Opel Corsa-e: Stromern im Turbo-Modus

Elektro-Autos werden die Zukunft sein. Darauf setzt auch Opel bei seinem Bestseller, dem kleinen Corsa. Unser Auto-Tester Heinrich Rohne konnte in dem schicken Stromer bereits erste Erfahrungen sammeln und war schlichtweg begeistert.

Wie sich die Zeiten ändern: Nicht, dass schon vor Corona die Elektromobilität in der Automobilindustrie kein Thema war, aber jetzt in dieser beängstigenden Pandemie nimmt dieser umweltschonende Antrieb jetzt richtig Fahrt auf. Denn die Welt wird eine andere sein – nach Corona – so meinen jedenfalls alle, die sich derzeit zu Wort melden. Und dazu gehören auch die Elektro-Autos, auf die wir dann alle setzen und für die weitere Kaufanreize geschaffen werden sollten - wenn sich denn schon alles ändert.

Die große Chance also für einen Opel Corsa zum Beispiel, der jetzt auch mit Elektroantrieb zu haben ist? Könnte gut sein, denn dieser Volks-Opel ist nicht nur klein, schick und absolut emissionsfrei, sondern bietet auch noch eine alltagstaugliche Reichweite von 337 Kilometern.

Opel Corsa-e vor der Opel ArenaAber steigen wir erst einmal ein in den jüngsten Spross des Traditionsunternehmens aus Rüsselsheim. Und drücken auf den Startknopf. Ist er jetzt an? Immer wieder das gleiche in diesen E-Mobilen – man hört nichts, kein Diesel-Brummen, kein kräftiges Blubbern eines Benziners. Nur das „Ready“-Symbol im Display signalisiert: der Elektro-Corsa ist startbereit. Und ab geht die Post – und wie. Denn faszinierend ist ein Wert, nämlich der für den Sprint von 0 auf 50 km/h - in nur 2,8 Sekunden! Damit wird jeder Ampelstart im Corsa-e zu einem Erlebnis. So geht es dann allerdings immer weiter, denn nur 5,3 Sekunden später ist bereits die 100 km/h-Marke erreicht. Der Vortrieb im gefühlten Turbo-Corsa endet dann bei 151 km/h.

Für dieses starke Fahrerlebnis sorgen 136 PS und 260 Nm - allerdings im Sportmodus. Wer es allerdings gemütlicher angehen lassen will und nicht so schnell wieder aufladen möchte, der ist im Eco-Modus genau richtig unterwegs. Hier reduziert das System die Leistung auf 82 PS und 180 Nm Drehmoment. Damit wird der Viertürer aber noch lange nicht zur Schnecke, vor allem im Stadtverkehr reicht dieses Potenzial zumindest dann, wenn er nicht als Dauer-Sieger beim Ampel-Sprint Anerkennung finden muss. Im mittleren Modus „Normal“ stehen schließlich
109 PS und 220 Nm bereit. Der bietet sich für Ausfahrten über Land trefflich an und lässt den Corsa-e Steigungen munter bewältigen.


Opel Corsa-e DisplayMit der Reichweite des 50-kWh-Akkus von immerhin 337 Kilometern (Normverbrauch 16,8 kWh/100 km) stromert der Opel im Wettbewerbsumfeld ebenfalls ziemlich weit vorne mit. Dank des Schnelllade-Anschlusses für Gleichstrom kommt der Opel auch mit 100-kW-Ladeleistung klar. Im besten Falle stehen nach 30 Minuten bereits wieder 80 Prozent der Akku-Kapazität zur Verfügung.

Ansonsten ist alles so, wie wir es bereits vom neuen Corsa kennen.
Der kleine Opel, der sich die gleiche Plattform mit dem 208 der Konzernmutter Peugeot teilt, glänzt mit einem markanten, eigenständigen Design. Denn vorbei sind die Zeiten des etwas unharmonischen vanartigen Vorgängers. Die Dachlinie des neuen Corsas verläuft jetzt 48 Millimeter niedriger, der Fahrer sitzt um 28 Millimeter tiefer. Um das gleiche Maß wächst der Radstand, die Gesamtlänge des Fahrzeugs beträgt 4,06 Meter. Dadurch kommt die sechste Generation des Bestsellers, der seit 1982 etwa 14 Millionen Mal verkauft wurde, viel sportlicher und dynamischer rüber. Optisch unterscheidet sich die Elektro-Variante von den Verbrennern nur durch spezielle Felgen, zwei E-Logos und den Entfall der Abgasanlage.

Auch das Raumangebot ist für alle Mitfahrer gleichgroß wie in den Verbrenner-Corsas, einzig das Kofferraumvolumen sinkt um bis zu 41 Liter. 267 bis 1.042 Liter schafft der Stromer, je nachdem, ob die Rücksitzlehnen aufrecht stehen oder umgeklappt sind. Geschuldet ist dieser Verlust der voluminösen Batterie, die unter Rückbank und Kofferraum eingebaut ist.

Keinerlei Verwechslungsgefahr gibt’s im Cockpit: Von 3D-Instrumenten, dem abgeflachten Lenkrad, dem aufgesetzten Infotainment-Bildschirm oder den Flugzeug-Kippschaltern des Peugeots will man bei Opel nichts wissen. Bei den Rüsselsheimern ist das Volant rund, der sieben oder zehn Zoll große Touchscreen mit übersichtlichem Infotainment-Menü ist ins Armaturenbrett eingelassen und es gibt klassische Tasten und eine konventionelle Klimasteuerung – hier fühlt man sich auf Anhieb wohl. Serienmäßig ist zudem das 7-Zoll große digitale Cockpit.

Und was kostet der Elektro-Spaß?

29.900 Euro muss man mindestens für den Corsa-e hinblättern. Abzüglich der 6.570 Euro Kaufpreis-Subvention landet man bei einem ähnlichen Preis, der für den 130 PS starken Corsa Benziner in der GS Line fällig würde. Im Vergleich zu diesem bietet der Corsa-e nicht nur eine umfangreiche Serienausstattung (Klimaautomatik, Smartphone-Integration sowie viele Assistenz-Systeme wie der adaptive Tempomat, Spurhalte-Assistent, Frontkollisionswarner mit automatischer Notbremsung und Fußgängererkennung sowie Verkehrsschilderkennung), sondern auch eine 8-Jahres-Garantie, die 70 Prozent der Batterie-Kapazität absichert. Preislich passt dieser Opel so in die Zeit. Spannend also die Frage, wenn die Produktion nach der Corona-Zwangspause in Spanien wieder anläuft, ob Opel mit dem Corsa-e der Konkurrenz davonfahren kann.