Eifersucht unter Geschwistern

Für ein Kind kann es manchmal sehr schwierig sein, die Liebe der Eltern teilen zu müssen. Gerade wenn ein Geschwisterchen auf die Welt kommt, ist dies aber notwendig. Wie erkennen Eltern, dass ihr Kind eifersüchtig ist? Und was können sie dagegen tun?

Wenn ein Kind bislang im Mittelpunkt der Familie stand, ist es eine große Umstellung, wenn auf einmal Konkurrenz in Form eines neuen Geschwisterchen da ist. Wer Angst hat, die Liebe eines Menschen zu verlieren, reagiert mit Eifersucht. Der neue Bruder oder die neue Schwester werden dann zu einer Bedrohung. Doch wie erkennen die Eltern die Hilferufe der/s Erstgeborenen. Es gibt verschiedene Signale:

* Das Kind greift den vermeintlichen Rivalen offen an: Da kann dann schnell mal der kleine Bruder gekniffen oder gebissen werden.
* Doch der Zorn kann sich auch gegen die Person richten, deren Liebe es zu verlieren glaubt: Das sonst so liebenswerte kleine Geschöpf wird dann auch einmal zickig, gehorcht gar nicht mehr oder fängt sogar an zu schlagen.
* Eine weitere Möglichkeit ist die völlige Ignoranz der neuen Konkurrenz. Welches Geschwisterchen? "Ich habe keine Schwester!"
* Ganz typisch ist es aber auch, wenn das Kind in frühere Entwicklungsstufen zurückfällt: Es nässt wieder ein, obwohl es schon trocken war. Es will wieder einen Schnuller haben oder mit im Elternbett schlafen.

Eifersucht befällt häufig Kinder zwischen dem 18. Lebensmonat und dem dritten Lebensjahr, denn in diesem Abschnitt hat das Kind noch eine enge Bindung an seine Bezugsperson - meistens die Mutter, aber nicht zwingend - und ist noch nicht zu offen für andere Personen. Dann fällt auch häufig eine Fremdbetreuung oder der Kindergartenstart sehr schwer.

Eifersucht kann besänftigt werden
Wenn es klar ist, dass ein Kind eifersüchtig ist, benötigt es nun besonders viel Zuwendung. Die Eltern sollten ihm, unabhängig von seinem Verhalten und seinen Leistungen, immer wieder mal sagen, dass sie es lieb haben. Besondere Fähigkeiten dürfen natürlich auch besonders gewürdigt und gelobt werden. Ein eifersüchtiges Kind benötigt Extrazeit. Wenn also der jüngste Nachwuchs schläft, gehört dem Älteren die Aufmerksamkeit. Außerdem sollte es immer wieder mal Gelegenheiten geben, wo nur mit dem einen Kind etwas unternommen wird, z.B. ins Kino gehen, Eis essen oder Fußball spielen. Auch in jungen Jahren kann bzw. sollte schon viel miteinander gesprochen werden. Das Kind merkt dann, dass es und seine Gründe für die Eifersucht ernst genommen werden. Außerdem sollte man darauf achten, dass man das ältere Kind z.B. beim Wickeln, Pflegen oder Füttern des jüngsten Familienmitglieds mit einbezieht - natürlich ohne, es auszunutzen. Und auch hier kann Lob niemals schaden. Übrigens: Das Schlimmste, was Eltern tun können, ist ihre Sprösslinge miteinander zu vergleichen. Denn jedes Kind ist anders, und solche Vergleiche sind unglaublich verletzend...

Quelle: "Das Erziehungs-ABC von Angst bis Zorn" von Petra Stamer-Brandt & Monika Murphy-Witt. Erschienen bei Gräfe und Unzer zum Preis von 12,90 Euro (128 Seiten, ISBN: 978-3-8338-1661-1)

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