Co-Sleeping oder eigenes Reich: Am Familienbett scheiden sich die Geister

Wenn es um das Familienleben geht, gibt es ein große Vielfalt an Themen, die reichlich Zündstoff für Diskussionen liefern. Vom Stillen über Ernährung an sich bis hin zum Medienkonsum müssen Eltern viele Klippen umschiffen und sich mit so manchem Grundsatzthema kritisch auseinandersetzen. Die Frage nach der richtigen Schlafumgebung für Babys und Kleinkinder gehört zu den kontrovers diskutierten Themen.

Zwischen Co-Sleeping im Familienbett und dem Plädoyer für einen möglichst frühen Umzug des Babys in sein eigenes Reich gibt es eine große Bandbreite an Schlafmodellen. Die meisten Familien betten sich irgendwo in der Mitte und finden so ihren eigenen Schlafrhythmus. Die Diskussionen um das Thema Familienbett bleiben trotzdem aktuell.

Das Familienbett als gemütliches Nest

Mutter und Bany beim BondingVor allem in den ersten Lebensmonaten brauchen Babys Geborgenheit und die Nähe ihrer Eltern. Körperwärme, der Geruch der engsten Bezugspersonen und die gleichmäßigen Atemzüge der Mitschläfer geben Sicherheit. Einige Experten sind sogar der Meinung, dass die Atemgeräusche der Eltern das Risiko des plötzlichen Kindstodes senken können, weil der Atemreflex des Babys so unbewusst angeregt wird.

Auch ältere Kinder lieben es, ganz nah bei Mama und Papa zu schlafen. Die meisten Kinder suchen vor allem in Krisensituationen in der Nacht verstärkt die Nähe ihrer Eltern. Eine Krankheit, schlechte Träume oder eine schwerwiegende Veränderung, die in der Nacht verarbeitet wird, sind typische Gründe dafür, warum Kinder auch im Schulalter nachts noch häufig auf Wanderschaft gehen und ihr Lager bei den Eltern aufschlagen. Die Nähe und Geborgenheit im Familienbett kann dafür sorgen, dass die Nächte für alle ruhiger und schlafintensiver verlaufen.

Unser ausgeprägtes Bedürfnis nach familiärer Nähe ist evolutionsbiologisch begründet. In den Anfängen der Menschheit sicherte allein die Nähe zu seinen Eltern das Überleben des Säuglings. Im Laufe der Evolution hat der Mensch dauerhaft den Schutz der Gemeinschaft gesucht und auch Tiere suchen instinktiv den Schutz der Herde. Das Bedürfnis, vor allem in der Nacht und im schutzlosen Zustand des Schlafens nicht allein zu sein, ist also ein uraltes evolutionäres Erbe, das als genetisches Programm im jedem von uns tief verankert ist.

Eltern kennen die praktischen Seiten, die das Familienbett mit sich bringen kann. Solange Babys noch nicht durchschlafen und auch nachts noch gestillt werden, ist der gemeinsame Schlafplatz praktisch. Wenn stillende Mütter für die nächtlichen Mahlzeiten nicht aufstehen müssen, bedeutet das mehr Schlaf für alle und die Bedürfnisse des Babys können sehr schnell befriedigt werden.

Manche Eltern berichten, dass sie selbst entspannter schlafen, wenn der Nachwuchs ganz nah bei ihnen ist. Wenn sie sicher sein können, auf jedes Geräusch sofort reagieren zu können, wird der Beschützerinstinkt befriedigt und das kann sich auch auf den elterlichen Schlaf positiv auswirken.

Familien, die das Familienbett vor allem als gemütliches Nest begreifen, das allen Schlafenden Geborgenheit und Sicherheit bietet, können viele positive Effekte aus der gemeinsamen Schlafstätte ziehen und so zu einer entspannten Nachtruhe finden.

Wenn Nähe zum Störfaktor wird

Auch zahlreiche kritische Stimmen melden sich zu Wort, wenn es um das Thema Familienbett geht. Vor allem um die Sicherheit des Kindes geht es dabei, denn Experten weisen zu Recht auf das Risiko hin, dass Eltern sich im Tiefschlaf auf das Baby legen oder es mit der Bettdecke ersticken könnten. Eine geschützte Liegeposition für das Kind ist deshalb in der gemeinsamen Schlafstätte besonders wichtig.

Es gibt aber auch andere Gründe, aus denen die familiäre Nähe zum Störfaktor für erholsamen Schlaf werden kann. Wenn beispielsweise ein Elternteil stark schnarcht oder ansonsten einen unruhigen Schlaf hat, dann kann dies die Ruhe der ganzen Familie empfindlich stören. Wenn Kinder unruhig schlafen und sich die ganze Nacht im Bett herumwälzen, machen Eltern meist kein Auge zu. Die wichtige Erholung während des Nachtschlafes fehlt. Das kann schon nach kurzer Zeit zu einer geringeren Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit führen und langfristig sogar krank machen.

