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Büchersommer: Lese-Tipps für Erwachsene

altIm Urlaub ohne Buch - das geht ja gar nicht! Während An- und Abreise verfliegt beim Lesen die Zeit wie nichts, genau wie bei schlechtem Wetter. Und auch unterm Sonnenschirm sorgen Bücher für genau die richtige (Ent-)spannung. Hier haben wir Tipps fürErwachsene.


Wanderlust - ein Lesebuch
Hier sind 30 Kurzgeschichten von berühmten Autoren versammelt, die alle eines gemeinsam haben: Sie handeln vom Wandern. "Joseph von Eichndorff dichtete: Vom Grund bis zu den Gipfeln, Soweit man sehen kann, Jetzt blühts in allen Wipfeln, Nun geht das Wandern an." Hermann Hesse erzählt vom Abschiednehmen und Entdecken neuer Landschaften, Paul Coelho erzählt von seiner Wanderung auf dem Jacobsweg, Doris Dörries Geschichte handelt von einem jungen Paar, das sich auf einer Reise nach Peru bewusst wird, wie unterscheidlich sie sind. Auch Franz Kafka, Bruce Chatwin und viele andere haben Geschichten beigesteuert.

Das Buch für jeden Rucksack! Jeden Abend, wenn die Füße wundgelaufen sind, ein oder zwei Geschichten - und man kann enstpannt einschlafen...
"Wanderlust - ein Lesebuch" ist als Taschenbuch bei Diogenes erschienen und kostet 9,90 Euro.

altDer Gärtner von Otschako
Igor, 30 Jahre alt, hat keine Arbeit und lebt noch bei seiner Mutter, die ein kleines Haus in der Nähe von Kiew hat. Ab und zu trifft er sich mit seinem Freund Koljan, der in Kiew als Computer-Experte gut verdient. Doch eines Tages stellt seine Mutter den 60-jährigen Stepan als Gärtner ein. Mit ihm kommt plötzlich Bewegung in sein Leben. Denn Stepan hat eine Tätowierung und Igor findet heraus, was sie bedeutet. Daraufhin fahren die beiden ins ferne Otschakow ans Schwarze Meer, wo Stepans vater lebte. Tatsächlich entdecken sie auch sein Erbe – an dem Stepan Igor beteiligt. Das Wunderbarste daran ist eine Uniform. Sie bringt Igor wieder zurück nach Otschakow – im Jahre 1957...

Andrej Kurkow s Helden sind Fatalisten, die sich treiben lassen. Und gerade ihnen passieren die merkwürdigsten Dinge – ohne dass sie sich groß darüber wundern. Der Leser staunt – rechnet er doch immer wieder mit dem Schlimmsten – was dann aber meist nicht eintritt...
Aber eine Zeitreise in die Vergangenheit gab es noch nicht – aber die Mitreise lohn sich!
„Der Gärtner von Otschako“ von Andrej Kurkow ist bei Diogenes erschienen und kostet 22,90 Euro.

Fakire
Ein nackter Mann rennt zwischen den Autos auf der Pariser Stadtautobahn herum, bis er überfahren wird. Ein anderer Mann stürzt sich im Museum auf ein Skelett und wird von einem Knochen durchbohrt. Beide Male scheint es Selbstmord zu sein, doch Kommissar Richard Guérin hat seine Zweifel. Werden Menschen auf so grausame Weise in den Tod getrieben? Zur gleichen Zeit untersucht der Psychologe John Nichols den Tod seines Freundes Alan. Dieser ist, ebenfalls in Paris, als Fakir während einer SM-Show verblutet. Wollte der drogensüchtige Alan wirklich sterben? Gemeinsam ermitteln Guérin und Nichols – doch was sie aufdecken, ist unvorstellbar grausam – und es müssen noch mehr Menschen sterben...

