Alfa Romeo Stelvio und Giulia: Schön gemacht

Die Verkaufszahlen könnten bei Alfa Romeo bekanntlich besser sein. Auch die schicke Limousine Giulia und das noch flottere SUV Stelvio (Foto rechts) haben die Italiener nicht richtig nach vorn gebracht – was die Zulassungen angeht. Was also tun für das Modelljahr 2019? Das hat sich unser Auto-Experte Heinrich Rohne einmal genauer angesehen und wundert sich, warum diese beiden schicken Italiener nicht häufiger auf der Straße zu sehen sind.

Optisch verändert werden muss selbstverständlich gar nichts. Doch mit stärkeren Dieselmotoren, etwas mehr Komfort ab Werk sowie höherwertigen Ausstattungsvarianten hoffen die Italiener nun wieder mehr Kunden in ihre Autos zu locken. So legten die beiden Einstiegsvarianten des 2,2-Liter-Turbodiesels nun um jeweils 10 PS auf 160 PS und 190 PS zu. Was allerdings eher als Zubrot für die Umstellung auf die Abgasnorm Euro 6d-Temp durch Einbau eines SCR-Katalysators, der häufig mit einem Leistungsverlust einher geht, zu sehen ist. In der Topversion des Selbstzünders bleibt es nach wie vor bei 210 PS (154 kW).

Unverändert in Giulia (Foto links) und Stelvio laufen die drei Turbobenziner, ein Zwei-Liter-Aggregat mit 200 PS oder 280 PS sowie der V6-Motor im Quadrifoglio mit 510 PS. Auch diese erfüllen durch den Einbau eines Partikelfilters nun die strengere Abgasnorm und sind damit vorerst vor Fahrverboten und Klagen des Abmahnvereins Deutsche Umwelthilfe sicher. Wie im Stelvio sind nun auch bei der Giulia alle Motoren ab Werk und ohne Aufpreis mit einer schnell und präzise schaltenden Acht-Gang-Automatik gekoppelt.

Doch warum auch immer so wenig Kunden die beiden schmucken Italiener ins Auge fassen – nach einer Probefahrt sollte sich das Bild eigentlich geändert haben. Denn hat man erst mal hinter dem Lenkrad Platz genommen, möchte man dieses nicht so schnell wieder aus der Hand geben. Und dabei muss nicht mal der zusammen mit Ferrari entwickelte Ausnahme-V6 mit 510 PS den Antrieb übernehmen. Denn sowohl bei der Giulia als auch beim Stelvio galt die Quadrifoglio-Version sozusagen als Blaupause bei der Entwicklung, sodass auch die übrigen Modelle von dem Leichtbau-Prinzip, der rennsportlichen Aerodynamik sowie der perfekt austarierten Gewichtsbalance profitieren.

Das spürt man schon nach wenigen Kilometern. Vor allem die Giulia-Limousine fühlt sich athletisch und spritzig an – selbst wenn ein Diesel unter der Haube hämmert. Das Fahrwerk ist schon in der Normalstellung der serienmäßigen DNA-Fahrdynamikregelung betont sportlich gestimmt, im Dynamic-Modus sorgen schon kleinste Bewegungen am Lenkrad für Kurskorrekturen. Der auf 190 PS erstarkte Selbstzünder, mit dem wir unterwegs waren, zeigt mit seinen 450 Newtonmetern Drehmoment einen kräftigen Antritt und nicht minder wuchtigen Durchzug, den auch die heckgetriebene Version kontrolliert umsetzt. Mit glatten 5,0 Litern nach Norm bleibt er dabei auch noch recht sparsam – wenn auch nach unserer Testfahrt gute sechs Liter auf der Uhr standen.

Während sich bei Motoren aber kaum etwas getan hat, erhielten beide Modelle neben einer höherwertigen Serienausstattung komplett neue Ausstattungen dazu. So fährt die Basis, zu der unter anderem ein Infotainmentsystem mit 6,5-Zoll-Monitor, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Regen- und Lichtsensor sowie 16-Zoll-Leichtmetallfelgen gehören, jetzt zusätzlich mit Parksensoren und Lüftungsdüsen hinten sowie elektrisch anklappbaren Außenspiegeln.

Ganz neu im Programm sind die Versionen Business, B-Tech und Lusso, die ihrem Namen entsprechend unterschiedliche Kundenkreise bedienen sollen. So etwa die gewerblichen Vielfahrer in der Ausstattung Business unter anderem mit Navisystem und sechsfach verstellbaren Sitzen oder in der Lusso-Variante mit Lederpolster, Rückfahrkamera und Echtholz-Dekor die Angestellten mit höherem Dienstwagenanspruch. B-Tech ist als sportliche Version mit Bi-Xenon-Scheinwerfern und schwarz glänzenden Exterieur-Details gesetzt. Darüber rangieren dann noch für die beiden Benzin- und Diesel-Topmotorisierungen die Ausstattungslinien Veloce Ti (Giulia) und Ti (Stelvio), unter anderem mit Allradantrieb, Sportsitzen in Leder-Alcantara und regelbaren Dämpfern.

Außerdem hat Alfa zwei limitierte Sonderserien für Giulia und Stelvio aufgelegt. Die Edition „Nring“ erinnert an die Rundenrekorde der beiden Modelle auf der Nordschleife des Nürburgrings. Auf Basis der Quadrifoglio in Vollausstattung inklusive Keramik-Bremsen und in exklusiver Mattgrau-Lackierung gibt es davon allerdings nur jeweils 108 Exemplare. Noch seltener sind die je zehn Modelle „AR Racing“ in Alfa-typisch rot-weißer Lackierung, mit denen die Italiener ihre Rückkehr in die Formel 1 zelebrieren. Anders als bei den Nring-Sondermodellen wurde hier auch noch der V6-Motor um 10 PS aufgebohrt. Über die genauen Preise schweigen die Italiener, mit weniger als 130.000 Euro jedoch sollte man gar nicht erst zum Händler kommen.

Apropos Preise: Die Giulia startet ab 37.000 Euro, egal ob mit Basis-Benziner oder -Diesel. Dagegen schlägt die Quadrifoglio-Version mit V6-Motor ab 79.000 Euro mächtig ins Kontor. Die Preisliste des Stelvio beginnt ab 41.000 Euro mit dem 160-PS-Diesel und gipfelt ebenso beim Quadrifoglio für 89.000 Euro. Schönheit hat nun mal doch ihren Preis.

Quellen und Bildrechte:

  • Fotos: Alfa Romeo

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