Test-Telegramm: VW Passat Variant und Ford Mondeo Turnier: Zwei Kombis der Extra-Klasse

Der VW Passat und der Ford Mondeo sind zwei Klassiker. Beide wurden vor geraumer Zeit komplett erneuert. Unser Auto-Tester Heinrich Rohne hat sich beide Mittelklasse-Bestseller jetzt mal genauer angeschaut und war begeistert.

So sehen sie aus: Schon äußerlich macht die achte Generation des VW Passat deutlich mehr her. Lange Motorhaube, breite Front, kurze Überhänge, längerer Radstand – ob Limousine oder Variant, der jüngste Spross aus Wolfsburg fällt viel mehr auf, wirkt deutlich hochwertiger und sportlicher. Vor allem die Limousine hat kräftig zugelegt.

Beim neuen Ford Mondeo (großes Bild rechts) wurde das Grunddesign beibehalten und dennoch ist die vierte Generation absolut neu. Selten war ein Mitteklassemodell im C-Säulenbereich so dynamisch und elegant gezeichnet wie der Fünftürer. Das hat Jaguar-Anmut. Der Kühlergill fügt sich jetzt harmonischer ins Bild ein, weil nun die Proportionen stimmen. In der Heck- und Seitenansicht wirkt der Mondeo mit seiner hohen Schulterlinie, dem schmaleren Fensterband und den eher kurz gehaltenen Rückleuchten etwas hochbeiniger als andere Modelle. Beim Kombi sorgt das für eine in der Seitenansicht recht massiv wirkende Heckpartie.

So viel Platz haben sie: Mit 4,76 Metern Länge ist der VW Passat nur zwei Millimeter kürzer als die vorige Generation. Allerdings wurde der Radstand um acht Zentimeter auf nun 2,79 Meter verlängert. Gleichzeitig ist der neue Passat nun 1,4 Zentimeter niedriger und fällt 1,2 Zentimeter breiter aus. Da können sich die Insassen freuen. Die können es sich jetzt auf allen Plätzen richtig bequem machen. In Sachen Ladevolumen - insbesondere beim Variant ein nicht unwichtiges Kaufkriterium - hat der Passat auch zugelegt. Beim Kombi steigt das Volumen um 47 auf jetzt 650 Liter. Maximal sind hier 1.780 Liter drin. Die Limousine bietet nun mit 586 Litern (maximal 1.152 Liter) 21 Liter mehr Platz. Innen wirkt alles äußerst edel. Das Ambiente ist so hochwertig wie noch nie.

Auch der Ford Mondeo, der wie bisher als fünftürige Fließheck-Limousine und als Kombi (Turnier) angeboten wird, rollt mit einigen Finessen an, etwa mit dem Dynamic LED-Scheinwerfersystem. Innere Werte sind reichlich vorhanden wie etwa viel Platz für bis zu fünf Passagiere und ihr Gepäck. So übertrumpft der Fünftürer bei Verwendung eines Pannenhilfesets mit einem Kofferraumvolumen von 550 Litern bei voller Bestuhlung sogar den Kombi um 25 Liter, verfügt aber leider nicht bei umgeklappten Rückenlehnen über einen ebenen Ladeboden. Den hat der Kombi natürlich, der dann bis zu 1.630 Liter Gepäckraum bietet. Sehr sauber und klassengemäß ist auch die Verarbeitung. Zudem wurde die Zahl der Knöpfe und Schalter drastisch reduziert. Die Bedienung erfolgt jetzt hauptsächlich über verschiedene Menüs auf dem Touchscreen.

So fahren sie sich: Das Motorenangebot beim VW Passat (großes Foto links) umfasst zehn Benzin- und Dieselmodelle. Die Leistung der Aggregate liegt zwischen 125 und 280 PS. Dabei sind ein 1.4 TSI mit 150 PS und zwei 2.0 TDI mit 150 und 240 PS. Weiterhin gibt es den 1.4 TSI (125 PS), den 1.8 TSI (180 PS), den 2.0 TSI (220 PS, R-Line mit 280 PS) sowie den 1.6 TDI (120 PS), den 2.0 TDI (190 PS) und den GTE Plug-in-Hybrid (218 PS). Technisches Highlight ist der neue Topdiesel - mit 240 PS der stärkste je von VW angebotene Vierzylinder-Diesel. Der doppelt aufgeladene Zweiliter-Diesel mit 3,8 bar Ladedruck und 500 Nm ist nicht nur äußerst agil, er soll bei aller Sportlichkeit auch nur 5,3 Liter auf 100 km verbrauchen. In der Praxis liegt der Wert allerdings eher zwischen sechs und sieben Litern. Ein Grund für die extreme Sparsamkeit: Der neue Passat ist um bis 85 Kilo leichter geworden.