Dieser Krimi st nur etwas für Hartgesottene – wenn man ihn auch nur schwer aus der Hand legt. Und ein gutes Ende erwartet der Leser hier vergebens... Antonin Varenne hat in Frankreich für seinen dritten Kriminalroman mehrere Preise bekommen.
“ Fakire“ von Antonin Varenne ist als Taschenbuch bei Ullstein erschienen und kostet 9,99 Euro.

altInselglück
Meredith (49), bis vor kurzem noch die verwöhnte und Luxus gewöhnte High Society Lady, steht vor dem Nichts. Ihr Mann Freddy wurde wegen Anlagebetrugs in Milliardenhöhe zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt. Tausende hat er um ihr Geld gebracht. Sie darf keinen Kontakt zu ihren erwachsenen Söhnen haben, weil sie und ihr Sohn Leo der Mitwisserschaft verdächtigt werden. Ihr Besitz ist gepfändet, alle Freunde wenden sich von ihr ab. In ihrer Not bittet sie ihre Jugendfreundin Connie um Hilfe, mit der sie eigentlich zerstritten ist. Trotzdem ist Conny bereit, ihr zu helfen, und nimmt sie mit in ihr Sommerhaus auf Nantucket.  Doch auch dort gibt es Menschen, die durch ihren Mann ihr Vermögen verloren haben, und sie wird sogar bedroht. Dann taucht auch noch Connies Bruder Toby, Merediths alte Jugendliebe, auf...

Die Geschichte erinnert stark an den Milliardenbetrüger Bernhard Madoff, der 2008 ebenfalls zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Er hatte ebenfalls zwei Söhne (einer von ihnen beging zwei Jahre nach der Verhaftung seines Vaters Selbstmord), Häuser in Antibes, Palm Beach, ein Penthouse in New York, Yachten usw. Das Vorbild für Romanfigur Meredith scheint seine Frau Ruth zu sein, die ebenfalls nichts von den Machenschaften ihres Mannes gewusst haben soll. Im Gegensatz zu Meredith lebt sie aber weiter im Luxus, da die Geschädigten es bisher nicht geschafft haben, an ihr Vermögen heran zu kommen. Trotzdem ist auch sie zu einer Persona non grata geworden.

Elin Hildebrand schildert die Wandlung einer Frau, die in jungen Jahren als intelligent und zielstrebig beschrieben wurde, sich dann aber ihrem Mann unterordnete und den Luxus genoss. Nun muss sie erkennen, wie oberflächlich sie all die jahre war, und dass sie ihren Mann eigentlich gar nicht kannte. Langsam wandelt sie sich wieder zu der Frau, die sie einmal war.
"Inselglück" von Elin Hildebrand ist bei Bloomsbury Berlin erschienen und kostet 19,90 Euro.

Blood, Bones & Butter - Mein Leben ohne Rezept
Gabrielle Hamilton wächst als Nesthäkchen in einem Haus voller Geschwister, voller exotischer Gerichte und voller Gäste auf. Kochen, das heißt Abenteuer, Liebe, Familie - und jede Menge Arbeit. Dieses Idyll verkehrt sich jäh ins Gegenteil, als ihre Eltern sich scheiden lassen, getrennte Wege gehen und verduften. Gabrielle lernt, sich allein durchzuschlagen, wenn es sein muss illegal. Mit dreizehn ergattert sie ihren ersten Job als Tellerwäscherin, mit sechzehn absolviert sie knochenharte Schichten als Kellnerin, später arbeitet sie unter Hochdruck im Maschinenraum der Gastronomie, dem Catering Business. Mit dem Herz einer Pippi Langstrumpf und dem Mundwerk eines Matrosen setzt sie sich in dieser Welt durch. Und steht nach Jahren des Chaos und der Einsamkeit mit zu vielen Drogen und zu wenig Schlaf unerwartet in einem wahrgewordenen Traum: ihrem eigenen Restaurant, dem Prune im New Yorker East Village. Heute ist es berühmt für seine bodenständige und doch raffinierte Küche, die familiäre Atmosphäre des kleinen Gastraums und eine leidenschaftliche Mannschaft hinter einer der renommiertesten Chefköchinnen des Landes...

Ein hartnäckiger Underdog, der oder in diesem Fall die trotz Drogensucht und chronischem Schlafmangel sich in einem harten Geschäft hocharbeitet, von der Tellerwäscherin über der Catering-Köchin und schließlich bis zur Restaurantbesitzerin, solche Geschichten lieben die Menschen. Und wenn so eine Erfolgsstory dennoch von Selbstzweifeln, Irrtümern und kleinen Geschichten rund um Familie und Freunde zu berichten weiß, geht sie auch zu Herzen. Eine abenteuerliche Lebensbeichte - bezaubernd dank eines rotzigen Erzählstils der Autorin...
"Blood, Bones & Butter - Mein Leben ohne Rezept" von Gabrielle Hamilton ist im Blessing Verlag erschienen und kostet 14,95 Euro.

Foto 1: Manklang