Wenn die Trotzphase mal länger dauert...

Kinder streiten hin und wieder mal. Das ist gut und sollte sogar nicht unterbunden werden. Wenn jedoch Schlagen, Kratzen oder Beißen dazukommen, muss eingegriffen werden. Doch warum sind manche Kinder so aggressiv und wie geht man als Eltern am besten damit um? Wir haben Antworten.

Wumm, schon fliegen Spielbrett, Würfel und Figuren in die Ecke... Warum? Nun, Ihr fünfjähriger Sohn hatte das Spiel verloren. Eine Sache, mit der er offenbar überhaupt nicht klarkommt. Er schreit, er tobt, er schmeißt sich auf den Boden. Wenn jemand nicht nach seiner Pfeife tanzt oder etwas nicht so läuft, wie er es gerne hätte, wird er schlimmstenfalls sogar handgreiflich, geht auf andere los, schlägt, kratzt und beißt. Das ist - besonders wenn es in der Öffentlichkeit geschieht - alles andere als schön und stresst Eltern & Co. gewaltig. Viele kennen diesen Zustand noch aus der Trotzphase ihres Kindes, die normalerweise im Alter zwischen 18 Monaten bis drei Jahren stattfindet. Wenn Kinder ihrer Wut Luft lassen müssen und bei Krisen und Konflikten heftig reagieren, ist das oft ein Zeichen von Angst und Überforderung. Sie haben evtl. auch nicht gelernt, mit solchen Situationen umzugehen.

Kühlen Kopf bewahren
Das Wichtigste in so einer Situation ist, einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht selber wütend oder aggressiv zu werden. Sicherlich fällt das manchmal - gerade wenn man unter Zeitdruck ist - besonders schwer, aber es ist absolut notwendig, damit die Situation nicht eskaliert. Zudem müssen Sie für Ihr Kind ein gutes Vorbild sein, damit es erkennt, wie es mit heftigen Emotionen besser umgehen kann. Jeder - auch ein Kind - hat das Recht auf Gefühle und darf somit auch mal wütend sein. Selbstverständlich darf diese Wut nicht an anderen ausgelassen werden bzw. sollte nach kurzer Zeit wieder kontrolliert werden können.

Nichtbeachtung wirkt Wunder
Ihnen, aber auch Ihrem Kind tut es gut, wenn das unerwünschte Verhalten einfach ignoriert wird. Wenn möglich, lässt man das Kind allein im Raum zurück. Achtung: Achten Sie darauf, dass sich Ihr Kind dort nicht in Gefahr begeben kann. Sagen Sie ihm, dass Sie sich erst wieder mit ihm unterhalten werden, wenn es sich beruhigt hat. Am schwersten fällt dies, wenn Leute in der Nähe sind, die meinen, unaufgefordert ihren Senf dazugeben zu müssen. Eiserne Konsequenz ist da gefragt! Versuchen Sie, möglichst gelassen zu bleiben und sich auf keinen Fall zu drastischen Handlungen wie Schlagen und Schreien verleiten zu lassen. Das bringt nichts und bestätigt Ihr Kind nur in seinem Zorn. Greift Ihr Kind massiv andere an - also schlägt, beißt oder kratzt es, müssen Sie aktiv werden, indem Sie es aus der Situation herausnehmen. Es muss in einen anderen Raum gehen und darf vorerst nicht mehr mitspielen, bis es sich beruhigt hat. Niemals sollten Sie Ihr Kind für seine Show belohnen. Also z.B. ihm einen Bonbon versprechen, wenn er nun wieder lieb ist. Jedoch sollten Sie nicht vergessen, es zu loben, wenn es sich wieder beruhigt hat oder ähnliche Situation besser bewältigen konnte. Nur so lernt es, dass ein nicht aggressives Verhalten viel mehr bringt.

ImageOft verantwortlich: Angst und Unsicherheit
Hinter vielen aggressiven Taten stecken häufig überzogene Ängste und Unsicherheit. Nach dem Motto: Eh der andere zuerst zuhaut, tue ich es lieber. Viele Kinder (aber auch Erwachsene) reagieren in Stresssituationen mit Gewalt. Sie sollten sich fragen: Warum war mein Kind so zornig? In welcher Situation befand es sich gerade? Wie kann ich ihm helfen, in ähnlichen Situationen besser klarzukommen? Kann ich ihm alternative, friedliche Wege aufzeigen? usw... Versuchen Sie, sein Selbstvertrauen zu stärken, dann reagiert es beim nächsten Mal vielleicht schon etwas gelassener...

Immer wieder Grenzen setzen
Seine Wut zu kontrollieren, muss ein Kind häufig erst lernen. Am besten gelingt dies, wenn Sie als Vorbild ihm zeigen, wie das am besten klappen kann. Also: selbst nicht schreien, toben, wüten u.a.. Und wieder ganz wichtig: Grenzen setzen! Ihr Kind muss erkennen, bis hierher und nicht weiter. Das darf ich, das darf ich nicht. Ich habe nichts davon, wenn ich tobe, denn dann muss ich in mein Zimmer gehen und kann nicht mehr mitspielen usw. Konsequenz steht dabei an erster Stelle! Leere Drohungen bringen nichts, Gesagtes muss auch durchgesetzt werden. Wenn sich Ihr Kind beruhigt hat und die Lage wieder entspannt ist, benötigt es viel Zärtlichkeit. Ein Fehler wäre, es nun vor den Kopf zu stoßen und diese ihm zu verwehren. Vielleicht bietet sich dabei auch die Gelegenheit, in Ruhe über die Gründe für sein Ausrasten zu sprechen.

ImageBuchtipp: "Das Erziehungs-ABC"
Spielzeug-Chaos im Kinderzimmer? Stress mit dem kleinen Sandkastenrocker? Wer weiß, wie Kinder ticken und welche Bedürfnisse sie haben, kann sie besser verstehen und im Ernstfall angemessen reagieren. Der Ratgeber gibt einen Überblick über die entscheidenden Entwicklungsstufen vom ersten bis zum siebten Lebensjahr und zeigt, wie Erziehung funktioniert. Danach folgt Soforthilfe zum Nachschlagen: unter A wie Aufräumen oder H wie Hausaufgaben, U wie Ungeduld oder V wie Verwöhnen. Zu jeder typischen Erziehungsfalle, die Eltern auf die Probe stellt, bietet der Ratgeber konkrete Auswege. Fallbeispiele holen die Leser in ihrem Erziehungsalltag ab. Darauf folgt meist eine Auswahl an wirksamen Gegenmaßnahmen. Etwa wie man Einschlafmuffel müde macht oder Quasselstrippen wirksam und fair zum Zuhören bringt. Praktische Tipps wie Rollentausch, Entspannungsübungen oder Fantasiereisen machen Eltern und Kindern Spaß. Der separate GU-Folder stellt die schönsten Spiele für unterwegs vor. So werden lange Bahn-, Auto- oder Flugreisen so abwechslungsreich, dass keiner mehr fragt: Wann sind wir endlich da?
Erschienen bei Gräfe und Unzer als eBook zum Preis von 9,99 Euro.

Fotos: 1. Nicole Celik, 2. Günter Havelan - beide Pixelio