Ein Abend mit Rolando Villazón

Der mexikanische Tenor ist ein echtes Multitalent und sprüht nur so vor Kreativität: Er ist nicht nur ein fantastischer Sänger und Regisseur, sondern zeichnet auch Karikaturen und schreibt Bücher. Sein neuestes Werk stellte er jetzt in Hamburg im Rahmen des Harbour Front Literaturfestivals vor.

In seinem zweiten Roman „Lebenskünstler“ spielen Palindrome, also Wörter (oder sogar Sätze), die man sowohl von vorne als auch von hinten lesen kann, eine große Rolle. Schon bei diesem Thema lief der charmante Künstler zu Höchstform auf, als er schilderte, mit welchen Problemen der Übersetzer seines Buches dabei zu kämpfen hatte. Rolando Villazón spricht übrigens selber sehr gut Deutsch, weil er auf einer deutschen Schule war. Seine Großmutter, eine geborene Roth, stammte aus Österreich.

Interviewerin Juliane Hielscher hatte es nicht immer leicht, ihre Fragen anzubringen, schaffte es aber mit Charme und Sachkenntnis, dem Publikum viele Facetten des temperamentvollen Tenors nahe zu bringen. Das Publikum hatte jedenfalls einen fantastischen Abend! Dazu trug auch Milena Karas bei, die ausgewählte Kapitel aus „Lebenskünstler“ vorlas – einfach wunderbar! In der einen Szene schildert eine Frau ihrer Freundin, was für surrealistische Szenen sich in der U-Bahn abgespielt haben – und das so spannend, dass alle Zuhörer gebannt waren.
Villazón beschreibt in seinem neuen Roman Menschen, die für Kunst und Phantasie brennen und an Erfolgen und die Ökonomie nicht interessiert sind. Hauptfigur ist ein Spiele-Erfinder, der sich in eine geheimnisvolle stumme Frau verliebt. Auf einer für ihn gestalteten Schatzsuche mit Palindromen und anderen Sprachrätseln erfährt er nach und nach einiges über Frauen, sich selbst und das Leben im Allgemeinen. Übrigens tauchen einige Figuren aus seinem ersten Roman „Kunststücke“ hier auch wieder auf.

Seit Juli 2017 Ist Villazón auch noch künstlerischer Leiter der Mozartwoche in Salzburg. Wie schafft er es, alle diese kreativen Herausforderungen zu meistern? Er selber schildert das so: „Erst schreibe ich längere Zeit, dann muss ich singen, dann lesen, dann habe ich eine Idee für meine Regie...“

Zu Mozart hat er übrigens eine ganz besondere Meinung. Für ihn ist der Komponist „der Kafka der Musik“.

"Lebenskünstler" von Rolando Villazón ist bei Rowohlt erschienen und kostet 19,95 Euro.

Quellen und Bildrechte:

  • Fotos 1 und 2: Familien-Welt