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Kaiserlicher Glanz auf Usedom

Schon Friedrich Wilhelm III. von Preußen besuchte 1820 mit seiner Familie das damals noch namenlose Fischernest auf Usedom. Auch sein Enkel Wilhelm II. weilte gern im inzwischen Heringsdorf benannten Seebad und tausende Touristen machen es heute noch genauso. Auch Heinrich Rohne wandelte auf royalen Spuren.


Der Kaiser kommt. Elisabeth Staudt, die verwitwete Konsulgattin, ist schon ganz nervös. Wilhelm II. hat sich zum Tee in ihrer Villa in Heringsdorf angekündigt. So ist es jedenfalls überliefert aus der Zeit Ende des 19. Jahrhunderts, als der reiselustige Kaiser das Seebad Heringsdorf auf der Insel Usedom für sich entdeckt hatte. Er war allerdings nicht der erste Hohenzollernherrscher auf der Ostseeinsel. Schon sein Urgroßvater Friedrich Wilhelm III. von Preußen besuchte 1820 mit Familie das damals noch namenlose Fischernest. Der örtliche Gutsbesitzer bat den mitgereisten Kronprinzen, dem Dorf einen Namen zu geben. Wegen des strengen Geruchs, der in der Luft lag, sagte der Prinz: „Nennen wir es doch einfach Heringsdorf.“

 

Schon wenige Jahrzehnte später verwandelte sich das trostlose Fischerdorf zum schmucken Seebad,  in dem sich die feine preußische Gesellschaft ein Stelldichein gab. Viele ließen sich stattliche Villen bauen, manche als originalgetreue Kopie ihres Berliner Domizils. Von dem gewaltigen Aufschwung profitierten auch die Heringsdorfer Nachbarorte Ahlbeck und Bansin. So entstand zwischen den drei Kaiserbädern mit 8,5 Kilometern Länge die längste Strandpromenade Europas.

Heute strömen jedes Jahr Tausende Touristen auf die Insel, genießen das mit mehr als 1.900 Sonnenstunden pro Jahr sonnenreichste Fleckchen Erde in ganz Deutschland. Und staunen immer wieder über die Schönheit der unzähligen Villen. Hier liegen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dicht beieinander. Wie in einer Spielzeugstadt für ein kaiserliches Kinderzimmer reiht sich an der Promenade  zwischen Ahlbeck und Bansin Villa an Villa. Für jeden Geschmack ist etwas dabei: Die Villa Oppenheim mit ihrem prächtigen, von korinthischen Säulen getragenen Portikus und der klaren, klassizistischen Fassade passt zur Postmoderne. Die Villa Oechsler, in sattem Kaisergelb gehalten, könnte auch in Schönbrunn stehen. Und die Villa Astrid ist in ihrem Zuckerbäckerstil so niedlich, dass man ihr am liebsten in die entzückenden Muschelverzierungen kneifen würde.

Zunächst wurde Usedom scherzhaft als „Badewanne Berlins“ bezeichnet. Nach der Wende 1989 entdeckten die Menschen in der Hauptstadt ihre Badewanne wieder. Und diesmal nicht nur die Reichen und Schönen. Unterkünfte auf Usedom sind inzwischen in allen Preisklassen erhältlich. Die Ostsee-Insel steht bei den Berlinern auch deshalb so hoch im Kurs, weil sie in wenigen Stunden mit Auto oder Bahn erreichbar ist. Per Flugzeug ist Usedom aber auch für Touristen aus dem westdeutschen und süddeutschen Raum näher gerückt. Mit  der Airline OLT oder mittlerweile auch mit Air Berlin geht es von neun Abflughäfen blitzschnell auf die Sonneninsel.