Auch Ford hat den Mondeo antriebsseitig so breit wie noch nie aufgestellt. Die Palette reicht von 115 bis 240 PS. Auf der Benziner-Seite gibt es zwei Vierzylinder-Motoren mit 1,5 Liter und 2,0 Liter Hubraum, die 160 PS und 203 PS bieten. Weiter im Angebot: ein Zweiliter-Diesel mit sequentieller Biturbo-Aufladung und 210 PS. Dazu noch dessen 1,5-Liter-Bruder und der erste Dreizylinder in einem Mondeo, der 1,0-Liter-Ecoboost-Motor mit 125 PS. Ford rechnet dem 150 PS starken 2,0-Liter-Turbodiesel das größte Volumen zu. Er ist auch mit 180 PS verfügbar, der sich keinerlei Schwächen leistete und ausreichend Durchzug bietet. Dann gibt es auch noch den kleinen TDCi mit 1,6 Liter Hubraum und 115 PS. Auch beim Fahrwerk haben die Kölner in beeindruckender Weise noch einmal nachgelegt. So wurden die fahrdynamischen Fähigkeiten dank einer aufwendigen Integral-Lenker-Hinterachse und einer deutlich steiferen Karosserie nochmals gesteigert. Bereits ab Basisversion ist auch eine Torque-Vectoring-Kontrolle an Bord. Das elektronische Stabilitätsprogramm hat also wenig Arbeit mit dem Auto. Dazu passt die präzise Lenkung mit hoher Rückmeldung und geringen Kraftanforderungen. Eine Empfehlung ist die interaktive elektronische Dämpferregelung, die lange Wellen ebenso komfortabel wegfedert wie kurze Stöße.

So viel kosten sie: Hochmodern ist im VW Passat die rein digitale Cockpitanzeige, durch die sich die Instrumente ganz unterschiedlich konfigurieren lassen. Auf dem 12,3 Zoll großen Display können die virtuellen Rundinstrumente, das Navi und noch viel mehr beinahe beliebig dargestellt werden. Die Anzeige in der Mittelkonsole dient dem Infotainmentangebot inklusive der Einbindung von Smartphones. Und natürlich gibt es auch ein Head-up-Display, das die wichtigsten Infos ins Blickfeld des Fahrers projiziert. Einen großen Sprung nach vorn macht der Passat auch bei den Assistenzsystemen. So kommt in einem VW erstmals ein „Emergency Assist“ zum Einsatz. Dieser greift bei Fahruntüchtigkeit ein, sei es aus Unachtsamkeit, Übermüdung oder gesundheitlichen Problemen. Tatsächlich ertönt zuerst ein Warnton und bei Nicht-Reaktion versucht das Fahrzeug mit einem kleinen Schlenker, die Aufmerksamkeit des Fahrers zu wecken. Reagiert der immer noch nicht, bremst die Elektronik den Passat dank Geschwindigkeitsregelung und Spurhalteassistent bis zum Stillstand ab – und schaltet die Warnblinker ein. Beeindruckend. Außerdem kann der Passat selbst vorwärts und quer zur Fahrbahn ein- oder auch ausparken, oder selbstständig (bis Tempo 60) im Stau mitfahren und bei einer drohenden Kollision automatisch abbremsen bzw. eine Vollbremsung einleiten. Dabei erkennt er auch Fußgänger. Und es gibt einen „Trailer Assist“, der im Anhängerbetrieb das schwierige Rückwärtsrangieren praktisch selbständig übernimmt. Der neue Passat ist ab 30.375 Euro zu haben, für den Variant muss jeweils ein Tausender draufgelegt werden.

Auch der Ford Mondeo hat in punkto Assistenzsysteme und Komfortoptionen ordentlich aufgeholt. Das reicht von der Verkehrszeichenerkennung über Active City Stop mit Fußgängererkennung und die aktive Spurhaltung bis hin zur nun auch Quer-Einparkhilfe. Ebenfalls auf Wunsch erhältlich sind adaptive Frontscheinwerfer mit insgesamt 198 LEDs und die erweiterte Sprachsteuerung Sync 2. Als erster Hersteller im Volumensegment bietet Ford außerdem einen Gurtairbag für die Rücksitze an, die im Falle eines Unfalls die auf den Brustkorb einwirkenden Kräfte um den Faktor drei reduziert. Das System ist in ähnlicher Form bislang nur in der Mercedes-Benz S-Klasse erhältlich. Kühlbare Vordersitze - auf Wunsch auch mit Massagefunktion - sind weitere Neuheiten bei Ford aus dem Premiumsegment. Zum 2.000 Euro teuren Komfortpaket gehört noch die adaptive Geschwindigkeitsregelung, der Toter-Winkel-Assistent, die elektronisch verstellbare Lenksäule, ein zehnfach verstellbarer Fahrersitz inklusive Memoryfunktion und der Park-Pilot. Neben elektronischen Helferlein bestimmt natürlich auch das Geräuschniveau den Innenraumkomfort. Hier hat sich Ford hörbar Mühe gegeben und an vielen Stellen zusätzlich gedämmt. Das gilt für die Wind- und Motorgeräusche ebenso wie beispielsweise für die Akustik der Hinterachse. Der Ford Mondeo ist angenehm leise und übertrumpft in dieser Hinsicht sogar einige Modelle der oberen Mittelklasse. Zu haben ist der neue Mondeo ab 27.150 Euro, der Turnier kostet ab 28.150 Euro.

Fazit: Der VW Passat hat in der Tat einen Riesenschritt in Richtung BMW und Mercedes, aber auch in Richtung des Konzernbruders Audi A4 gemacht. Die Qualität und die Anmutung ist einfach bestechend – ein Klassensprung. Auch der Mondeo bleibt der große Hoffnungsträger für Ford. Satt steht der Mondeo auf seinen Reifen, strahlt aus allen Perspektiven: rundum eine gelungene Mischung aus Dynamik und Solidität.

Quellen und Bildrechte:

  • Fotos: Ford, VW