Pflegebedürftig und was nun?

Aufgrund des steigenden Lebensstandards und einer besseren medizinischen Versorgung, werden die Menschen in Deutschland und anderen Industrieländern immer älter. Auch die Gefahr der Pflegebedürftigkeit ist dadurch zwar nach hinten gerückt, aber dennoch irgendwann ein Thema...

44 Prozent der Bundesbürger haben Angst, im Alter in ein Pflegeheim gehen zu müssen. Dies ergab eine repräsentative Umfrage von TNS Emnid im Auftrag der Fitnessstudiokette INJOY. Demnach ist der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben bei den Deutschen sehr stark vorhanden: 72 Prozent wollen ihren Haushalt später noch selbständig führen, 60 Prozent möchten nicht auf Pflegedienste angewiesen sein.

Doch im zunehmendem Alter und manchmal, wenn das Schicksal auch schon in jungen Jahren zuschlägt, müssen sich Betroffene und ihre Familien mit diesem Thema, ob sie wollen oder nicht, intensiv auseinandersetzen. Da sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen in den letzten Jahren in rascher Folge geändert haben, haben die meisten Menschen häufig keine oder nur ungefähre Kenntnisse über die Möglichkeiten und Grenzen des Systems der Pflege, was unweigerlich zu einer wachsenden Verunsicherung führt.

Welche Ansprüche hat man? Kann ich trotz meiner Beeinträchtigung noch zu Hause wohnen oder muss ich in eine stationäre Einrichtung? Und welches Angebot ist am besten auf meine persönliche Situation zugeschnitten? Diesen und vielen anderen Fragen rund um das Thema Pflegedürftigkeit widmet sich der informative Ratgeber "Pflegebedürftig" von Autor Uwe Wolfs. Wir haben einen Blick in das Buch geworfen und möchten in kurzen Auszügen erzählen, mit welchen weiteren Fragen sich Betroffene und ihre Angehörigen im Fall der Fälle auseinandersetzen müssen.

In den Kapiteln des Buches aus dem by alcorde Verlag wird anhand individualisierter Fälle dargestellt, welche Möglichkeiten sich bei Menschen ergeben können, die mit zunehmendem Alter Einschränkungen in der Mobilität erleben oder gar pflegebedürftig werden. Leicht verständlich mit zahlreichen Informationen gespickt werden so teilweise komplexe Themen wie unterschiedliche Wohnformen, die Leistungen der Pflegeversicherung und anderer Kostenträger, die Angebote professioneller Pflegeeinrichtungen sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen behandelt. Jedes Kapitel liefert zudem Checklisten und Hinweise auf Informationsquellen mit vertiefenden Inhalten, so dass jeder Betroffene Antworten auf seine ganz persönlichen Fragen finden kann. Doch nehmen wir einmal die einzelnen Kapitel kurz unter die Lupe:

Pflegebedürftigkeit und Pflegegrade: Der erste Schritt ist ein Gespräch mit einem Pflegeberater. Doch was wird da passieren? Welche Hilfen werden dort angeboten? Neben den Zielen der Pflegeversicherung wird nun vermutlich erstmals der Begriff der Pflegebedürftigkeit erläutert, wie ihn das Pflegegesetz versteht. Ausführlich werden die Vorgehensweise zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit und die Ermittlung des Pflegebedarfs beschrieben - angefangen bei der Antragstellung bei der Pflegekasse über die Vorbereitung des Besuchs und die Begutachtung durch den Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung bis hin zum Bescheid durch die Pflegekasse.

Barrierefreies Wohnen in den eigenen vier Wänden: Wie kann die eigene Wohnung barrierefrei umgestaltet werden, um sie selbst bei körperlicher Beeinträchtigung in vollem Umfang nutzen zu können? In vielen Kommunen wird zu diesem Thema eine Wohnberatung angeboten. Die Veränderung der Wohnung in einzelnen Bereichen und die mögliche Finanzierung bilden den Schwerpunkt dieses Kapitels.

Betreutes Wohnen: Diese Wohnform wird vermehrt seit etwa Anfang der neunziger Jahre angeboten und erfreut sich zunehmender Nachfrage. In den Bundesländern gibt es hierzu durch die zuständigen Ministerien vereinzelt Qualitätsvorgaben, welche auf allgemein anerkannten DIN-Normen beruhen. Diese Normen machen Aussagen zur Barrierefreiheit der Wohnungen, der Lage und Anbindung an die örtliche Umgebung sowie zu den Vertragsverhältnissen und Betreuungsleistungen. Das Kapitel weist auch auf Leistungsgrenzen des betreuten Wohnens hin.

