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Jay Asher im Gespräch

Wer trägt welche Schuld am Freitod von Hannah Baker? Die Antwort darauf katapultierte den Autor Jay Asher in die Bestsellerlisten. Nun ist sein neues Buch "Wir beide, irgendwann" im Handel. Familien-Welt traf den Schriftsteller auf seiner Lesereise.

Die 140 Plätze des Gruner & Jahr Pressehauses in Hamburg sind nahezu ausverkauft. Hauptsächlich Neunt- und Zehntklässler sind mit ihren Lehrern zur Autorenlesung "Wir beide, irgendwann" mit Jay Asher gekommen. Auch Familien-Welt-Redakteurin Susanne Schult war dabei und traf den Bestseller-Autor anschließend zum Lunch mit Wiener Schnitzel und Orangensaft.

Protagonisten in dem neuen Jugendroman von Jay Asher sind die sechzehnjährige Emma und ihr Schulfreund Josh, die im Jahr 1996 sehen, wie ihre Facebook-Seiten 15 Jahre später aussehen werden. Während Josh sehr zufrieden ist mit dem, was er sieht - immerhin wird er seinen Traumjob haben und mit einer der hübschesten und beliebtesten Schülerinnen seiner High School verheiratet sein - ist bei Emma genau das Gegenteil der Fall. Sie will sich mit ihrem Schicksal nicht abfinden und versucht zum Entsetzen von Josh, ihre Gegenwart zugunsten einer besseren Zukunft für sich zu beeinflussen.

Ein Mann der kleinen Dinge

altBegleitet wird der Kalifornier Jay Asher bei seiner Lesereise durch Norddeutschland von der Schauspielerin und Sängerin Judith Hoersch, die auch auf dem Hörbuch die Rolle der Emma spricht, und dem Moderator Marc Langebeck (im Foto rechts). Die Jugendlichen hören interessiert zu, entziehen sich jedoch erfolgreich den Bemühungen Langebecks, ins Gespräch zu kommen. Stimmung kommt jedoch in die Gruppe, als Asher sein Smartphone hochhält und verkündet, er wolle gleich ein Foto auf seiner Facebook-Seite posten, dass er hier sei und sie könnten das umgekehrt natürlich auch tun. Wie Jay Asher seine Deutschland-Reise fand und das Bild aus Hamburg sind allerdings besser auf seinem Blog nachzulesen.

Im Anschluss an die einstündige Lesung signiert Asher seine Bücher. Vor allem die Mädchen stehen Schlange, während sich Jungs eher bedeckt halten. Irgendwie finden sie den Typen "nur so mittelmäßig". Und tatsächlich hat der Kalifornier, der am 30. September 37 Jahre alt wird, zunächst einmal nichts, was ihn besonders auszeichnet: mittelgroß, Dreitagebart, schütteres Haar, Jeans, kurzärmeliges Oberhemd, einen Ehering an der linken Hand. Auch sein Auftreten ist zurückhaltend. Er lächelt freundlich, ist zu jedermann höflich und überlässt es den anderen, sich zu produzieren. Es hat den Anschein, als hätte Asher viel mit seinen Titelfiguren Clay ("Tote Mädchen lügen nicht") und Josh ("Wir beide, irgendwann") gemeinsam, die auch ohne nennenswerte Ecken und Kanten daherkommen und reagieren, während ihre Freundinnen das Handlungsgeschehen bestimmen. Doch Asher weiß, dass es die kleinen Dinge sind, auf die es ankommt und die letztendlich in ihrer Summe große Veränderungen herbeiführen. Darum geht es auch in den beiden Büchern, die bisher von ihm veröffentlicht wurden.

Die magische Zahl Zwölf


Jay Asher hat schon früh angefangen, Geschichten zu schreiben. Um sich ganz seiner Karriere widmen zu können, schmiss er sogar das Lehramts-Studium ein Jahr vor dem Abschluss. Sein Geld verdiente er unter anderem als Schuhverkäufer, Bibliothekar und Buchhändler und besuchte nebenbei Literaturseminare. Auf einem dieser Seminare traf er auch die Schriftstellerin Carolyn Mackler, mit der er 2011 gemeinsam "Wir beide, irgendwann" schrieb. Er ließ sich von ihr ein Autogramm geben, woran sich Mackler nach eigenen Angaben auch noch erinnern kann. Doch Asher winkt lachend ab: "Das weiß sie garantiert nicht mehr. Das ist so lange her und ich hatte im Gegensatz zu ihr noch nichts veröffentlicht."

altUnverdrossen schrieb Asher zwölf Jahre weiter Kinderbücher, die er allesamt mit einer Absage von den Verlagen zurückgeschickt bekam. Dann geschahen zwei Dinge, die die Wende brachten. Zum einen hatte Asher eine Idee für einen Jugendroman: Das Mädchen Hannah Baker begeht Selbstmord und bespricht kurz vor ihrem Tod dreizehn Kassetten, warum sie die Tat begangen hat. Empfänger sind nacheinander zwölf Personen, die mit ihrem Freitod in Zusammenhang stehen. Zum anderen änderte Asher seine Herangehensweise. Er schrieb nun nicht mehr für sich selbst, sondern überlegte sich, wie er eine Geschichte erzählen muss, dass der Leser sie versteht. Drei Jahre brauchte er, bis aus der Idee ein fertiges Manuskript wurde. Zunächst lehnten zwölf Verlage eine Veröffentlichung ab, bis es auf einmal drei gab, die das Jugenddrama herausbringen wollten. Asher entschied sich für Razorbill, da die nach seiner Meinung am ehesten verstanden, worum es ihm in der Geschichte ging. "Wenn ein anderer Verlag das Buch herausgebracht hätte, wäre die Handlung eine ganz andere geworden", ist sich der Autor sicher. Und nun ist Asher froh, dass noch nie vorher ein Buch von ihm veröffentlicht wurde. Er hat die Zeit des Lernens und Verbesserns gebraucht, um schließlich mit einem Buch auf den Markt zu kommen, in dem alles stimmt. "Thirteen Reasons Why" (Dreizehn Gründe warum) erschien 2007 und verkaufte sich allein in den USA über 750.000 Mal. 57 Wochen hielt es sich auf der Bestsellerliste für Kinder- und Jugendliteratur der New York Times. Bislang haben 31 Länder sich die Rechte an dem Buch gesichert. Außerhalb der USA war Hannah Bakers Geschichte in Deutschland am erfolgreichsten und platzierte sich ebenfalls auf Bestsellerlisten. Sie wurde bei uns 2009 unter dem Titel "Tote Mädchen lügen nicht" publiziert.

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