Wenn Essen krank macht

Einfach essen, worauf man Lust hat - das ist nicht für alle eine Selbstverständlichkeit. Wer von einer Nahrungsmittelallergie oder -intoleranz betroffen ist, hat oft das Gefühl, mit vielen Einschränkungen leben zu müssen. Dabei ist ein sorgloses Leben auch mit einer Allergie oder Unverträglichkeit möglich. Wir haben Tipps und Infos für Sie.

Normalerweise können wir unser Essen genießen. Ein unbedenkliches Auswählen der verschiedensten Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Fleisch oder Milch gewährleistet nicht nur eine ausreichende Versorgung mit allen Nährstoffen, sondern Essen macht - insbesondere in Gesellschaft - auch Freude.

Was löst die Probleme aus?

Doch bei einigen Menschen ist das anders: Ihnen wird nach einer Mahlzeit übel oder sie bekommen Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder sogar Atembeschwerden. Manchmal läuft auch nur die Nase. Bei solchen Beschwerden ist es wahrscheinlich, dass man an einer Nahrungsmittelallergie oder einer -unverträglichkeit leidet. Jetzt ist es zuerst wichtig, die Auslöser der Beschwerden zu ermitteln. Denn ohne korrekte Diagnose lässt sich die Erkrankung nicht richtig behandeln. Die Ursache für das Übel zu finden gleicht manchmal der Suche der berühmten Nadel im Heuhaufen. Besonders im Falle von Allergien können die unbekömmlichen Stoffe in so kleinen Mengen in der Nahrung versteckt sein, dass nur ganz gezielte Testverfahren die Ursache ans Licht bringen.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten haben grundsätzlich andere Ursachen als Nahrungsmittelallergien. So manch einer leidet unter irgendeiner Allergie und weiß daher, dass diese dadurch hervorgerufen wird, dass der Organismus Antikörper gegen bestimmte Allergene entwickelt. Schon bei der Aufnahme kleinster Mengen des entsprechenden Allergens werden diese aktiv und lösen allergische Reaktionen aus. Nahrungsmittelunverträglichkeiten entstehen dagegen, wenn die für einen spezifischen Nahrungsbestandteil erforderlichen Verarbeitungsenzyme oder Transportstoffe im Körper fehlen oder nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Dies kann erblich bedingt sein oder auch durch Krankheiten hervorgerufen werden. Im Gegensatz zu Allergien sind im Blut keine Antikörper nachweisbar. Nicht verwechselt werden dürfen Nahrungsmittelunverträglichkeiten mit den verschiedenen angeborenen Stoffwechselstörungen, bei denen ebenfalls Nahrungsmittel zu teils schweren Erkrankungen führen.

Nahrungsmittelallergien: gerade Kinder leiden

Etwa fünf bis sieben Prozent der Deutschen leiden nach Schätzungen des Deutschen Allergie- und Asthmabundes e.V. an Nahrungsmittelallergien, wobei gerade Kinder, die ein noch nicht voll ausgebildetes Immunsystem haben, betroffen sind. Sobald dies sich jedoch mit zunehmendem Alter entwickelt, bilden sich manche Nahrungsmittelallergien auch häufig zurück.

Meist gibt es eine familiäre Veranlagung, die eine Erkrankung des Kindes wahrscheinlich macht. So haben Menschen, deren Eltern beide Allergiker sind, ein statistisch um 40 bis 60 Prozent erhöhtes Risiko, ebenfalls an einer Allergie zu erkranken. Bei einem Elternteil beträgt das Risiko immerhin noch 20 bis 40 Prozent. Allergiker können ihre Kinder jedoch vor dem Ausbruch der Erkrankung weitestgehend schützen, indem sie früh Maßnahmen ergreifen, wie z.B. das Stillen des Säuglings vier, besser sechs Monate lang, später eine gesunde und ausgewogene Ernährung, regelmäßig Sport, Zugabe von Mineralstoffen & Vitaminen u.a..

Bewiesen ist z.B. dass eine einseitige und ungesunde Ernährung Nahrungsmittelallergien begünstigt. So ist es natürlich nicht verwunderlich, wenn Kinder auf Grundnahrungsmittel wie Milch, Eier oder Weizen stärker reagieren als Erwachsene. Beschränkt sich ihr Speiseplan doch sehr oft auf diese Lebensmittel, die zudem eine hohe allergene Potenz vorweisen können. Natürlich kann die Nahrung auch unverträgliche Stoffe, wie z.B. Pestizide oder auch übermäßig viele Lebensmittelzusatzstoffe enthalten, die gerade in Fertigprodukten verstärkt enthalten sind. Dies führt in der Regel ebenfalls zu einer starken Belastung des Organismus. Oder die Verarbeitungsprozesse können bestimmte Bestandteile so weit verändert haben, dass der Körper sie nicht als energiespendende Nahrung, sondern eher als zu bekämpfende Fremdstoffe ansieht. Z.B. wenn Nahrungsmittel durch lange Lager- und Transportwege angeschimmelt beim Endverbraucher landen, oder sich in Backwaren Vorratsmilben befinden, die in den Verdauungstrakt gelangen und wie die Hausstaubmilben Allergien begünstigen.

