Erziehung: Fünf ganz legale Eltern-Tricks

Bilden sich bei Ihnen sofort Schweißperlen auf der Stirn, sobald das Thema Erziehung aufkommt? Sind Sie sogar in Versuchung, die Super-Nanny anzurufen? Sparen Sie sich das: "Die Eltern-Trickkiste" von Autorin Ute Glaser hat Antworten auf viele Erziehungsfragen...

Früher, als Familien noch enger zusammenlebten, war es ganz normal, dass Erziehungstipps und -tricks von den Älteren an die Jüngeren weitergegeben wurden oder man vieles einfach abgucken konnte. Doch heute befinden sich junge Eltern häufig in einer ihnen völlig unbekannten Lebenssituation, allein auf sich gestellt, unsicher, bisweilen überfordert. Das Fernsehen zeigt es ja auch: Es scheint, als wenn nur noch die Super-Nannys die kleinen Tyrannen bändigen können. Trotzig? Ab auf die stille Treppe!

Natürlich kostet das Großziehen eines Kindes schon mal Nerven. Eltern müssen Lösungen für viele Situationen selbst finden. Zur Seite stehen ihnen eine Reihe etlicher Erziehungsratgeber, doch häufig schlägt jeder etwas anderes vor. Nicht selten nerven die gutgemeinten Ratschläge von Freunden oder Familiemitgliedern. Denn wie sollen z.B. kinderlose Paare erahnen können, wie man eine angespannte Situation vernünftig entschärft, wenn sie selbst (noch) keinen liebenswerten, aber derzeit zornigen kleinen Mann im Haus haben? Und auch Aussagen, wie "Moni war auch so. Du musst dann das sagen oder so etwas machen, dann läuft das wieder prima" kommen nicht immer gut an. Denn auch Eltern sollten bedenken, dass jeder Mensch ein eigenes Individuum ist, jedes Kind anders reagiert, also ein Tim noch lange nicht genauso reagiert wie eine Moni?

Autorin Ute Glaser hat daran gedacht! Ihr Ratgeber "Die Eltern-Trickkiste" enthält viele Anregungen für ein entspanntes Miteinander, aber keine Patentrezepte. Denn, so weiß sie, so etwas gibt es einfach nicht. Welcher Tipp oder Trick zur Situation und zum jeweiligen Kind passt - und auch zu den Eltern - muss der Leser erst herausfinden. Wir möchten Ihnen aus der Fülle von Tricks fünf Ideen vorstellen - aus ganz unterschiedlichen Themenkomplexen, damit Sie einen Eindruck von dem hilfreichen GU-Buch gewinnen können...

Klassiker Händewaschen (Für Optik und Gesundheit)
Ungewaschene Hände wirken ungepflegt und - speziell bei Tisch - unappetitlich. Und noch einen guten Grund gibt es fürs Händewaschen: die Gesundheit. Viele haben im Zeitalter von Arzt und Antibiotika schon ganz vergessen, dass Händewaschen eine einfache und wirkungsvolle Methode ist, sich vor Krankheiten zu schützen. Deshalb ist es sinnvoll, Kinder daran zu gewöhnen, sich speziell vorm Essen die Hände zu waschen. Wie Händewaschen attraktiv wird? Im Grunde gar nicht. Machen Sie es daher einfach zu einer Familienregel, auch wenn Sie sicher häufig an sie erinnern werden müssen. Diese Regel heißt entweder "Händewaschen vorm Essen" - sonst bleibt der Teller leer. Oder sie heißt "Händewaschen beim Nachhausekommen", da das den Vorteil hat, dass Auswärtsschmutz sofort abgespült wird. Wer will, kann sein Kind durch Mitbestimmung beim Kauf der nächsten Seife motivieren, vielleicht in Delfinform. Auch die Anschaffung eines Kinderseifenspenders hat sich häufig schon gelohnt.

