Mama hat einen neuen Freund

Wenn die Mutter einen neuen Freund hat, reagieren viel Kinder zunächst eifersüchtig. Sie glauben, dass der Neue den Platz vom vielgeliebten Papa einnehmen will, oder dass sie nun die Liebe der Mutter teilen müssen. Geduld und Gespräche sind angesagt - und viel Rücksicht!

Eine Single-Mutter hat das Recht auf einen neuen Partner. Das sehen alle ein - häufig nur nicht das eigene Kind. Wichtigste Regel: "Erst wenn beide sicher sind, dass sie zusammengehören, sollte das Kind von der Beziehung erfahren", rät Margarethe Schindler, Psycho- und Familientherapeutin aus Tübingen im Apothekenmagazin "BABY und Familie". Nicht selten bleiben Kinder lange reserviert und ablehnend, bevor sie sich allmählich mit der neuen Familiensituation anfreunden können. Das ist ganz normal. Um das Kennen lernen etwas lockerer zu gestalten, macht es Sinn, gemeinsam etwas zu unternehmen, was allen Beteiligten Spaß macht. Das kann ein Zoobesuch oder ein Bummel über die Kirmes, aber auch ein schönes Essen oder ein fröhlicher Spieleabend sein.

Extreme Nähe vor dem Kind vermeiden
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Bevor sich der Partner fest eingliedert und gar in die Wohnung einzieht, sollten sich alle gut kennen. Auch auf ein Übernachten sollte in der Kennlernphase lieber verzichtet werden. Für ein Kind, das sich an die neue Situation bzw. an den neuen Mann erst gewöhnen soll, wäre dies am Anfang ein bisschen zu viel. Etwaige Ängste oder Befürchtungen des Kindes, die während dieser Phase entstehen, sollte man unbedingt klären - und zwar in aller Ruhe. "Hilfreich ist es, wenn Mutter und Freund vor dem Kind erst mal keine extreme Nähe zeigen, um Eifersucht zu vermeiden", so Schindler. Der Freund dürfe sich nicht anbiedern, "das nutzen die Kinder sonst aus. Viel wichtiger: Interesse und Verständnis zeigen."

Wer darf erziehen?

Eines der heikelsten Probleme ist, ob der neue Partner auch miterziehen darf. Zumindest anfangs sollte sich ein neuer Partner in Erziehungsfragen zurückhalten. Denn erst wenn man eine Beziehung zu einem Kind aufgebaut hat, lässt es sich auch erziehen. Mischt der Mann sich ein, obwohl er nicht integriert ist, käme vom Kind garantiert der Satz: "Du hast mir nichts zu sagen." Je näher sich Mann und Kind jedoch kommen, umso eher werden auch Verbote & Co. vom Kind akzeptiert, wenn der neue Partner diese ausspricht. Doch das kann manchmal dauern.


ImageDie Vaterrolle ist bereits vergeben!

Besonders empfindlich reagiert ein Kind, wenn es das Gefühl hat, dass der neue Partner versucht, die Vaterrolle zu übernehmen. Das kann und wird nicht möglich sein. Der leibliche Vater wird im Leben eines Kindes immer eine wichtige Rolle spielen. Außerdem wäre es höchst schmerzhaft, wenn dem Kind oder dem Vater der Kontakt und somit eine Beziehung zueinander untersagt wird. Oft hilft es, wenn das Kind vor dem neuen Freund etwas über den Vater erzählt und/oder das der neue Freund persönlich dem Kind klarmacht, dass er ihm nicht den Vater streitig machen möchte. Wenn das Verhältnis zum leiblichen Vater gut ist, kann auch er mit dem Kind über die Vorbehalte gegen seinen "Nachfolger" sprechen. Auch die Oma oder eine andere Bezugsperson kann ein klärendes Gespräch mit dem Kind führen.

Gespräche und Geduld sind wichtig

Einige Kinder boykottieren regelrecht einen neuen Mann an der Seite ihrer Mutter. Eine solche Situation ist sicherlich schwierig, aber noch nicht das Aus für die Beziehung. Zeit und Geduld sind dann unerlässlich - auch von Seiten des neuen Partners, der vermutlich auch mit Eifersucht zu kämpfen hat. Intensive Gespräche - sowohl mit dem Kind als auch mit dem Partner - können helfen, die Situation zu entkrampfen und etwaige Ängste abzubauen. Diese sollten jedoch unbedingt ernst genommen werden. Als Mutter ist es Ihre Aufgabe, dem Kind klarzumachen, wie wichtig es für Sie ist und wie viel Liebe und Geborgenheit Sie ihm geben. Daran ändert auch der neue Partner nicht, der ggf. als Konkurrent vom Kind angesehen wird. Solche Liebesbestätigungen sollten durchaus auch vor Ihrem Freund stattfinden. Niemals sollten Sie Ihr Kind unter Druck setzen, das geht dann nach hinten los, denn Sympathie oder Akzeptanz kann nicht erzwungen werden.

Quellen und Bildrechte:

  • Quelle: u.a. Apothekenmagazin "BABY und Familie"
  • Fotos: 1. Pixabay, 2. Nicole Celik, 3. Carsten Grunwald - beide www.Pixelio.de

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