Weitere Gründe für eine Anfälligkeit können sein: übertriebene Hygiene, eine geschädigte Darmflora bzw. -schleimhaut, Umwelteinflüsse (Feinstaub, Dieselruß, Schwermetalle), Medikamente, Alkohol, Nikotin und Stress. Dazu kommt, dass es einfach Nahrungsmittel gibt, die besonders häufig allergen wirken. Man spricht dann von einer hohen allergene Potenz. Um nur ein paar zu nennen: Apfel, Birne, Pflaume, Kirsche, Gurke, Tomate, Milcheiweiß (Kasein), alle Fischarten, Hühnereier, Soja, Erdnüsse und viele andere Arten von Nüssen, Schnecken, Muscheln, viele Gewürzmischungen oder auch Glutamat.

Kreuzallergien - besonders knifflig

Für jeden vom Körper als fremd erkannten Stoff wird ein spezifischer Antikörper gebildet. Die Antikörper erkennen nur bestimmte Molekülbereiche auf den Allergenen, nicht das gesamte Allergen. Genau diese Bereiche (Epitope) können aber auch auf verschiedenen anderen Allergenen vorkommen. Dann sind sogenannte Kreuzreaktionen oder Kreuzallergien möglich. So kann z.B. neben einer Allergie auf Haselpollen auch eine auf Haselnüsse bestehen. Oder eine Weizenpollenallergie mit einer Mehlallergie einhergehen. Darüber hinaus gibt es auch Pflanzengruppen, die nicht zu einer "Familie" gehören und trotzdem bei Betroffenen allergische Reaktionen auslösen. Menschen, die auf Latex allergisch reagieren haben häufig auch Probleme mit Ananas oder Bananen; Menschen, die gegen Birkenpollen allergisch reagieren, vertragen oftmals keine Äpfel, weil die Epitope zum Verwechseln ähnlich sind.

Lebensmittelunverträglichkeit: mehr Erwachsene betroffen

Zur Verwertung einiger Nahrungsbestandteile werden bestimmte Enzyme bzw. Transportproteine benötigt. Befinden sich von diesen nur wenige im Organismus oder fehlen sie ganz, führt dies zu einer Nahrungsmittelunverträglichkeit. Es gibt Unverträglichkeiten von Kohlenhydraten wie Milchzucker oder Fruchtzucker, Haushaltszucker oder auch Sorbit. Die sogenannten Pseudoallergien sind Unverträglichkeiten von beispielsweise Histamin oder einem oder mehreren der zahlreichen Lebensmittelzusatzstoffen. Bis auf wenige Fälle, in denen die Nahrungsmittelunverträglichkeiten angeboren sind und bereits im Säuglingsalter zu Beschwerden führen, zeigen sich die Intoleranzen meist erst im jugendlichen Alter oder bei Erwachsenen. Diese können genetisch bedingt sein, aber auch infolge von Veränderungen im Darm aufgrund von Darmerkrankungen, medikamentösen Behandlungen oder auch Alkoholmissbrauch auftreten. Nahrungsmittelunverträglichkeiten entwickeln sich meist schleichend, sodass die Symptome anfangs kaum wahrgenommen und nur sehr spät mit der Ernährung in Verbindung gebracht werden.

Zöliakie - ein schwieriger Sonderfall

Eine Sonderstellung unter den Krankheiten, bei denen Nahrungsmittel die Auslöser sind, nimmt die Zöliakie ein. Die meisten Menschen leiden nur latent (verborgen) darunter bzw. unter unklaren Beschwerden, was die Diagnose sehr schwierig macht. Nur ein Fachmann, der Gastroenterologe, kann eine Zöliakie mithilfe von Antikörperbestimmungen in Verbindung mit einer Darmspiegelung sicher feststellen. Durch ihren genetischen Ursprung ist die Erkrankung vererbbar.

Leider ist die Zöliakie noch immer nicht abschließend erforscht, sie ist jedoch eine Mischform zwischen einer Allergie und einer Autoimmunreaktion. Es besteht eine Allergie gegen das Klebereieiweiß (Gluten), das in den meisten heimischen Getreidesorten vorhanden ist, und im Blut sind Antikörper gegen dieses Eiweiß nachweisbar. Darüber hinaus entzünden sich beim Verzehr von Klebereiweiß Abschnitte der Schleimhaut des Dünndarms, und die Schleimhautzellen werden von Antikörpern zerstört, die sich gegen das körpereigene Eiweiß richten (Autoimmunreaktion). Eine Aufnahme von Nährstoffen in diesem Bereich kann somit nicht mehr erfolgen, was nicht nur zu Durchfall und Gewichtsverlust, sondern vor allem zu Mangelerscheinungen mit ihren Folgen wie Müdigkeit, Lust- und Appetitlosigkeit, einem schlechten Hautbild und Haarausfall und bei Frauen zu Menstruationsstörungen führt.

