Der erste Freund? Mama & Papa bleibt cool!

Der erste Freund, die erste Freundin. Kein Sandkasten-Gebussel steht auf der Tagesordnung, sondern ernsthaftes Geknutsche. Nicht nur für die Teenager ist dies eine aufregende Zeit, auch die Eltern sind meist völlig aus dem Häuschen. Doch gerade die müssen nun cool bleiben...

Irgendwann ist es bei jedem "Kind" soweit: Die erste richtige Liebe tritt in ihr oder sein Leben. Jetzt wird telefoniert, was das Zeug hält - sehr zum Verdruss der Eltern, die nun ernsthaft über zwei Telefonnummern nachdenken. Auf einmal läuft man ständig einem jungen Mann in den eigenen vier Wänden über den Weg, der bislang nicht zur Familie gehörte, und was hinter der verschlossenen Kinderzimmertür so vor sich geht, können manche Eltern nur erahnen bzw. befürchten. Doch ist das wirklich schlimm? Natürlich nicht, der erste Freund/die erste Freundin gehört zu einer normalen Entwicklung des Jugendlichen eindeutig dazu. Wie man allerdings mit dieser Tatsache als Elternteil umgeht, ist eine ganz andere Sache.

Neugierde im Zaum halten
Zunächst einmal sollten Sie sich folgende Frage stellen: Möchten Sie weiterhin einen guten Draht und ein Vertrauensverhältnis zu Ihrem Kind aufrechterhalten? Sicherlich schon, dann ist nun Taktgefühl gefragt, denn das Thema sorgt häufig für typische Konflikte zwischen Eltern und ihren Kindern. Haben Sie immer ein offenes Ohr, aber erwarten Sie nicht, dass sich Ihr Kind Ihnen anvertraut. Denn meistens sprechen Jugendliche lieber mit der besten Freundin über die erste große Liebe. Penetrantes Nachhaken bzw. Ausfragen sollten Sie vermeiden, denn dann kann es durchaus passieren, dass die ansonsten durchaus gesprächige Tochter plötzlich komplett den Mund hält. Dennoch sollten Sie versuchen, Ihrem Kind das Gefühl zu geben, dass es einem nicht egal ist, was es tut. Also: Kein Drängen, kein Einmischen, kein Ausfragen, aber ein offenes Ohr, ein guter Rat - nur wenn gewünscht - und das Respektieren der Privatsphäre (also bitte nicht ohne zu klopfen das Zimmer stürmen)!

Ein Kennenlernen kann helfen
Liebt das Mädel meinen Sohn oder nutzt sie ihn nur aus, fragt sich die Mutter. Wer will meiner Tochter an die Wäsche, fragt sich dagegen der Vater. Eine Menge Fragen entstehen, wenn das Kind, das laut den Eltern quasi erst aus dem Kindergarten gekommen ist, auf einmal einen Freund oder eine Freundin hat. Das ist verständlich. Daher kann es helfen, wenn man den oder die Unbekannte/n kennenlernt. Nun bitte nicht drängen oder hölzern zum offiziellen Termin bitten. Da erwartet der Gute, dass er gleich um die Hand der Tochter anhalten muss. Ein Kennenlernen im lockeren Rahmen nimmt die Nervösität - sowohl bei den Eltern als auch bei dem frisch verliebten Paar. Denn wenn der Partner sich willkommen fühlt und bei Ihnen zuhause gerne ein- und ausgeht, haben die Eltern die Beziehung am besten im Blick und nichts muss heimlich geschehen. Und bitte immer schön nett und höflich bleiben, aber nicht zum Kumpel mutieren. Denn der erste Freund bedeutet häufig nicht, dass es gleich der Mann für den Rest des Lebens Ihrer Tochter ist. Gerade im Teenageralter kann so eine Beziehung schneller aus sein als gedacht. Und dann steht bald darauf der nächste Kandidat auf der Matte, dem Ihre Tochter ihr Herz schenkt...

