Endlich volljährig - doch was ändert sich mit 18?

Endlich 18 Jahre alt! Ein häufig ersehnter Geburtstag vieler Jugendlicher. Doch neben einigen Freiheiten, die man ab diesem Alter endlich genießen kann, hat man nun auch mehr Pflichten und ist für sein Handeln voll verantwortlich. Doch was genau ändert sich mit 18?

Nach §2 des Bürgerlichen Gesetzbuches gewinnt ein Volljähriger sowohl die Rechte, aber auch die Pflichten eines Erwachsenen. Der einstige Teenager ist nun für sein Handeln voll verantwortlich, denn die Eltern sind nicht mehr länger die gesetzlichen Vertreter. Mit dem 18. Lebensjahr endet auch die elterliche Sorge, die Personen- und Vermögenssorge. Und was ändert sich sonst noch?

Geschäftsfähigkeit und das liebe Geld
Wer volljährig ist, ist voll geschäftsfähig. Was soviel bedeutet wie: Fortan darf man selbst Miet-, Kauf- oder Kreditverträge abschließen. Selbstverständlich ist man für die Einhaltung der Verträge ebenfalls voll verantwortlich. Das betrifft z.B.:

· Rechnungen: Ein 18-Jähriger, der etwas bestellt bzw. kauft, muss dies auch selber bezahlen
· Girokonto: Einer Kontoeröffnung bei Sparkasse & Co. steht nichts mehr im Weg
· Sparkonto: Über ein vorhandenes Sparkonto bzw. Jugendsparheft einer Bank, das bereits auf den Namen der/s Volljährigen läuft, geht nun auch in seinen bzw. ihren Besitz über
· Unterhaltszahlungen (Alimente), die zwischen getrennt bzw. geschiedenen Elternteilen für das gemeinsame Kind fließen, können sich über 18-Jährige auf das eigene Konto auszahlen lassen. Denn Eltern sind selbst ihren volljährigen Kindern gegenüber noch unterhaltspflichtig, wenn diese eine Schule oder Berufsausbildung absolvieren, studieren, arbeitslos oder behindert sind, sodass sie ihren Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten können. Dieses Geld muss jedoch auch versteuert werden! Vorsicht: Wer noch im Hotel Mama lebt, muss nun auch einen Beitrag für Kost und Logis zahlen
· Das Kindergeld, das Eltern vom Staat erhalten, endet i.d.R. mit der Volljährigkeit. Es sei denn, es gelten die selben Voraussetzungen wie bereits beschrieben bei den Unterhaltszahlungen, dann wird das Kindergeld noch bis zum 27. Lebensjahr weitergezahlt
· Stipendien & Renten: Auch diese Gelder können fortan aufs eigene Konto fließen, müssen jedoch auch versteuert werden!

Steuern
Ja, auch der Staat hält sofort die Hand auf, sobald man volljährig ist. Bereits für das Jahr, in dem man 18 wird, muss man Steuern zahlen - und zwar für das ganze Jahr, auch wenn man erst im Oktober Geburtstag hat. Doch keine Angst, wer noch keinerlei Einnahmen hat, der wird auch noch nicht geschröpft werden können.

ImageDer eigenen Wohnung...
...steht nun nichts mehr im Wege! Mit 18 darf jeder selbst entscheiden, ob er von zu Hause auszieht - und natürlich auch wohin! Selbstverständlich kommen dann jedoch auch Ausgaben wie z.B. Miete, Strom, Telefon usw. auf einen zu.

Jugendschutzgesetz (JuSchG) & Jugendarbeitsschutzgesetz (JarbSchG)
Für Volljährige gilt nicht mehr länger das JuSchG. Man darf nun unbegrenzt nachts ausgehen, Alkohol kaufen und trinken, Filme, Games, Videos & Co., die bislang eine Altersbeschränkung hatten, kaufen, sehen oder ausleihen.
Egal ob Ausbildung oder Arbeitsstelle, wer volljährig ist, kann/darf nun mehr als 40 Arbeitsstunden die Woche arbeiten. Ebenfalls sind Akkord-, Schicht- sowie Wochenendarbeit erlaubt.

Strafmündigkeit & Schadensersatzpflicht
Als Volljähriger ist man voll strafmündig. Man könnte nun als Erwachsener verurteilt werden. Allerdings gilt man vor Gericht noch bis zum 21. Lebensjahr als Heranwachsender, was wiederum bedeutet dass je nach Art und Schwere der Straftat entschieden werden kann, ob das Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht angewendet wird.
Wer 18 ist und einen Schaden verursacht - egal ob versehentlich oder absichtlich, muss dafür gerade stehen und kann zivilrechtlich belangt werden.

