Der richtige Umgang mit dem kleinen Trotzkopf

Ihr Kind schreit und tobt, wirft sich auf den Boden und lässt sich nicht beruhigen? Doch dann ist plötzlich wieder alles gut und es scheint fast so, als wäre nichts gewesen? Herzlichen Glückwunsch, Ihr Kind macht den nächsten Entwicklungsschritt: Die Trotzphase hat begonnen...

Ungefähr ab einem Alter von zwei Jahren verändert sich das Selbstempfinden eines Kindes. Es spricht dann nicht mehr von sich in der dritten Person, sondern es wird zunehmend die Wörtchen „ich“, „mich“, „mir“ oder „mein“ verwenden. Es beginnt also, sich als Individuum zu erleben und einen eigenen Willen zu entwickeln. In diesem Zeitraum kommt der Trotz dazu. Die Trotzphase ist daher eigentlich ein positiver Entwicklungsschritt, auch wenn nun für die Eltern so manch schwierige Situation entsteht. Zum Glück dauert diese Phase nicht ewig. Das Kind baut etwa ab dem dritten Lebensjahr eine immer höhere Frustrationstoleranz auf. Es lernt z.B. sich zu gedulden und erkennt Zusammenhänge, akzeptiert auch allmählich, wenn seine Wünsche nicht sofort befriedigt werden und kann dann auch alleine einen Wutanfall beenden. Dann wird es verbal und aktiv versuchen, seinen Willen durchzusetzen. Und auch diese Phase ist nicht immer leicht – sorry, liebe Eltern, da müssen ALLE durch.

Doch zurück zu unserem kleinen Trotzkopf. Es gibt einige Situationen, die ein trotziges Verhalten schnell mal aktivieren. Kennen Sie z.B. diese? Die zweijährige Anna zieht sich z.T. schon alleine an, natürlich dauert das häufig etwas länger. Die Mama ist sehr stolz auf Anna, doch nun drängt die Zeit, denn ein Arzttermin wartet. Schnell greift Mama ein und schon geht das Theater los… Für das Kind spielt Zeit noch keine Rolle, denn es hat einfach kein Zeitgefühl. Es weiß noch nicht, was Pünktlichkeit bedeutet oder kennt sich mit Terminen aus, die eingehalten werden müssen. Dabei will es doch nur zeigen, wie toll es alleine schon etwas kann. Die Mutter hätte besser das Kind auf den Termin vorbereiten bzw. neugierig machen sollen. Dann wäre es abgelenkt gewesen und hätte sich vermutlich auch mal helfen lassen.

Man kann also bereits im Vorfelde schon häufig Trotzanfälle vermeiden, was für das Nervenkostüm äußerst gut ist. Die Herausforderung ist aber, wie man sich verhält, wenn sie dann doch mal auftreten. Denn damit steht und fällt das spätere Verhalten des Kindes, wenn es älter ist. Wer jetzt mit den Trotzanfällen nicht gut klarkommt, kann sich ein Kind ohne Selbstvertrauen und mit Gewaltpotenzial heranzüchten. Daher ist es empfehlenswert folgende Tipps und Strategien zu befolgen:

Bestrafungen sollte man unterlassen. Sie verursachen nur weitere Gefühle der Enttäuschung oder gar Angst. Das Geschrei und das Toben, das in dem frühen Alter noch nicht absichtlich und gezielt geschieht, könnten sich nur noch weiter verstärken. Außerdem rücken die Trotzanfälle dadurch auch in den Mittelpunkt. Einige Kinder würden sich zwar ggf. dadurch Ihrem Willen anpassen, wären dann aber weit entfernt davon, sich zu einem selbstbewussten und selbstsicheren Kind zu entwickeln.

Trotzreaktionen nicht persönlich nehmen. Bleiben Sie gelassen, der Anfall ist zeitlich begrenzt. Und außerdem müssen noch nicht einmal Sie unbedingt der Auslöser sein. Häufig ist es auch nur die eigene Überforderung, mit der das Kind nicht klarkommt.