Heikles Thema: erster Sex
Zum ersten Freund gehört nicht automatisch erster Sex. Doch irgendwann passiert es, ob Sie als Eltern das gut finden oder nicht. Sie können sich aussuchen, ob Ihre Tochter ihr erstes Erlebnis irgendwo in einem Auto oder auf einer Party hat, da bei ihr zuhause ihr Freund nicht übernachten darf oder ob sie ein durchaus romantisches Erlebnis an einem Ort hat, wo sie sich sicher und geborgen fühlt. Das erste Mal ist etwas ganz Besonderes und sollte natürlich mit einem Partner passieren, den Ihr Kind liebt. Das Wichtigste sollte aber kein Thema mehr sein, was erst noch durchdiskutiert werden muss, wenn der erste Freund auftaucht: die Verhütung! Damit ein Kind eine unbefangene und natürliche Einstellung zur Sexualität entwickelt, sollte rechtzeitig mit der Aufklärung - natürlich altersentsprechend - begonnen werden. Und spätestens wenn sich der kindliche Hormonhaushalt mit 11 bis 13 Jahren verändert und die Pubertät beginnt, sollten sich Kinder ihrer geschlechtlichen Identität bewusst sein und eine sexuelle Aufklärung bekommen. Auch das Thema AIDS und wie man sich vor möglichen Geschlechtskrankheiten schützen kann, müssen schon einem Teenager geläufig sein.

Die rechtliche Seite...
Laut dem Jugendschutzgesetz in Deutschland gibt es für Sex eine "Schutzaltersgrenze". Die liegt beim 14. Lebensjahr. Wenn also einer der Partner unter 14 Jahren alt ist, während der/die andere gerade 14 oder älter ist, ist Sex verboten. Die Eltern des unter 14-jährigen Partners könnten Strafanzeige erstatten. Vorausgesetzt die Beziehung verläuft beiderseits auf freiwilliger Basis gilt hier jedoch: Wo kein Kläger, da kein Richter. Anders schaut es dagegen aus, wenn sexuelle Handlungen Volljähriger an Kindern unter 14 Jahren erfolgen. Dies gilt als Missbrauch und wird mit Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren geahndet. Straffrei bleibt dagegen der einvernehmliche Sex unter Minderjährigen ab 14 Jahren. Doch auch hier gibt es eine Ausnahme: Wenn ein Partner der Schutzbefohlene des anderen ist, z.B. Schüler (14 J.) & Freizeitbetreuer (17 J.). Sollte diese Konstellation bei den beiden Frischverliebten bestehen, kann ein Gespräch und anschließende Konsequenzen (z.B. die 14-Jährige verlässt die Gruppe usw.) helfen...

Trotz allem können Probleme auftreten
Ihr Kind fühlt sich erwachsen und möchte auch so behandelt werden. Wenn Sie ihm dieses Recht gewähren, können Sie jedoch auch erwarten, dass es sich erwachsen verhält. Das bedeutet, dass bestimmte Regeln eingehalten werden müssen. So sollten unter der frischen Liebe z.B. nicht die Schule als auch das soziale Umfeld leiden. Nachdem die Hausaufgaben erledigt und die üblichen Pflichten in der Familie abgehakt sind, ist immer noch Zeit für den Freund da. Schwierig wird es, wenn Sie erkennen, dass der Freund einen schlechten Einfluss auf Ihr Kind hat und es sogar droht, auf die schiefe Bahn zu geraten. Es ist wichtig, dass man in so einem Fall offen miteinander spricht, seine Sorgen kundtut und das Kind für mögliche schlechte Einflüsse sensibilisiert. Vorsicht: Wer hier zu emotional wird, droht, verbietet oder schreit, erzielt häufig einen gegenteiligen Effekt. Wer sich gar nicht mehr zu helfen weiß, kann sich an die örtlichen Erziehungs- und Familienberatungsstellen oder im Internet an die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung e.V. wenden. Hier gibt es eine kostenlose und streng vertrauliche Beratung von ausgebildeten und erfahrenen Fachkräften. Dieses Angebot richtet sich übrigens an Eltern und Jugendliche! Und wer eigentlich keinen Grund zur Sorge hat, sich aber dennoch verrückt macht, sollte einmal kurz innehalten und an seine eigene erste Liebe zurückzudenken. Wie verhielten sich damals Ihre Eltern? Gab es Konflikte oder eine harmonische Basis?

Und zuletzt noch ein gut gemeinter Ratschlag der Redaktion: Die erste Liebe ist für jeden etwas ganz Besonderes, an dass sich die meisten noch sehr viele Jahre später äußerst gerne zurückerinnern. Ermöglichen Sie dies auch Ihren Kindern...


Fotos: 1. Oliver Thaler / pixelio.de, 2. Paulwip / pixelio.de