Wahlrecht
Der politischen Karriere steht mit dem Erreichen der Volljährigkeit nichts mehr im Wege. Man kann z.B. für den Stadtrat, Landtag oder Bundestag kandidieren. Selbstverständlich startet auch das passive Wahlrecht, und man hat nun eine politische Stimme und kann seine Partei und/oder seinen Kandidaten wählen.

Wehrpflicht- oder Zivildienst
Alle männlichen deutschen Staatsangehörigen über 18 Jahre unterliegen der Wehrpflicht. Ein Grundwehrdienst bei der Bundeswehr oder alternativ der Zivildienst in einer sozialen Einrichtung muss abgeleistet werden. Da in den letzten Jahren der Bedarf an Rekruten stark zurückgegangen ist, ist noch lange nicht gesagt, dass man eine Einberufung wirklich erhält.

ImageFührerschein
Seit 2004 kann man inzwischen bundesweit den Pkw-Führerschein bereits mit 17 Jahren erwerben, Autofahren ohne Begleitung eines Erwachsenen geht jedoch nach wie vor erst mit dem Erreichen der Volljährigkeit. Auch den Motorradführerschein (Klasse A) kann man nun mit 18 Jahren absolvieren.

Heiraten & Sorgerecht
Den Bund fürs Leben können zwei Liebende mit mindestens 18 Jahren ohne Zustimmung der Eltern abschließen!
Werdende Mütter, die ihre Volljährigkeit erreicht haben, haben das alleinige Sorgerecht für ihr künftiges Kind. Allerdings können unverheiratete Paare beim Jugendamt ihres Kreises das gemeinsame Sorgerecht beantragen.

Riesen-Thema Versicherungen
Erst einmal keine Panik! Wer zwar volljährig, aber weiterhin zuhause wohnt oder in einer Ausbildung - inklusive Wehr- oder Zivildienst - steckt, könnte durchaus noch bei seinen Eltern mitversichert bleiben. Das betrifft vor allem die Haftpflicht-, Rechtsschutz- und Hausratversicherung, aber auch die Krankenversicherung. Natürlich dürfen sie in dieser Zeit kein eigenes Einkommen haben; das gilt auch für Studenten mit Nebenjobs! Bafög oder Lehrlingsgehalt spielen dagegen keine Rolle. Das sollte jedoch unbedingt mit den entsprechenden Versicherungen abgeklärt werden! Wer nicht mehr zuhause lebt und/oder Einkünfte hat, muss sich um entsprechende eigene Policen kümmern. Außerdem könnten noch folgende Versicherungen vonnöten werden:

· Pkw-Versicherung: Wer sein eigenes Auto hat, muss es auf jeden Fall auch versichern. Dazu zählt eine Pkw-Haftpflicht- als auch eine Kaskoversicherung
· Private Unfallversicherung: Gerade junge Leute sind i.d.R. risikobereiter und dementsprechend unfallgefährdeter. Mode-Sportarten erhöhen das Risiko einer Verletzung. Da eine gesetzliche Unfallversicherung nur aktiv wird, wenn sich bei Arbeitnehmern der Unfall am Arbeitsort oder auf dem Arbeitsweg ereignet, ist man mit dem Abschluss einer privaten Unfallversicherung, die auch in der Freizeit oder im Urlaub greift, gut beraten
· Gerade Berufsanfänger sollten das Abschließen einer Berufsunfähigkeitsversicherung ernsthaft in Betracht ziehen. Sie sichert ein bestimmtes Einkommen infolge einer Krankheit oder eines Unfalls
· Außerordentlich wichtig ist es zudem, seine Vermögensbildung genauestens unter die Lupe zu nehmen. Wer früh anfängt, kann mit geringen Beiträgen über einen langen Zeitraum bis zum Rentenbeginn eine schöne Summe ansparen und somit der sehr wahrscheinlich künftig unzureichenden Rente entgegenwirken. Evtl. kann die Vermögensbildung auch schon früher von Nutzen sein. Geld anzusparen kann man auf vielfältige Weise. Eine oder zwei seriöse Vermögensberater sollten unbedingt empfangen werden...

Fotos: 1. Hartmut910, 2. Tina, 3. adel - alle Pixelio