Range Rover Evoque: Der Trendsetter setzt neue Maßstäbe

Wenn man bei einem komplett überarbeiteten Erfolgsmodell zweimal hinsehen muss, um es als Neuheit zu identifizieren, dann könnte es langweilig sein. Oder der Hersteller hat alles richtig gemacht – so wie Land Rover beim neuen Evoque. Davon hat sich jetzt unser Autotester Heinrich Rohne auch überzeugen können.

Die SUV-Stilikone, die für viele andere Premium-Konkurrenten im Segment zum Vorbild wurde, hat sein markantes Bild zwar behalten, zeigt aber durch den umgestalteten Innenraum einen ganz neuen Charakter.

Range Rover EvoqueDass aktuelle SUV nicht mehr nach Schmutz und Abenteuer aussehen, sondern eher mit Oper und Latte Macchiato assoziiert werden, verdanken die ehemaligen Geländewagen auch dem Range Rover Evoque. Seine erste Generation interpretierte vor sieben Jahren – vor allem in der dreitürigen Version – das SUV-Segment mit seiner coupe-artigen Silhouette komplett neu. Und wurde mit weltweit 800.000 Käufern zum echten Erfolgsmodell.

Optisch wurde das Design-Prinzip mit der stark abfallenden Dachlinie bei gleichzeitig stark aufwärtsstrebender Gürtellinie nicht geändert. Neu sind extrem schmale Matrix-LED-Scheinwerfer vorne und dazu passende Heckleuchten mit dynamischen Blinkern sowie ausfahrbare Türgriffe, die bündig in der Karosserie verschwinden.

Ein zentrales optisches Element sind auch die großen Räder mit 20- oder 21-Zoll-Durchmesser. Ein gewagtes Unterfangen, denn in der Regel leidet der Komfort des Fahrwerks darunter enorm. Doch nicht beim Evoque: Federn und Dämpfer funktionierten auch auf mitunter holprigen Straßen.

Passend zur dynamischen Karosserie dominieren auch im Innenraum jetzt glatte, übersichtliche Flächen und betont minimalistisch gehaltene Linien. Die verwendeten Materialien fühlen sich sehr hochwertig an und sind – darauf ist Land Rover stolz – auch nachhaltig: Zum Beispiel das neue Eukalyptus-Textilgewebe als Alternative zum klassischen Leder oder Kunststoffe aus Recycling-Material.

Bedient wird der Evoque über das neue Touch Pro Duo mit zwei großen Touchscreens. Hat man einmal die grundlegende Logik erfasst, gelingt das sogar recht einfach. Auf hausgemachte Lösungen für die digitale Anbindung verzichtet Land Rover inzwischen wieder: Apple CarPlay und Android Auto sind jetzt – wie bei den Konkurrenten – erste Wahl. Und bis zu acht Endgeräte können über den LTE-Hotspot gleichzeitig ins Netz gehen.

An neuer Technik bringt der Evoque eine „durchsichtige“ Motorhaube mit. Dank eines ausgeklügelten Kamerasystems sieht der Fahrer auf seinem Display den Bereich unter dem Vorderwagen, was bei schwierigen Geländepassagen genauso hilfreich sein soll wie beim Einparken in enge Lücken.

Neu sind auch die „Smart Settings“, die der Evoque als erstes Land Rover Modell besitzt. Sie nutzen Künstliche Intelligenz, um die Vorlieben des Fahrers zu lernen und dann jeweils alle Einstellungen auf die Lieblingsposition einzustellen oder Verkehrsstörungen auf dem Weg zu häufig angesteuerten Zielen zu melden.

Im Vergleich zum Vorgänger wurde der Evoque nicht länger. Weil er aber auf der neuen Stahl-Plattform von Jaguar Land Rover aufbaut, verlängerte sich der Radstand, was vor allem den Fondpassagieren zugute kommt: 20 Millimeter mehr Knieraum klingen nach nicht viel, sind aber deutlich spürbar.

Die coupe-hafte Karosserieform mit ihrer hohen Ladekante ist auch schuld daran, dass der Evoque kein wirklicher Lademeister wird: Das Kofferraumvolumen wuchs aber um 16 Liter auf 591 Liter. Und immerhin fasst das Heck 1.383 Liter, wenn die im Verhältnis 40:20.20 geteilte Rückbank umgeklappt wird.

Range Rover Evoque innenVorne genießen Fahrer und Beifahrer auf gut geformten Sitzen ein sehr großzügiges Raumgefühl. Gegen Aufpreis mit einer absoluten Neuerung in dieser Klasse: Dem „ClearSight Smart-View“-Innenrückspiegel, der sich auf Knopfdruck in einen hochauflösenden Video-Bildschirm verwandelt. Er zeigt das Bild einer auf dem Dach montierten, nach hinten gerichteten Kamera mit einem großen 50-Grad-Sichtfeld.

Die neue Plattform wurde für elektronische Antriebe konzipiert – und so nutzt erstmals auch der Evoque in allen Motorvarianten mit Automatik als 48-Volt-Hybrid einen Riemen-Starter-Generator. Die beim Bremsen oder Verzögern entstehende Energie leitet er an einen im Unterboden platzierten Akku und nutzt den gespeicherten Strom, um den Motor beim Beschleunigen zu unterstützen und so Sprit zu sparen.

Die Motorenpalette umfasst sechs Antriebe: Drei Benziner von 200 PS (ab 43.600 Euro) bis 300 PS (52.400 Euro) und drei Diesel von 150 PS (37.350 Euro) bis 240 PS (48.400 Euro). Und allen Unkenrufen zum Trotz: Auch wenn der Benziner gut zum eleganten Evoque passt, ist der laufruhige und durchzugsstarke Selbstzünder unsere erste Wahl. Dank SCR-Kat und Euro 6d-TEMP-Norm ist er mit einem Verbrauch von 6,3 l/100 km auch ökologisch eher zu empfehlen.

Stichwort Umwelt: 2020 erweitert ein noch effizienterer Plug-in-Hybrid die Evoque-Triebwerkspalette. Erstmals soll auch sparsamer Dreizylinder-Benziner für Vortrieb sorgen. Und wenn das standesgemäß gelingt, wäre der Evoque in dieser Fahrzeugklasse mal wieder Trendsetter.

Quellen und Bildrechte:

  • Fotos: Range Rover

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