Schläge sind absolut tabu. Ein Trotzanfall verlangt manchmal sehr viel Selbstbeherrschung von der Mutter oder vom Vater. Bevor Ihnen jedoch die Hand ausrutscht, bitte unbedingt bis zehn zählen, tief durchatmen oder sogar kurz aus der Reichweite des Kindes gehen. Vielleicht hilft auch mal ein eigenes Aufstampfen. Wichtig ist, dass sich die Emotionen nicht direkt gegen das Kind richten. Schläge verschlimmern alles viel, viel mehr.

Trotzanfälle nicht unterbrechen. Das Kind schreit wie am Spieß und wirft sich auf den Boden. Natürlich gerne auch im Supermarkt. Schon erlebt? Zugegeben, keine leichte Situation. Ein Fehler wäre jedoch, auf das Kind einzureden oder es mit Gewalt hochzuheben und wegzuzerren. Lassen Sie es toben, natürlich so, dass es sich nicht verletzen kann und gehen Sie aus der Reichweite. Warten Sie ab, bis es sich wieder beruhigt. Und das wird es. Vermutlich kommt es dann zu Ihnen. Machen Sie ihm keine Vorwürfe, sondern nehmen Sie es in den Arm. Dann kann man auch wieder miteinander ruhig reden.

Konsequent bleiben, aber Halt geben. Regeln sind wichtig und sollten immer befolgt werden. Sie sollten bei der Einhaltung derselben Konsequenz beweisen. Geschieht dies nicht, verunsichert das nur Ihr Kind. Außerdem wird es immer Forderungen stellen und vermutlich unausgeglichen bleiben. Grenzen geben zudem einen sicheren Rahmen und vermitteln Halt. Und halt braucht Ihr Kind. Übrigens ganz besonders nach einem Trotzanfall.

Nicht zögern und sich Hilfe holen. Sie fühlen sich überfordert und könnten selbst regelmäßig ausrasten? Dann nehmen Sie Hilfe an! Vielleicht möchten Sie zunächst mit einer guten Freundin oder Bekannten sprechen, die selbst schon die Trotzphasen ihrer Kinder hinter sich haben. Und wenn Sie das nicht möchten, wenden Sie sich an eine Erziehungsberatungsstelle oder eine Familienpsychologin. Nehmen Sie sich regelmäßig Auszeiten, um zu entspannen.

Der Ratgeber „Das Trotzkopfalter“ von Doris Heueck-Mauß stand uns für diese Auswahl an Tipps als Quelle zur Seite und wir können ihn wärmstens empfehlen! Er erleichtert es Eltern, die Gefühls- und Fantasiewelt von Kindern bis ca. 6 Jahre und die daraus entstehenden Affekte zu verstehen. Typische Trotzreaktionen und kindliche Aggressionen werden sowohl aus der Sicht der Eltern als auch der Sicht der Kinder beschrieben. Das von der Autorin entwickelte Erziehungs-ABC gibt ideenreiche Antworten auf alle Erziehungsfragen. Jedes Verhalten steht in Wechselwirkung und hat immer einen Anfang oder Auslöser (A). Auf das Verhalten des Kinder (B) folgt eine Reaktion der Eltern (C). Damit die Eltern-Kind-Beziehung möglichst stressfrei verläuft! Die Diplom-Psychologin Doris Heueck-Mauß hilft in ihrer Praxis seit über drei Jahrzehnten Kindern und Eltern bei den täglichen Erziehungskonflikten. Erschienen bei humboldt zum Preis von 9,95 Euro (176 Seiten, Broschur, ISBN 978-3-86910-627-4).

Quellen und Bildrechte:

  • 1. Foto: S. Hofschlaeger / www.pixelio.de
  • Cover/Tipps aus „Das Trotzkopfalter“ (humboldt)