Bei Kindern macht sich die Erkrankung manchmal nur durch eine Wachstumseinschränkung bemerkbar. Viele Betroffene leiden zudem unter der Hauterkrankung Morbus Duhring, bei der die Haut besonders an den Armen und Beinen von Quaddeln, Pusteln und Bläschen befallen ist. Tragischerweise können infolge einer unbehandelten Zöliakie sämtliche Nahrungsmittelintoleranzen wie Laktose-, Fruktose- oder Histaminunverträglichkeit auftreten, weil die geschädigten Darmschleimhautzellen keine Enzyme oder Transportproteine mehr bilden können. Hier ist eine konsequente und leider lebenslange glutenfreie Diät erforderlich, die die Symptome reduziert.

Das Leben mit einer Nahrungsmittelallerige bzw. -unverträglichkeit

Wenn ermittelt wurde, in welchen Nahrungsmitteln oder Gerichte die Verursacher der Probleme enthalten sind, gilt es, diese zu meiden und stattdessen andere Lebensmittel in seinen Speiseplan aufzunehmen. Dabei sollte man sich zunächst von Ernährungsberatern helfen lassen oder Kontakt zu anderen Betroffenen aufnehmen. Es gibt auch Verbände und Vereinigungen, die Ratschläge geben können. Wer konsequent diese Ernährungsumstellung durchläuft, wird sich sehr schnell besser fühlen. Viele Kochbücher bieten köstliche Rezepte, trotz oder gerade bei Unverträglichkeiten. Außerdem gibt es unzählige Ratgeber, die aufklären, unterstützen und nicht selten auch einige Rezepte bieten.

Buchtipps

Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Laktose - Fruktose - Histamin - Gluten
Der erfahrene Ernährungsexperte Dr. Axel Vogelreuter erläutert mit vielen Fallbeispielen die häufigsten Nahrungsmittelunverträglichkeiten, zeigt Wege zur Diagnose (inkl. Selbsttest) und gibt konkrete Empfehlungen, wie Sie durch gezielte Maßnahmen Ihre Beschwerden in den Griff bekommen und den Spaß am Essen zurückerlangen. Lebensmittel-Ampeln weisen schnell und anschaulich den Weg zum geeigneten Lebensmittel. Hilfreiche Adressen und Praxistipps machen diesen Ratgeber zu Ihrem täglichen Begleiter. Erschienen bei Hirzel zum Preis von 19,95 Euro. (ISBN: 978-3777623498).

ImageLeben ohne Gluten bei Zöliakie, Sprue, Getreideallergie
Ob für zu Hause oder unterwegs: Anleitungen, Ratschläge und praktische Tipps für Patienten mit Sprue, Zöliakie oder Getreideallergie. Diese Menschen vertragen kein Gluten - das so genannte Klebereiweiß -, das in allen europäischen Getreidesorten, auch im Dinkel, enthalten ist und auch als Zusatz in zahlreichen Lebensmitteln vorkommen kann. Mit ihrer positiven Art macht die Autorin Nora Kircher Mut, ein normales Leben zu führen, ohne das Gefühl von Verzicht und Verbot zu haben. Medizinische Grundlagen und ernährungsphysiologische Abläufe werden für jeden gut verständlich erläutert, die zahlreichen Rezepte und hilfreichen Adressen und Bezugsquellen ergänzen den nützlichen Ratgeber. Erschienen im Walter Hädecke Verlag zum Preis von 14,95 Euro (186 Seiten, Broschur, ISBN: 978-3-7750-0709-2).

ImageMilchallergie und Laktoseintoleranz
Von einer Betroffenen für Betroffene: praxisnahe Information der Heilpraktikerin Nora Kircher für Patienten mit vielen Rezepten und Tipps für den Alltag. Neben aktuellen Informationen zur Milchallergie und Laktoseintoleranz sowie medizinischen Erklärungen bietet das Buch Einkaufsvorschläge, warenkundliche Hinweise, viele Rezepte und nützliche Adressen (u.a. Selbsthilfegruppen oder spezialisierte Bezugsquellen) sowie Tipps für den Urlaub. Abwechslungsreiche Rezepte nehmen dem Leser die Scheu vor neuen, noch unbekannten Lebensmitteln und praxisorientierte Hinweise, vor allem auch für die Ernährung von Kindern, erleichtern das Leben. Erschienen im Walter Hädecke Verlag zum Preis von 14,95 Euro (175 Seiten, Broschur, ISBN: 978-3-7750-0710-8).


Links:
· Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB)
· Portal für Nahrungsmittelintoleranz mit diversen Lebensmitteltabellen, Verträglichkeitsrechner Fruktose - Sorbit und Patiententagebuch Allergie zum Download
· Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.
· Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V.
· Portal für Laktoseintoleranz

Quellen und Bildrechte:

  • Foto 1 und 2: Pixabay