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Buchtipp: Connie Palmens Auseinandersetzung mit Sylvia Plath und Ted Hughes

Sie wurden das berühmteste Liebespaar der modernen Literatur - tragischerweise erst nach Sylvia Plaths Selbstmord im Alter von 30 Jahren. Ted Hughes, der seine Frau betrog und mit den beiden kleinen Kindern allein ließ, konnte sich den Rest seines Lebens nicht aus diesem dunklen Schatten lösen. In "Du sagst es" gibt Connie Palmen ihm die Möglichkeit, sich dazu zu äußern.

Sylvia Plath, geboren 1932 im amerikanischen Jamaica Plain bei Boston, studierte mit einem Begabtenstipendium am Smith College in Northampton. Schon damals litt sie unter starken Depressionen, die auch mit Elektroschocks behandelt wurden - ohne Erfolg. Im August 1953 machte sie den ersten Versuch, sich das Leben zu nehmen, und war danach für längere Zeit in einer psychiatrischen Klinik. Ihre Erfahrungen in diesem Jahr verarbeitete sie in ihrem halbautobiografischen Roman "Die Glasglocke", den sie 1963 unter dem Pseudonym „Victoria Lucas“ veröffentlichte.

Trotz allem schloss sie ihr Studium erfolgreich ab und ging im Herbst 1955 mit einem Fulbright-Stipendium an die Universität Cambridge in England. Dort lernte Sylvia Plath 1956 den zwei Jahre älteren Schriftsteller Ted Hughes kennen. Schon wenige Monate später, am 16. Juni 1956, heirateten sie. Von Juni 1957 bis Oktober 1959 arbeitete das Ehepaar in den USA. Zurück in London wurde 1960 die gemeinsame Tochter Frieda Rebecca geboren.

Im Oktober 1960 veröffentlichte Sylvia Plath die Gedichtsammlung "The Colossus And Other Poems". Dann zog die Familie in ein Landhaus nach Devon. Im Januar 1962 wurde ihr Sohn Sohn Nicholas Farrar geboren. In dieser Zeit begann Ted Hughes eine Affäre mit der ebenfalls verheirateten Alissa Wevill. Im Oktober 1962 trennten sich Sylvia Plath und Ted Hughes und Sylvia Plath war plötzlich in der Rolle der berufstätigen, alleinerziehenden Mutter. Plaths einziger Roman, "Die Glasglocke" (The Bell Jar), wurde im Januar 1963 veröffentlicht. Vier Wochen später, am 11. Februar 1963, beging Sylvia Plath Selbstmord, indem sie Gas aus dem Ofen einatmete. Ihre Kinder schliefen im Zimmer nebenan.

Die meisten Werke Sylvia Plaths erschienen erst nach ihrem Tod. Da sie nicht geschieden waren, erbte Ted Hughes die Rechte an ihren Werken. Sylvia Plath wurde nach ihrem Tode geradezu berühmt, deshalb bescherte ihm dies nicht unerhebliche Einnahmen. Ihr lyrisches Spätwerk aus den Jahren 1962 und 1963 veröffentlichte er 1965 unter dem Namen "Ariel". 1982 wurde Sylvia Plaths lyrisches Gesamtwerk in der Gedichtesammlung The Collected Poems publiziert und postum mit dem Pulitzer-Preis in der Kategorie Poesie ausgezeichnet.

Ted Hughes zog mit Alissa Wevill und seinen Kindern wieder in das Haus in Devon, das er mit Sylvia Plath gekauft hatte. 1965 wurde ihre Tochter Alexandra, genannt Shura, geboren. 1969 beging Alissa Wevill auf die gleiche Weise Selbstmord wie Sylvia Plath und nahm auch ihre Tochter Shura mit in den Tod. Vermutlich hatte Ted Hughes auch sie zu diesem Zeitpunkt betrogen, Quellen sprechen sogar von drei verschiedenen Frauen, zu denen er Beziehungen unterhalten haben soll. Eine von ihnen wurde 1970 seine dritte Frau: das Kindermädchen Carol Orchard.

Ted Hughes veröffentliche mehrere Gedichtbände und Kinderbücher. Kurz vor seinem Tod erschien das Werk "Birthday Letters", in dem er sich mit seiner Beziehung zu Sylvia Plath auseinandersetzte und das zum Bestseller wurde. 1984 wurde er von der britischen Königin zum Nationaldichter ernannt. Kurz vor seinem Tod nahm Elizabeth II. ihn in der Order of Merit auf.

Im Oktober 1989 starb der Autor, der schon längere Zeit an einer Krebserkrankung litt, an einem Herzanfall.

2009 beging der Sohn von Sylvia Plath und Ted Hughes, Nicholas Farrar, in seinem Haus in Alaska Selbstmord.

Connie Palmen: "Du sagst es"

Wichtigste Grundlage für Connie Palmen waren die 88 von Ted Hughes geschriebenen Gedichte in "Birthday Letters". Darüber hinaus natürlich eine Reihe der Werke sowohl von Sylvia Plath als auch von Ted Hughes. Ted Hughes` Archiv ist im Besitz der Universität von Emory in Atlanta. Der 2000 veröffentlichte Teil ist ebenfalls von Bedeutung für dieses Buch, ebenso wir Biographien und kritische Studien über beide Autoren und ihre Werke.

Connie Palmen, wortgewaltig und ausdrucksstark, liefert hier, auf Grundlage der Fakten, eine starke, emotionale Auseinandersetzung mit der leidenschaftliche Liebe und tragische Beziehung dieser beiden faszinierenden Menschen. Ted Hughes war nach dem Tod von Sylvia Plath vielen Anfeindungen ausgesetzt, man gab ihm die Schuld an ihrem Tod. Hier kann er sich rechtfertigen. Auch wenn das Drama sich in den 60er Jahren abgespielt hat, gibt es doch einen Vorgeschmack davon, wie die Öffentlichkeit heute Privates von bekannten Personen seziert und verzerrt, wie Gruppen und Bewegungen Menschen für sich vereinnahmen. Mit Connie Palmen haben wir die Möglichkeit, uns literarisch mit diesem Drama auseinander zu setzen, zu fragen: Könnte es so gewesen sein? Denn, seien wir ehrlich, sich nur mit der literarischen Hinterlassenschaft der beiden zu befassen, reicht hier nicht aus - Leben und Werk scheinen hier besonders stark miteinander verbunden.

Laut Connie Palmen gibt es im Archiv von Ted Hughes noch eine versiegelte Kiste, die erst 2023 geöffnet werden darf. Ich gestehe: ich bin gespannt!

"Du sagst es" von Connie Palmen ist bei Diogenes erschienen und kostet 22 Euro.

QUELLEN:

  • Fotos 1 und 2: Cover von "Du sagst es"
  • Foto 3: Familien-Welt
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