Familienstress? Nein, danke!

Die Corona-Pandemie bringt so einiges auf den Prüfstand: Einerseits das Familienleben, dessen Bewältung zum großen Teil mal wieder die Frauen schultern müssen. Aber auch die Erkenntnis, dass ein praller Terminkalender und jede Menge Aktivitäten vielleicht gar nicht so sinnvoll sind...

Im Vergleich zu heute waren die Zeiten früher beschaulich. Kaum eine Frau ging arbeiten. Ihre einzige Aufgabe bestand darin, eine gute Mutter zu sein und den Haushalt in Ordnung zu halten - allerdings mit deutlich weniger Hilfsmitteln wie heute. Zum Beispiel kam die erste vollautomatische Waschmaschine erst 1951 auf den Markt und kostete damals so viel wie ein durchschnittliches Jahresgehalt!

Paar am FrühstückstischDie Kinder waren bescheidener und die Ansprüche geringer. Die Kleinen freuten sich über ein paar warme Würstchen an ihrem Geburtstag und trugen widerstandslos ihre geflickten Hosen. Ein ausgeprägtes Markenbewusstsein gab es noch nicht. Niemand musste zwangsläufig mehr besitzen als der andere oder mit teuren Urlaubsreisen, Handys und Laptops prahlen.

Heute ist das ganz anders und die Eltern geraten schnell unter Druck. Der Stresslevel steigt - alles muss größer, teurer, besser, gigantischer sein. Fragt man nach dem Sinn des Ganzen, bekommt man zur Antwort, die Zeiten hätten sich eben geändert und heutzutage sei das einfach so.

Viel zu wenige Menschen nutzen die Möglichkeit, die Bremse zu ziehen, ehe der Zug mit Höchstgeschwindigkeit auf den Abgrund zurast.

Endlich Zeit für die Familie

Was früher in erster Linie nur Karrierefrauen und die weibliche Prominenz aus der Film- und Musikbranche vor eine große Herausforderung stellte, muss heute fast jede Mutter bewältigen: Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist mittlerweile die Hauptaufgabe der meisten Frauen. Sie haben einen tollen Beruf, müssen etwas für ihre Rente tun und man will sich ja schließlich auch was leisten!

Das ist sozusagen der allgemeine Standard. Das Rad der Zeit zurückzudrehen funktioniert nicht, denn die moderne Epoche bringt neben vielen Zwängen auch so manche Annehmlichkeit.

Mehrmals im Jahr in den Urlaub fliegen, regelmäßig neue, schicke Klamotten kaufen und teure Restaurantbesuche konnten sich unsere Großeltern sicherlich nicht in dem Umfang leisten, wie wir es heute tun. Gleichzeitig nutzen wir die umfangreichen Serviceangebote, die uns die Arbeit im Haushalt erleichtern. Spezialreinigungen sorgen für saubere Heimtextilien und Teppiche. Fensterputzer und Haushaltshilfen gehen uns fleißig zur Hand.

Vieles ist luxuriöser und komfortabler, und dennoch zerbrechen manche Eltern an dem Druck, der auf ihren Schultern lastet.

Der Zwang zum Maximum

Trotz der fachkundigen Unterstützung etlicher Dienstleister ist es oft schwer, den Familienalltag zu managen. Vieles bleibt liegen und alles gleichzeitig zu erledigen, ist einfach nicht möglich. Je mehr Aufgaben zu bewältigen sind, je mehr auf uns einprasselt, desto schwerer fällt es, die gewünschte Leistung zu erbringen. Wir fallen in eine Art Lockdown, machen dicht und blocken ab.

Weniger ist deshalb oft mehr. Es ist wichtig, Aufgaben zu reduzieren, auch, um in dem ganzen Durcheinander den Überblick nicht zu verlieren. Den Kindern geht es in dieser Hinsicht ähnlich wie ihren Eltern. Auch ihr Alltag ist oft vollgestopft mit Aufgaben und Aktivitäten, die Terminkalender sind voll.

Familie sitzt in einer WieseDen Terminkalender zu überprüfen und gegebenenfalls zu kürzen, bringt häufig die erhoffte Erleichterung im Alltag. Man sollte sich fragen, ob es wirklich notwendig ist, neben den beruflichen Verpflichtungen auch noch ein Amt im Elternbeirat und im Sportverein zu übernehmen. Für die Kinder lohnt sich die Überlegung, ob einmal wöchentlich Ballett, Reiten und Tischtennis nicht doch zu viel Stress sind, zumal bei diesen Terminen jedesmal die Eltern mit eingebunden sind.

In der heutigen Zeit gibt es so viele Verlockungen, so viele Freizeitangebote, dass man vieles oft enthusiastisch und ohne Planung spontan in Angriff nimmt. Was bleibt, ist eine neue Art des Freizeitstresses, der das Familienleben immer mehr in den Hintergrund drängt. Dabei kann die Ruhe so schön sein, die Stille und Harmonie im Kreis der Liebsten!

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