Toyota C-HR: Der fällt richtig auf

Der Toyota C-HR polarisiert wie kein zweites Fahrzeug. Auf jeden Fall haben sich die Japaner etwas getraut und einen stark gestylten Crossover auf die vier Räder gestellt. Das hat sich unser Auto-Tester Heinrich Rohne mal genauer angesehen.

Toyota traut sich was und gibt mit ihrem Crossover C-HR Vollgas. Die Japaner sind in der Tat bei ihrem 4,36 Meter langen Neuling keine Kompromisse eingegangen und haben sich damit aus ihrer Komfortzone herausbewegt. Aber es werden heiße Diskussionen entbrennen: Ist der C-HR jetzt wirklich so ein Hingucker oder doch nur schrecklich hässlich? "Wir wollen polarisieren," stellt Toyota Deutschland-Chef Tom Fux zum futuristisch anmutenden Design des C-HR auch gleich fest. Beim Nissan Juke, einer der Konkurrenten (auch wenn er etwas kleiner ist) war es ähnlich. Am Anfang fanden ihn die meisten fürchterlich, mittlerweile ist der Juke allerdings ein Riesenerfolg für Nissan.

Und jetzt im Tiroler Nobelort Kitzbühel, da wo die legendäre „Streif“-Weltcup-Abfahrt zuhause ist, fiel der C-HR auch sofort ins Auge. Das heißt schon was, denn in diesem Skiort stehlen sich normalerweise sonst nur Bentleys, Lamborghinis, Rolls-Royces und Co. gegenseitig die Show.

Kommen wir also gleich zum so polarisierenden Design: Auf den ersten Blick sieht das SUV-Coupe ziemlich heiß aus - mit seiner spitzen Schnauze, den groben Vertiefungen an der Flanke und dem zerklüftetem Heck. Vor allem die coupehaften Proportionen in der Seitenansicht mit der abfallenden Dachlinie, der hoher Schulterlinie und den versteckten hinteren Türgriffe in der C-Säule sehen scharf aus. Schick ist auch die Bicolor-Lackierung mit schwarzem Dach in der Ausstattung Style. Ein Auto, das tatsächlich bewegt und polarisiert. Aber mit dem Toyota aufgrund des außergewöhnlichen Designs auch viele neue Kunden erreichen wird. Alles in allem können sich jedoch überraschend viele Menschen gar nicht sattsehen am auffällig gestylten „Coupé High Rider“ (daher C-HR), und somit könnte Toyotas Polarisierungs-Plan aufgehen: Besser auffallen, als in der Masse von immer mehr Kompakt-SUV untergehen.

Mit seinen praktischen Eigenschaften reicht der C-HR nicht ganz an andere SUV seiner Länge heran, aber das soll er auch gar nicht. Denn wie sagt Tom Fux so treffend: „Toyota baut ja seit jeher qualitativ hochwertige, innovative und zuverlässige Autos. Den C-HR aber werden viele mit dem Herzen kaufen, nicht nur mit dem Verstand.“ Die Fans des Designs begrüßen, dass man den coupéhaft gezeichneten Fünftürer wegen seiner geschickt getarnten Türgriffe hinten zunächst gar nicht als solchen erkennt. In den meisten Fällen werden die leicht eingeschränkten Platzverhältnisse im Fond ausreichen, denn der typische C-HR-Käufer legt darauf keinen gesteigerten Wert. Und für Kurzstrecken ab und zu reicht es allemal.

Wer auf den exzentrischen Toyota C-HR abfährt, wird vor allem die Hybrid-Version zu schätzen wissen. Bei 122 PS Systemleistung waren wir im Mix aus Landstraße, Autobahn und Stadtverkehr rund um Kitzbühel spielend leicht mit etwa 6 Litern auf 100 Kilometer unterwegs. Das liegt zwar deutlich über dem Normwert von 3,9 Liter, ist aber im Vergleich zu konventionellen Benzin-SUV dieser Größe absolut akzeptabel. So richtig spielt der C-HR seine Hybrid-Stärken beim Zusammenspiel von Benzin- und Elektromotor im Stadtverkehr aus. Praxistests zeigen: 30 bis 40 Prozent kann hierbei der Anteil rein elektrischen Fahrens betragen. Die Übergänge zwischen Stromern und dem einsetzenden Benzinmotor geschehen fließend und beinahe unmerklich. Und die Systemleistung von 122 PS genügt, um flott und spurtfreudig voranzukommen.

Beim Praxistest auf den kurvigen und bergigen Alpenstraßen Tirols beweist der Toyota C-HR zudem allzeit gute Traktion und aufgrund leicht erhöhter Bodenfreiheit jenen Schuss Flexibilität und Abenteuer, den SUV-Fans an dieser Fahrzeuggattung schätzen. Alternativ zum Hybrid steht noch ein 1,2-Liter-Turbobenziner mit Direkteinspritzung und 116 PS zur Verfügung.

Der C-HR Hybrid glänzt mit einem angenehm kleinem Wendekreis von nur 10,4 Meter. Die Lenkung ist nur um die Mittellage etwas gefühlsarm, ansonsten aber präzise. Das Fahrwerk hält den Hochbeiner selbst in schnell gefahrenen Kurven erstaunlich gut auf Kurs und bietet dennoch hohen Komfort. Noch nie war es so schick, einen Toyota mit Hybridantrieb zu fahren. Kein Wunder also, dass Toyota beim SUV mit 70 Prozent Hybridanteil rechnet. Und besonders sicher ist er auch: Der C-HR hat gerade vorbildlich beim Euro-NCAP-Crashtest abgeschnitten und zum Beispiel den Audi Q5 hinter sich gelassen.

Für ein angenehmes Fahrgefühl sorgen die Qualität der Sitze und die nach vorne und zur Seite hervorragende Übersicht. Die Windschutzscheibe ist aus dem Blickwinkel des Fahrers von zwei sehr zierlichen A-Säulen umrahmt. Umso eingeschränkter ist allerdings die Sicht nach hinten und schräg hinten, denn hier sind zwei massive C-Säulen im Weg. Bei der Hybrid-Version des C-HR gleicht das eine serienmäßige Rückfahrkamera aus. Insgesamt glänzt der kompakte Toyota mit jener hochwertigen Qualitätsanmutung, wie man sie von jeher den strebsamen Japanern nachsagt. Zu haben ist der C-HR ab 21.990 Euro. Für den Hybrid müssen mindestens 27.390 Euro hingeblättert werden.

Fazit: Durch sein spektakuläres Design und SUV-typische Vorzüge macht der ungewöhnlich gestylte C-HR das umweltfreundliche Fahren mit einem Hybridfahrzeug schmackhaft - vorausgesetzt, man gehört zu den nicht wenigen Fans seines polarisierenden Aussehens.

Quellen und Bildrechte:

  • Fotos: Toyota