Ford Focus: Der heimliche König von Köln

Er ist so etwas wie der heimliche König von Köln. Kein Auto ist für Ford wichtiger als der Focus – nicht umsonst wird alle 48 Sekunden ein Exemplar des Kompakten verkauft. Jetzt kommt die vierte Generation auf den Markt, die unser Auto-Experte Heinrich Rohne schon fahren durfte. Und er war tief beeindruckt.

Gebaut wird der Ford Focus zwar in Saarlouis im Saarland und zu haben ist er in der ganzen Welt, aber die Entwicklungshoheit dafür liegt am Rhein. Kein Wunder also, dass die Kölner die Brust ganz breit machen, wenn sie jetzt nach 20 Jahren und 16 Millionen Exemplaren im September zu Preisen ab 18.700 Euro die vierte Generation des Golf-Gegners an den Start bringen.

Denn dieser neue Focus ist keine Weiterentwicklung des Vorhandenen, Ford habe „mit einem weißen Blatt Papier“ begonnen. Und so sei bis auf ein paar Schalter und andere Kleinteile am Focus alles neu.

Neben der Limousine und dem Kombi wird es später zusätzlich die höher gelegte Active-Variante geben. Außer der ST-Line wird auf Sicht auch wieder eine leistungssgesteigerte Version mit den beiden Buchstaben angeboten. Doch schon der flotte Fünftürer zeigt, dass Ford eine ordentliche Schippe draufgelegt hat.

Zunächst stehen beim Focus die Dreizylinder-Motoren im Brennpunkt. Außer dem weiter entwickelten Einliter-Aggregat gibt es auch einen neuen 1,5-Liter-Benziner, der seine Kraft ebenfalls aus drei Zylindern schöpft. Während die Einliter-Version wahlweise mit 85, 100 und 125 PS zu haben ist, werden die größeren Motoren mit 150 oder 182 PS angeboten. Bei den Dieseln kommen vier Zylinder zum Einsatz, die Leistungsspanne reicht von 95 bis 120 PS. Beim weiteren Ausbau des Modellangebots wird noch ein Zweiliter-Diesel folgen, der dann 150 PS und 370 Newtonmeter Drehmoment bereitstellt.

Fahrspaß und präzise Lenkung im Focus

Was sich dagegen nicht verändert hat, ist der Fahrspaß im Focus. Erstmals – je nach Motorvariante – mit einer Verbundlenker- oder einer Multilenkachse im Heck lieferbar und auf Wunsch mit adaptivem Fahrwerk ausgestattet, fühlt sich der Focus deutlich lebendiger an als der VW Golf oder der neue Kia Ceed. Die Lenkung ist jetzt deutlich präziser und die Straßenlage strammer.

Außerdem können sich die Kunden auf eine Achtgang-Automatik freuen, die Ford selbst entwickelt hat. In der Tat ist der Schaltkomfort in Verbindung mit dem 150 PS-Benziner erstklassig. Zudem ist die Programmierung lernfähig und passt sich folglich den Anforderungen des Fahrers oder der Fahrerin an. Um die Mittelkonsole luftiger, übersichtlicher und praktischer zu gestalten, wurde für ihre Bedienung auf einen herkömmlichen Hebel verzichtet. Stattdessen erfolgt die Wahl der Fahrstufen mittels eines Drehknopfes. Unterhalb des Getriebe-Drehknopfes liegt die Taste für die Fahrmodi.

Und wie sieht der Verbrauch aus? Laut Hersteller wurden die offiziellen Verbrauchsangaben „anhand des neuen WLTP-Testzyklus ermittelt und zu Vergleichszwecken auf NEFZ zurückgerechnet“. Demnach soll der 5-Türer mit 125 PS und Handschaltung nicht mehr als 6,2 Liter je 100 km verbrauchen.

Außerdem punktet der neue Focus gegenüber dem Vorgänger mit größerem Platzangebot bei fast gleichen Außenmaßen, mit einem großzügigen Sortiment an Sicherheits- und Assistenzsystemen sowie hohem Fahrkomfort, den das serienmäßig einstellbare Fahrwerk bietet. Dank 57 Millimeter mehr Radstand gegenüber dem Vorgänger genießen die Fondpassagiere mehr Beinfreiheit, gleichzeitig wurden die Überhänge an den Radhäusern gekappt. Auch für die vorn Sitzenden erreichte man einen Raumgewinn, da das Armaturenbrett in Richtung Vorderachse verschoben wurde. Gegenüber dem Vorgänger wuchs der Kofferraum des Fünftürers um 25 auf 341 Liter, bei umgeklappter Rückbank um 92 auf 1.354 Liter. Beim Kombi sind maximal gar 1.635 Liter.

Erstmals in einer europäischen Modellreihe der US-Marke gibt es ein Head-up-Display als ausfahrbare Scheibe über den Hauptinstrumenten. Ford rühmt sich, dass es das kontraststärkste System sei, das gegenwärtig erhältlich ist. Auch bei starkem Lichteinfall, das bewiesen die Testfahrten, ist es tadellos ablesbar. Die elektronischen Helfer haben Zuwachs bekommen, nunmehr sind unter anderem ein Stauassistent inklusive Fahrspur-Pilot, kamerabasiertes Kurvenlicht, Verkehrsschilderkennung, blendfreies Fernlicht sowie ein vollautomatischer Park-Assistent optional erhältlich. Ein Novum in der Kompaktklasse ist der Ausweichassistent, der das Umfahren von Hindernissen durch aktiven Lenkeingriff unterstützt. Insgesamt stehen mehr als 30 Assistenzsysteme zur Verfügung. Das ist Rekord.

Wer das Focus-Einstiegsangebot von 18.700 Euro (mit 85 PS) nutzt, wird sich wohl über den um 200 Euro reduzierten Startpreis freuen, muss jedoch auf die zahlreichen Segnungen von neuen Assistenz- und Komfort-Einrichtungen verzichten. Immerhin gibt es ab Werk Spurhalte- und Berganfahr-Assistent, ein Audio-System, Klimaanlage, Kollisionswarner, Lichtsensor und Zentralverriegelung.

Quellen und Bildrechte:

  • Fotos: Ford

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