Jugendliche und der Hang zu Alkohol

Zwölf- bis Dreizehnjährige betrinken sich auf Partys, Vierzehnjährige schmieden Pläne, wie sie Alkohol auf die Klassenreise schmuggeln, sogar Elfjährige haben schon mal einen Schluck genommen - eine Entwicklung mit schlimmen Folgen. Was kann man dagegen tun?

Bereits rund 10 Prozent der Alkoholabhängigen sind Kinder und Jugendliche, wobei das Durchschnittsalter jugendlicher Alkoholiker zunehmend sinkt. 26.349 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 10 und 20 Jahren mussten 2011 wegen eines akuten Alkoholmissbrauchs stationär behandelt werden (1). Die registrierten Fälle in dieser Altersgruppe, die wegen einer psychischen Störung durch Alkohol oder wegen der toxischen Wirkung von Alkohol behandelt werden, mussten, stiegen in den letzten Jahren deutlich.

Als eine der Ursachen für den Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen gilt der frühe Kontakt mit Alkohol. Die legale und gesellschaftlich akzeptierte Droge Alkohol macht auch vor den Kindern nicht halt: Über 50 Prozent der elfjährigen Kinder in Europa haben schon mindestens einmal Alkohol getrunken. Laut Weltgesundheitsorganisation ist Europa weltweit die Region mit den meisten Alkoholproblemen bei Jugendlichen.

ImageDanach trinken bereits im Alter von 15 Jahren 18 Prozent der Mädchen und 25 Prozent der Jungen regelmäßig mindestens einmal pro Woche Alkohol. Wie kommt es dazu?
Kinder werden frühzeitig an den Geschmack von Alkohol gewöhnt: In vielen Süßigkeiten und Lebensmitteln, die sogar ausdrücklich für diese Altersgruppe angepriesen werden, ist Alkohol enthalten. So wird frühzeitig der alkoholische Geschmack antrainiert, denn normalerweise stößt dieser Geschmack eher ab. Besonders gefährlich: Alcopops. In Deutschland greifen nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits 14,7 Prozent der 15jährigen zu den Fertig-Cocktails. Mit jeder Flasche nehmen sie etwa zwei Schnäpse zu sich.

Eltern können viel dazu beitragen, ihr Kind vom Alkohol fernzuhalten. Ihnen sollte dabei aber bewusst sein, dass Verbote gerade bei Jugendlichen zu Trotzreaktionen führen und deshalb nicht unbedingt die geeigneten Maßnahmen sind.

Statt dessen sollten sie die Kinder schon möglichst früh über die Gefahr von Alkohol aufklären. Genau wie bei der Warnung vor illegalen Drogen sollten sie die Kinder informieren, wie schnell man in die Abhängigkeit abrutschen kann, wie Alkohol zu aggressiven und unkontrollierten Handlungen mit verheerenden Folgen führen kann, welche Folgeerkrankungen es gibt usw.
Hier können Sie sich darüber informieren: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.


Was kann ich tun, damit mein Kind nicht zu Alkohol und Drogen greift?

Nehmen Sie sich Zeit für Ihr Kind und besprechen Sie aktuelle Probleme im Familienkreis.

Gehen Sie mit gutem Vorbild voran und schränken Sie Ihren eigenen Alkoholkonsum ein (gilt auch für Zigaretten).

Hören Sie Ihrem Kind immer zu. Zeigen Sie, dass Sie Verständnis für Sorgen und Probleme haben. Schaffen Sie eine Vertrauensbasis. Auch Nebensächlichkeiten können für das Kind oder den Jugendlichen sehr wichtig sein.

Unternehmen Sie etwas gemeinsam, führen Sie Familienrituale, wie zum Beispiel ein schönes Sonntagsfrühstück ein.

Geben Sie den Kindern geistige Anregungen, machen Sie beispielsweise Spielnachmittage oder gemeinsame Ausflüge, an denen die Kinder auch Spaß haben.

Nehmen Sie den Kindern nicht alle Aufgaben ab. Lassen Sie die Kinder altersgerecht Verantwortungen und Pflichten übernehmen.

Kinder und Jugendliche müssen eigene Erfahrungen sammeln. Dazu gehören auch Trauer, Wut und Enttäuschung. Lassen Sie die Kinder Probleme auch selber lösen.

Gibt man den Kindern zu viele Freiheiten, zuwenig Beachtung und Interesse, so fühlen sie sich leicht vernachlässigt. Auch das Gegenteil wirkt sich negativ aus. Zuviel "Glasglocke" oder zuviel Strenge gibt Kindern und Jugendlichen zu wenig Möglichkeiten, sich frei zu entfalten. Das gesunde Mittelmaß ist ideal - wenn auch nicht einfach zu finden.

Foto 1: Marcus Brauer, Foto 2: Sarah Bade, Pixelio.de

Quellen und Bildrechte:

  • 1: Statistisches Bundesamt