Volvo XC40: Die Geburt eines neuen Bestsellers

Es läuft gerade bei Volvo - in Deutschland und der Welt. Insgesamt mehr als eine halbe Million Autos konnten die Schweden im vergangenen Jahr verkaufen, mehr als 40.000 davon in Deutschland, was immerhin eine Verdoppelung seit 2013 bedeutet. Topseller waren dabei erneut der XC60, gefolgt von der 90er-Baureihe mit SUV, Limousine, Kombi und Cross Country. Und ein neuer Bestseller steht mit dem XC40 bereits in den Startlöchern. Diesen konnte unser Auto-Experte Heinrich Rohne bereits testen und staunte nicht schlecht.

Der XC40 soll nach XC90 und XC60 der schwedischen Marke viele neue Kunden bringen und schon bald zum wichtigsten Modell bei uns werden. Die Zutaten stimmen auf jeden Fall schon einmal: SUV-typisch höhere Sitzposition, mit 4,42 Metern Länge in der Stadt problemlos beherrschbar, eine schicke und eigenständige Optik, erstklassige Verarbeitung und hochwertige Materialien, erstaunlich viel Platz und noch mehr Ablagen im Innenraum – das bislang kleinste SUV der Schweden hat durchaus das Rüstzeug, nach vorn zu fahren.

Seitenansicht mit markanter Haifischflosse

Anders als der XC60, der ein kleinerer XC90 ist, gibt sich der XC40 nur bedingt als geschrumpfte Ausgabe des XC60. Insbesondere die Seitenansicht mit einer markanten Haifischflosse an der C-Säule dokumentiert Eigenständigkeit. Wie alle neuen Volvo trägt er allerdings die typische Scheinwerfer-Grafik im „Thors Hammer“-Design, ausgeprägte Karosserieschultern und die vertikalen Rückleuchten. Dazu gesellen sich allerdings auch einige Eigenheiten. So verleiht ihm die breite hintere C-Säule einen Hauch Coupe-Optik, allerdings beschränkt sie von den Vordersitzen den Blick nach hinten und von den hinteren Sitzen den ungehinderten Blick nach draußen.

Auch den nach innen gewölbten Kühlergrill und die je nach Ausstattung schwarz oder weiß abgesetzten Dächer inklusive passender Außenspiegel hat man so noch nie bei einem Volvo gesehen. Und richtig bunt treiben es die schwedischen Designer im Innenraum, wenn sie das elegante Scan-Design durch effekthaschende Alu-Blenden und grell-orangefarbene Teppiche ersetzen.

Und was tut sich unter der Haube? Zum Marktstart gibt es den XC40 mit zwei Motoren, einem 190-PS-Diesel (D4) sowie einem 247 PS starken Benziner (T5), den beiden Top-Motorisierungen. Beide Zwei-Liter-Vierzylinder sind immer mit Allradantrieb und Acht-Gang-Automatik kombiniert und bevorzugen trotz der hohen Leistungen eher die komfortable Gangart. Wobei der Turbobenziner noch etwas schneller und leichtfüßiger aus den Startblöcken kommt (6,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h). Von 1.800 bis 4.800 Touren zieht er kräftig durch und erreicht maximal 230 km/h Spitze. Der Selbstzünder zeigt sich im Antritt mit 400 Nm ab 1.750 Umdrehungen erwartungsgemäß dynamisch. Und er zeigt sich im Normverbrauch mit 5,0 Liter (133 g/km CO2) zu 7,1 Liter beim Benziner sehr viel genügsamer.

Der dadurch bedingte höhere Einstiegspreis von 44.800 Euro wird allerdings im Laufe der kommenden Monate noch deutlich sinken, wenn die kleineren Aggregate verfügbar sind. Denn dann folgen noch zwei weitere Benziner, der T3 und T4, sowie ein D-3-Diesel. Dann ist der XC40 schon ab 31.350 Euro zu haben.

Sinnvoll und praktisch hingegen sind die cleveren Detaillösungen des XC40, wie man sie sonst nur von Skoda kennt. So bieten etwa die seitlichen Türinnentaschen durch den Verzicht auf Lautsprecher ordentlich Platz für Laptops, Tablets oder große Wasserflaschen. Unter dem Sitz lässt sich eine Schublade ziehen, in der Mittelarmlehne steckt ein Abfallbehälter, das Handschuhfach besitzt einen ausklappbaren Taschenhaken und in der Mittelkonsole können Smartphones induktiv aufladen.

Die Rücksitzlehnen sind mit einem Handgriff umgelegt

Auch der 460 Liter große Kofferraum lässt sich gegen Aufpreis mit einem faltbaren doppelten Boden inklusive drei integrierter Haken so konfigurieren, dass weder Koffer noch Einkauf verrutschen können. Wird das volle Volumen von 1.336 Liter gebraucht, sind die Rücksitzlehnen mit einem Handgriff umgelegt und sogar die Abdeckung unterm Kofferraumboden verstaut. Und auch die Heckklappe öffnet optional auf Knopfdruck oder per Fußsensor.

Neben dem großen Touchscreen im Hochkant-Format, über den zahllose Einstellungen vorgenommen und Informationen abgerufen werden können, weiß mal wieder die Sicherheit an Bord zu überzeugen. Zahllose Assistenten sind bereits ab Werk an Bord. So warnen aufmerksame Helfer davor, in den Gegenverkehr zu geraten, auf den möglicherweise unbefestigten Seitenstreifen zu rutschen, vor Kollisionen mit anderen Fahrzeugen, Fußgängern, Radfahrern, Wildtieren oder vor Gegenverkehr an der Kreuzung beim Linksabbiegen.

Per Aufpreisliste lassen sich zahlreiche weitere Systeme dazubuchen, so dass man den XC40 sogar bis zu einem teilautonomen Fahrzeug aufrüsten kann: Der Tempomat hält selbstständig Abstand und Geschwindigkeit, der Pilot Assist wacht darüber, dass das Fahrzeug alleine die Spur hält. Allerdings darf der Fahrer nur einige Sekunden die Hände vom Lenkrad nehmen, dann wird er daran erinnert, wer der eigentliche Fahrzeugführer ist.

Volvo rechnet vor allem mit jungen Paaren als Käufer – die werden vermutlich den Start der kleineren Motoren abwarten – etwa auf den Einstiegsmotor, den 156 PS starken Dreizylinder, der im Laufe des Jahres den Einstiegspreis eben auf 31.350 Euro absenkt. Und so das SUV noch verlockender macht.

Und wem das alles doch noch zu teuer ist, der kann den neuen XC40 jetzt auch mieten statt kaufen. Mit „Volvo Care“ bieten die Schweden erstmals die Möglichkeit, einen Neuwagen ohne Anzahlung zu einer festen Monatsrate (ab 699 Euro) inklusive Versicherung, Steuern, Wartung, Inspektionen und Winterräder zu nutzen. Nur den Sprit muss man noch selbst tanken. Mit dem ersten Kompakt-SUV ist Volvo zwar spät dran, mit diesem Abo-Modell sind die Schweden dafür aber ganz weit vorn.