt der Passat ab der Modellpflege seinen Namen mittig unterhalb des VW-Logos. Den Abschluss bildet ein neues Schürzendesign.

Die entscheidenden Neuerungen stecken unter der Karosserie, denn das Passat-Update nutzt als erstes Auto des VW-Konzerns den MIB 3, die neueste Generation des Modularen Infotainment Baukastens. Damit ist der Passat in Zukunft immer online und wird zum Technik-Vorreiter: Mit dem MIB 3 nimmt das Passat Facelift das Infotainment von Golf 8 und ID Neo vorweg. Zusätzlich verbaut VW die DCC-Dämpfer des Arteon, die eine bessere Individualisierbarkeit des Fahrwerkcharakters ermöglichen sollen.

Und auch bei den Motoren gibt es ein paar Veränderungen. In Zukunft sind alle Passat-Motoren mit Partikelfiltern ausgestattet und erfüllen Euro 6d-TEMP. Es stehen drei Benziner mit 150, 190 und 272 PS sowie vier Diesel zur Auswahl. Der Einstiegs-Selbstzünder leistet 120 PS, darüber rangiert ein neu entwickelter Zweiliter-TDI (2.0 TDI evo) mit 150 PS sowie die Topvarianten mit 190 PS bzw. 240 PS. Alle Verbrenner des Passat Facelift sind mit Partikelfiltern ausgestattet und erfüllen die Abgasnorm Euro 6d-TEMP. Außerdem gibt es noch den Passat GTE mit 218 PS Systemleistung. Zum Facelift wurde hier die elektrische Reichweite auf rund 55 Kilometer nach WLTP leicht erhöht (vorher: rund 50 Kilometer).

Innen fällt eingefleischten Passat-Fahrern sofort das neu gestaltete Multifunktions-Lenkrad mit Chromspange auf. Neu: Anstelle der Analoguhr thront über dem Touchscreen jetzt ein beleuchteter Passat-Schriftzug. Ebenfalls verschwunden ist die Knopfleiste über dem bis zu 9,2 Zoll großen Zentralmonitor. Drehregler gibt es zumindest für die Infotainment-Topversion „Discover Pro“. Ansonsten präsentiert sich der Innenraum des Passat in gewohnter VW-Anmutung. Die Klimabedienung funktioniert konventionell über Tasten – jeder Griff sitzt und führt instinktiv zum Ziel. Und auch beim Platzangebot gibt es nach wie vor nichts zu meckern. Vorne wie hinten sitzt es sich tadellos.

Die Connectivity ist eindeutig der wichtigste Punkt beim Passat Facelift. Hier tut sich am meisten. So ist im Passat zukünftig immer eine SIM-Karte an Bord, über die Over-the-air-Updates, Karten-Updates fürs Navi und die natürliche Spracherkennung mit externen Daten vom Server versorgt werden. Das Positive: Extrakosten für die Datenverbindung fallen nicht an – solange man über das Onboard-Infotainment nicht streamt oder einen Hotspot für Mitreisende einrichtet. Und die digitalen Instrumente verfügen über eine neue Navi-Ansicht, die jetzt den gesamten Bildschirm nutzt. Zudem gibt es jetzt einen Anschluss für USB-C-Geräte.

Und ganz wichtig: Gegen Aufpreis kann der Passat mit dem neuen „Travel Assist“ ausgestattet werden, der Abstandsregeltempomat und Spurhalteassistent kombiniert. Aktiviert wird per Knopfdruck am Lenkrad. Dank einer berührungsempfindlichen Folie im Lenkradkranz reicht Handauflegen auf Volant, damit dem Travel Assist signalisiert wird, dass der Fahrer sich eingriffbereit hält. Dann steuert der Passat automatisiert bis 210 km/h selber, wobei eine neue Kamera für besonders flüssige Fahrweise sorgen soll. So erkennen die Sensoren sogar Baustellen. Bemerkt der Passat, dass der Fahrer auch nach mehrmaligen Warnsignalen nicht mehr reagiert, bremst die Elektronik eigenständig runter und wechselt automatisch auf den Pannenstreifen. Das kann bei einem medizinischen Notfall Leben retten.

Der Bestellstart des modernisierten Passat ist auf Mai terminiert. Ausgeliefert werden die ersten Facelift-Modelle ab Ende August/Anfang September. Zum Preis gibt es noch keine offizielle Info, es wird aber damit gerechnet, dass VW für die Limousine weiterhin rund 32.000 Euro aufrufen könnte. Der Aufschlag für den Kombi, für den sich 90 Prozent der deutschen Kunden entscheiden, wird wohl weiterhin bei etwa 1.000 Euro liegen.

Quellen und Bildrechte:

  • Fotos: VW

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