Drohungen lassen ...oder ausführen
Kinder müssen sich häufig Wünschen und Erwartungen der Großen fügen, das gehört zu ihrer "das Leben lernenden" Rolle. Darf das Kleinkind bei einer Veranstaltung nicht herumlaufen, muss es sich damit abfinden, im Buggy zu bleiben. Und wenn Mama verlangt, dass der Sprössling den verschütteten Saft selbst aufwischt, muss er dies akzeptieren und erledigen lernen. Verbunden ist dies allerdings meistens mit Protest. Denn Kinder spuren nicht immer so, wie wir Erwachsenen das gerne hätten. Sie haben ihren eigenen Kopf und Rhythmus. Genau wie die Großen. Und beides passt leider nicht immer zusammen... Gehorcht ein Kind nicht, reagieren Eltern oft mit Drohungen: "Wenn du den verschütteten Tee jetzt nicht sofort aufwischst, ist die Gutenachtgeschichte gestrichen." Drohungen, sind jedoch nicht das Gelbe vom Ei, da sie gewissermaßen der unfeine Verwandte der Konsequenz-Ankündigung sind. Die Grenze ist manchmal hauchdünn... Wenn Sie Konsequenzen ankündigen (oder androhen), sollten Sie sich in jedem Fall vorher überlegen, ob Sie das Gesagte auch tatsächlich durchziehen werden. Wütende Ausrufe wie "Ich schmeiß dich gleich aus dem Auto, wenn du nicht Ruhe gibst!"... sind natürlich undurchführbarer Blödsinn, und Ihr Kind checkt das ganz schnell. Es lernt dann, dass Drohungen/Ankündigungen leere Worthülsen sind, denen es keine größere Bedeutung beimessen muss, und Sie verlieren ein Stück Glaubwürdigkeit. Ist dieses Terrain erst mal verspielt, ist es schwer, es zurückzuerobern.

Probierhäppchen (Mini-Menge zum Versuchen)
Kinder haben manchmal keine Lust auf das, was auf dem Tisch steht. Mit Druck das Essen - und speziell fremde Gerichte - aufzuzwängen bringt nur Widerwillen. Besser ist es, die Neugier zu wecken. Mit einer Mini-Testmenge. Und damit meine ich ein Probierhäppchen im Format eines Fünfcent-Stücks. Ich habe schon als Kind jene Mütter gehasst, die "nur ein Löffelchen" ankündigten und dann den Teller vollhäuften. Sinnvoll ist es, dem Kind das Warum des Probierhäppchens zu erklären: nämlich dass der Geschmack sich ändert. Vielleicht haben Sie das sogar an sich selbst beobachtet? Ich mochte bis Anfang 20 keinen Fisch - jetzt liebe ich ihn. Was gestern verschmäht wurde, kann heute als lecker empfunden werden. Deshalb lohnt es sich, bei wiederkehrenden ungeliebten Speisen "alle Jahre wieder" ein Probierhäppchen aufzutischen. "Es wäre doch ärgerlich", können Sie, dem Kind tief in die Augen blickend, erklären, "wenn du jetzt etwas Leckeres verpasst, nur weil du es vor einem Vierteljahr nicht mochtest."

Auto-Spiel (Mit Kennzeichen Sätze bilden)
Bei Autofahrten ist dieses Spiel unterhaltsam, sobald Ihr Kind Kennzeichen lesen kann. Aber auch pfiffige Vorschüler spielen mit, sofern ihnen jemand die Buchstaben vorliest. So geht's:
Die Mitspieler prägen sich das Autokennzeichen eines vorausfahrenden Wagens ein, zum Beispiel HH - GH. Jeder Mitspieler überlegt sich einen Satz, dessen Worte mit diesen Buchstaben beginnen, zum Beispiel "Helga Hat Großen Hunger". Nun trägt jeder seinen Satz vor. Je lustiger, desto besser! Wie wär's mit "Heikos Husten Gefällt Haien"? Dieses Spiel lässt sich zu zweit und mit mehreren spielen. Auch beim Cafebesuch mit Blick auf die Straße oder an der Bushaltestelle sorgt es für Spaß.

Besonderes Lager (Zelt oder Bodenbett)?
So schön das teure Kinderbett ist: Ihr Nachwuchs lässt sich besonders beglücken, wenn er mal nicht darin schlafen muss, sondern sein Lager für eine Nacht an einem ungewöhnlichen Ort aufschlagen darf. Für Kinder in fortgeschrittenerem Alter kommt dafür das Zelt im eigenen Garten oder die Isomatte auf dem Balkon infrage. Ihr Kind hat aber auch Spaß an einer unkonventionellen Schlafstatt im Kinderzimmer: Das kann die Gästematratze sein oder ein "Bodenbett", das es aus Decken verschiedenster Art baut, oder womöglich das Spielhaus. Es ist auch toll, die Strandmuschel vom letzten Sommerurlaub im Zimmer aufzustellen (natürlich ohne Heringe in den Boden zu rammen!). Das versprüht beschwingte Urlaubsatmosphäre - vielleicht sogar mitten im Winter.

Quellen und Bildrechte:

  • "Die Eltern-Trickkiste" von Ute Glaser (Gräfe und Unzer, ISBN: 978-3-8338-2039-7, 17,99 Euro) Mittlerweile gibt es bei GU auch schon den zweiten Band: "Die Elterntrickkiste 2".
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