Trotz aller Vorteile, die Nähe und Geborgenheit im Familienbett mit sich bringen können, ist es möglich, dass dieses Schlafmodell die nächtliche Ruhe der einzelnen Familienmitglieder stört. In diesem Fall dürfen Familien durchaus die gesunde Entscheidung treffen, die Schlafsituation im Sinne aller Beteiligten zu verändern.

Auch im eigenen Reich gut behütet schlafen

Geborgenheit, Nähe und Sicherheit sind die wichtigsten Argumente, die für das Familienbett sprechen. Das muss aber nicht bedeuten, dass Babys und Kleinkinder, die schon früh in ihr eigenes Reich umziehen, weniger geborgen und gut behütet schlafen. Auch im separaten Kinderzimmer können die Kleinen Geborgenheit spüren und entspannt einschlafen.

Kleines Mädchen schläft mit KuscheltierDafür ist es wichtig, eine gemütliche und sichere Schlafumgebung zu schaffen, in der sich das Kind rundum wohlfühlt. Sanfte Farben, beruhigende Designs und vor allem ein hochwertiges und altersgerechtes Kinderbett sorgen für süße Träume. Das wichtigste Geschenk, das Eltern ihren Kinder zur Nacht machen können, ist aber ein liebevolles Abendritual. Wie dieses Ritual aussieht, hängt ganz davon ab, womit sich alle Familienmitglieder am Abend besonders wohlfühlen und womit sie am besten zur Ruhe kommen. Kuscheln gehört natürlich zu einem liebevollen Abendritual ebenso dazu wie die Gute-Nacht-Geschichte. Es gibt zauberhafte Bücher rund ums Schlafen, die Kinder in jedem Alter sanft in die Nacht begleiten und ihnen schöne Träume bescheren.

Damit Eltern Babys Schlaf auch aus dem Nebenzimmer heraus bewachen können, ist ein Babyphone ein guter Begleiter durch die ersten Jahre. Es gibt verschiedene Modelle, die eine rein akustische Überwachung oder eine zusätzliche Bildübertragung aus dem Kinderzimmer ermöglichen. Wichtig ist dabei, sich für ein qualitativ hochwertiges Produkt zu entscheiden, das eine zuverlässige und störungsfreie Überwachung ermöglicht.

Je nach Schlaftyp kann es für Kind und Eltern auch angenehm sein, die Türen zu den jeweiligen Schlafzimmern in der Nacht geöffnet zu lassen. Liegt das Elternschlafzimmer nicht zu weit vom Kinderzimmer entfernt, kann zusätzlich das Gefühl von Nähe und Sicherheit entstehen, wenn neben dem Babyphone auch direkt Geräusche aus dem Nebenzimmer wahrzunehmen sind. Auch viele Kinder tun sich mit dem Einschlafen leichter, wenn sie durch die geöffnete Zimmertür noch leise Geräusche aus dem Wohnzimmer hören oder sanfte Beleuchtung sehen können. So entsteht das Gefühl, nicht allein zu sein und beruhigt einschlafen zu können.

Co-Sleeping heißt nicht gleich Familienbett

In den Diskussionen um die richtige Schlafkonstellation für Familien wird das Familienbett häufig synonym verwendet zum Begriff des Co-Sleepings. Das ist nicht ganz richtig, denn für das gemeinsame Schlafen in einem Bett kennen Experten einen anderen Fachbegriff: Das Bedsharing.

Unter Co-Sleeping ist eine größere Bandbreite an Schlafkonzepten zu verstehen. Der Begriff beschreibt lediglich, dass Eltern und Kinder gemeinsam in einem Raum schlafen. Dabei müssen sie sich nicht zwingend ein Bett teilen. Auch das Beistellbett fürs Baby, das direkt an das elterliche Bett angegliedert werden kann, trotzdem aber allen Familienmitgliedern einen eigenen Schlafplatz ermöglicht, gehört zum Co-Sleeping. Dasselbe gilt für ein separates Babybett oder ein Kinderbett, die ihren festen Platz im Schlafzimmer der Eltern haben.

Viele Schlafkonstellationen im Rahmen des Co-Sleepings machen die Vorteile des gemeinsamen Schlafens spürbar, ohne dass Eltern gleich ihre eigene Schlafstätte aufgeben müssen. Nächtliche Nähe lässt sich auch schenken, ohne sich eine Matratze teilen zu müssen. Die Grauzone zwischen dem Familienbett und dem separaten Kinderzimmer bietet also durchaus vielfältige Schlafmöglichkeiten, mit denen Familien es sich ganz nach ihren individuellen Bedürfnissen gemütlich machen dürfen.

Quellen und Bildrechte:

  • Abbildung 1: @ smpratt90 (CCO-Lizenz), Abbildung 2: @ angel4leon (CCO-Lizenz), Abbildung 3: @ ddimitrova (CCO-Lizenz), alle www.pixabay.com

Ähnliche oder weiterführende Artikel