Ambulante Beratung, Betreuung und Pflege: Bei zunehmender Hilfe- und Pflegebedürftigkeit können Angebote der ambulanten Versorgung zusätzlich genutzt werden, um ein möglichst langes Leben in der eigenen Häuslichkeit zu gewährleisten. Wie schauen die Möglichkeiten der ambulanten Betreuung, Beratung und Pflege aus? Weitere Themen sind die Differenzierung von Pflegegeldleistungen und Pflegesachleistungen, die Kombinationen aus beiden Leistungsformen sowie weitere mögliche Leistungen im ambulanten Bereich.

Tages-/Nachtpflege und Kurzzeitpflege: Ein ambulanter Dienst kommt immer nur für die vereinbarten Tätigkeiten ins Haus. In der übrigen Zeit obliegt es den Angehörigen, den Pflegebedürftigen zu versorgen. Wenn die Pflegekraft berufstätig ist oder krank wird, gibt es die Möglichkeit einer erweiterten oder ersatzweisen Versorgung des Pflegebedürftigen. In diesem Kapitel werden neben dem Leistungsspektrum der Tages- und Nachtpflege auch das Angebot der Kurzzeitpflege, die damit verbundenen Leistungen sowie die dazu nötige Finanzierung erörtert.

Wohngemeinschaften: Eine für ältere Menschen relativ neue Wohnform ist die Wohngemeinschaft. Hierbei beschließen Menschen gemeinsam, Wohnräume zu mieten oder zu kaufen, Pflege- und Betreuungsleistungen rund um die Uhr zu organisieren und ihren Alltag zu gestalten. Dabei müssen besondere Bedingungen (inhaltlicher und finanzieller Art), die das Wohnen und Leben in solch einer Senioren-WG beeinflussen, berücksichtigt werden.

KrankenhausbettVollstationäre Versorgung: Das Wohnen und Leben in einer vollstationären Senioreneinrichtung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Zum einen ziehen immer mehr Menschen mit Mehrfacherkrankungen und höherer Pflegebedürftigkeit ein, die häuslich nicht mehr versorgt werden können, zum anderen steigen die Maßstäbe, die an die Wohn-, Pflege- und Betreuungsqualität angelegt werden. Neben den zu erwartenden differenzierten Angeboten einer Einrichtung, den Einzugsvoraussetzungen und den Mitbestimmungs- und Teilhabemöglichkeiten gibt dieses Kapitel Informationen zu den finanziellen Rahmenbedingungen.

Gesetzliche Betreuung und Vorsorgevollmacht: Einige Menschen benötigen je nach vorhandenen oder verbliebenen Fähigkeiten eine gesetzliche Betreuung, da sie ihre Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht mehr selbst regeln können. Hierbei bestimmt ein zuständiges Gericht im Rahmen eines Verfahrens eine Betreuung. Der Aufgaben- und Wirkungskreis eines Betreuers, der der gesetzliche Vertreter des Betreuten ist, wird vom Gericht in einer Bestellungsurkunde festgelegt. Die Darstellung der Möglichkeiten einer Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung im Vorfeld einer gerichtlich angeordneten Betreuung sowie der Rechte des unter Betreuung stehenden Menschen rundet das Kapitel ab.

Weitere rechtliche und allgemeine Aspekte bei Pflegebedürftigkeit: Das letzte Kapitel des Ratgebers befasst sich mit weiteren rechtlichen Grundlagen und Möglichkeiten, die im Gesamtzusammenhang bei Pflegebedürftigkeit wichtig sein können, z.B. neue rechtliche Regelungen zur Patientenverfügung und die Form und Wirkung einer solchen Verfügung. Außerdem werden allgemeine Bedingungen von so genannten freiheitseinschränkenden Maßnahmen bei Selbst- oder Fremdgefährdung sowie Überlegungen zur Reduzierung solcher Maßnahmen angesprochen. Den Schluss machen die rechtlichen Möglichkeiten, die ein Pflegebedürftiger hat, wenn die Pflegeeinstufung falsch bestimmt wurde.

Quellen und Bildrechte:

  • Quelle & Buchtipp: "Pflegebedürftig", Uwe Wolfs (by alcorde Verlag, ISBN: 978-3-7776-2119-7, 17,90 Euro)
  • Foto 1: sabinevanerp, www.pixabay.com
  • Foto 2: Paul-Georg Meister, www.pixelio.de

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