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Obertauern: Schneegaudi auf den Spuren der Beatles

Obertauern ist heute ein Eldorado für Skifahrer. Schneesicher, kurze Wege und tolle Pisten, auf denen sich auch schon die legendären Beatles bewegten. Heinrich Rohne machte sich auf die Spuren der Fab Four und fand Erstaunliches heraus.

“Wenn ich ganz ehrlich bin, das Drehbuch, im Grunde den ganzen Film habe ich bis heute nicht verstanden.“ Aber eigentlich hätte es Herbert Lürzer, Hotelier aus Obertauern, wissen müssen, denn er selbst war mit aktiv, als die Beatles damals im März 1965 ihren legendären Film „Help!“ in dem österreichischen Skiort gedreht haben. „Das waren vielleicht heiße Tage“, gerät der heute 73-Jährige noch immer ins Schwärmen, wenn er von der sicher aufregendsten Zeit des heutigen Ski-Eldorados erzählt.

Schließlich war es der Nebenjob seines Lebens: Beatles-Double – zwar nicht auf der Bühne, aber auf den Brettern, die hier in Obertauern, etwa 90 Kilometer südlich von Salzburg, die Welt bedeuten. Als die Beatles für die Dreharbeiten anreisten, brauchten sie tatsächlich Hilfe, und zwar von Ski-Doubles, die auch noch ein paar Brocken Englisch sprachen. Die Fab Four nämlich waren Nieten auf Skiern. „Ich war der Paul McCartney“, erklärt Lürzer und grinst jetzt noch stolz, wenn er daran denkt. Auch für John Lennon, George Harrison und Ringo Starr fanden sich Doppelgänger. Hans Pretscherer, Franz Bogensperger und Gerhard Krings vertraten die anderen drei Musiker in den actionreichen Skiszenen. „Nur John Lennon konnte ein bisschen Ski fahren“, sagt Gerhard Krings. Gut bezahlt wurde das Vergnügen auch - 1.000 Schilling Gage gab es pro Drehtag, das entsprach damals einem Monatsgehalt.

Obertauern hatte der Beatles-Manager Brian Epstein ausgewählt, weil der Ort am Tauernpass noch ein unbeschriebenes Blatt war. Er galt als schneesicher, in der Nähe gab es einen See und einen Bahnhof, wie vom Drehbuch gewünscht. Erst seit 1962 hatte Obertauern überhaupt einen eigenen Namen. Damals steckte der Tourismus hier noch in den Kinderschuhen: Die Lifte machten Mittagspause, und Gepäck wurde auf Schlitten zu Pensionen gezogen, die noch keinen Straßenanschluss hatten. So hoffte Epstein, in 1.700 Metern Höhe den kreischenden Fanmassen entkommen zu können - in einer Zeit, als die Beatles längst Stadien füllen und sich kaum noch unerkannt bewegen können.

Und die Rechnung ging auf. Doch ein Abend blieb in Obertauern unvergesslich und sorgte für viel Aufregung. Denn die britische Boy-Group gab hier ihr einziges Konzert in Österreich. Gegen ein Uhr nachts stürmten die Pilzköpfe die Bühne im Hotel Marietta. Vor vielleicht 100 Leuten hauten die Beatles einiger ihrer Hits raus und brachten die Hotelbar „Schistall“ so schnell zum Brodeln. Schließlich gab die Musikanlage ihren Geist auf. Die Bilanz: gerissene Klaviersaiten, geplatzte Schlagzeugfelle und ungezählte leere Whiskey-Flaschen - ein Abend, auf den Obertauern noch heute stolz ist.

Nach den Dreharbeiten gingen die Dorfbewohner bald wieder über zum Alltagsgeschäft, die Beatles spielten in Obertauern nur noch eine Nebenrolle. Doch dank der Musiker florierte bald der Tourismus. Auch Herbert Lürzer war nicht mehr zu stoppen: Zunächst baute er die von den Eltern geerbte Pension Kesselspitze zum Hotel aus – heute gilt das luxuriöse Vier-Sterne-Superior-Hotel als eines der ersten Häuser am Ort. Denn dort finden die Gäste all die Annehmlichkeiten vor, die nach einem anstrengendem Skitag gut tun - einen großzügigen Wellnessbereich, ein exquisites Restaurant und eine exzellent ausgestattete Bar. Vor allem aber auch: Ruhe. Die „Kesselspitze“ ist aber nur ein Teil des Labels „Lürzer Ferien“. Unter der Führung der drei Lürzer-Söhne gehört das Luxus-Hotel zu einem touristischen Gesamtkonzept, das für die örtlichen Verhältnisse einem Imperium gleichkommt. Zu den Betrieben zählen Skischule und -verleih, Restaurants, eine Berghütte, Bar und Diskothek, ein Taxibetrieb und weitere Hotels.

Die „Kesselspitze“, das Flaggschiff der „Lürzer Ferien“, liegt etwas abseits vom trubeligen Ortszentrum, aber was macht das schon: Aus dem „Skistall“ genannten Skikeller rutscht man gerade mal 100 Meter hinunter zur Schaiderbergbahn oder Achenrainbahn: zwei bequemen Einstiegen ins kompakte Obertauerner Skigebiet, das rund 100 Kilometer abwechslungsreicher Pisten umfasst - vom Idiotenhügel bis hin zur "Gamsleiten II", einem der steilsten und anspruchsvollsten Hänge in den Alpen.

Aber vor allem ist Obertauern von November bis April schneesicher, gilt als die „Schneeschüssel“ Österreichs. Mittendrin in dieser Schüssel der langgestreckte Ort umgeben von schneebedeckten Bergen. Sie sind einmalige 360-Grad-Kulisse und Fundament der sogenannten Tauernrunde: Eine Art Zickzack-Muster aus unzähligen Pisten und 26 Liften hoch bis 2.526 Meter. Eine knappe Stunde dauert's, den ganzen Ort einmal darauf zu „umcarven“. Und weil der meist verschneit ist, endet die Schlussabfahrt nachmittags fast überall als Schussabfahrt im Skikeller. „In Obertauern trägt man Ski immer an den Füßen, nie auf der Schulter“, verkünden die Hoteliers darum selbstbewusst. Kurze Wege – Skifahrerherz was willst du mehr.
Wer Party machen will ist auch gut in Obertauern aufgehoben. Beim Apres-Ski geht es jedenfalls regelmäßig hoch her auf den Hütten. Ähnlich wie beim legendären Beatles-Gig vor gut 50 Jahren, von dem Herbert Lürzer immer wieder gern erzählt.

Anreise: Mit der Bahn bis Radstadt, ab dort und dem Salzburger Flughafen bieten einige Hotels einen kostenpflichtigen Shuttle-Service an. Salzburg fliegen regelmäßig Air Berlin, Lufthansa und Austrian Airlines an.
Übernachten: Im Hotel Kesselspitze, im Sporthotel Edelweiss oder auch im Hotel Marietta.
Informationen im Internet: www.obertauern.com

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