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Seat Ateca: Spät kommen und abräumen

Auch Seat ist jetzt auf den SUV-Geschmack gekommen – mit dem neuen Ateca. Unser Auto-Tester Heinrich Rohne hatte bereits die Möglichkeit, diesen spanischen Neuling zu fahren und hat dabei so einiges entdeckt.

SUVs bleiben im Trend, sind nach wie vor das am stärksten wachsende Segment. Und ein Ende ist nicht in Sicht, prognostizieren die Experten. Diesem Boom will jetzt auch Seat nicht länger tatenlos zusehen und kontert mit dem Ateca - und fährt gut damit. Denn nie zuvor in der Firmengeschichte der Spanier haben mehr als 5.000 Kunden bereits „blind“ bestellt, das heißt, gekauft, ohne den Wagen auch nur einen Meter bewegt zu haben.

Das erste SUV aus dem Hause Seat kommt zwar spät, doch der Ateca – der Name entstammt einer spanischen Stadt - hat das Zeug wie schon damals das VW-Basismodell Tiguan, das Feld von hinten aufzurollen. Vor allem der asiatischen und französischen Konkurrenz will Seat mit seinem jüngsten Spross Paroli bieten. Um beispielsweise gegen den Nissan Qashqai einen Stich zu machen, hat Seat bewährte VW-Technik neu eingekleidet. So zeigt sich der stolze Spanier optisch betont kantig, ganz nach Art des Hauses, und erinnert in der Linienführung an den Leon. Als Besonderheit ließen sich die Designer LED-Tagfahrleuchten einfallen, die auch gleichzeitig die Funktion des Blinkers übernehmen. Und als sogenanntes „Welcome-Light“ schickt ein Lichtspot unter dem Außenspiegel Signatur und Namen des Autos auf den Straßenbelag, sobald man die Türen entriegelt hat.

Manch einer hätte sich zwar einen mutigeren Erstaufschlag aus Matorell gewünscht, der Ateca wirkt trotzdem aus jeder Perspektive gekonnt gezeichnet und deutlich lebendiger als seine Wolfsburger Kollegen. Gut, dass die flotte Form keine Kompromisse beim Platzangebot fordert. So hat es im 4,36 Meter langen Ateca – der neue Tiguan misst 4,50 Meter - auch für einen großen Kofferraum gereicht: Wer sich mit Frontantrieb begnügt, kann bis zu 510 Liter Gepäck mitnehmen, im Allradmodell sind es noch 485 Liter. Maximal sind gar bis zu 1.604 Liter drin. Optional steht eine elektrische Heckklappe mit Gestensteuerung zur Verfügung. Sie lässt sich mit einem Fußschwenk nicht nur berührungslos öffnen, sondern auch wieder schließen. Zudem geben Sitzposition und Raumgefühl keinen Anlass zu Kritik. So sind Erwachsene selbst hinten mehr als ordentlich untergebracht.

Richtig modern gestaltet ist der Innenraum. Das Cockpit erinnert an den Leon, wirkt aber frischer und hochwertiger. Die Bedienung wie immer kein Problem bei den VW-Gewächsen, jeder Knopf und Schalter ist brav dort, wo man ihn vermutet. Das Cockpit neigt sich dem Fahrer zu, ist funktional, übersichtlich und ohne Firlefanz. Einziges Gimmick: Die rote Schrift auf dem Starterknopf pulsiert, sobald man ins Auto einsteigt.

Und was hat der neue Seat unter der Haube zu bieten? Zum Verkaufsstart zunächst einen Benziner mit 150 PS und zwei Diesel mit 150 und 190 PS. Dieser starke 2,0-l-Selbstzünder ist gekoppelt mit Allrad und Doppelkupplung – mehr geht beim Ateca derzeit nicht. Schon auf den ersten Metern fällt auf, dass dieser Diesel leichtes Spiel mit dem rund 1,5 Tonnen leichten Seat hat. Spielerisch beschleunigt er das SUV, bleibt akustisch gut gedämmt im Hintergrund. Dazu passt die vergleichsweise komfortable Auslegung des Fahrwerks. Anders als beim Leon verzichtet Seat auf ein Verstellfahrwerk – wirklich vermissen wird es wohl keiner. Trotzdem gehört der Seat zu den dynamischen Vertretern seiner Zunft, mit präziser Lenkung und wenig Seitenneigung macht er sogar auf Landstraßen eine Menge Spaß.

Eine gute Empfehlung ist auch der 1.4 TSI mit 150 PS. Der Vierzylinder-Turbobenziner passt hervorragend, entwickelt sein maximales Drehmoment von 250 Newtonmeter schon bei 1.500/min, läuft extrem ruhig und geschmeidig. Noch in diesem Jahr kommen dann der Einsteiger, der 1.0 TSI Dreizylinder mit 115 PS, und der 1.6 TDI mit 115 PS dazu. Und der Ateca kann noch anders.:Die Spanier sind nämlich stolz darauf, dass ihr erstes SUV auch im Gelände taugt, auch wenn sich wohl kaum einer seiner Käufer wirklich in unwegsames Gelände verirren wird.

Mit auf seinen vermutlich erfolgreichen Weg hat der Seat Ateca zudem ein breites Angebot an Assistenten bekommen. Dazu gehören unter anderem ein Stauassistent, der im Stop-and-go allein bremsen und wieder anfahren kann, Abstandstempomat, Ausparkassistent und eine Übersicht, die das Auto beim Parken von oben zeigt. Neu ist ein Notfallassistent: Bleibt der Fahrer eine bestimmte Zeit inaktiv, wird er optisch, akustisch und schließlich über einen Bremsruck gewarnt. Zeigt er dann keine Reaktion, bremst der Ateca bis zum Stillstand, bleibt dabei in der Spur, aktiviert das Warnblinklicht zieht die Handbremse an. Und wer keine Lust mehr hat, selbst einzuparken, auch dies regelt die Elektronik. Seats jüngste Schöpfung ist nicht nur das erste SUV des Hauses, sondern auch das erste Modell, das selbstständig in die Lücke setzt – längs wie quer zur Fahrbahn.

In Sachen Konnektivität bedient sich Seat aus dem Modularen Infotainment Baukasten der zweiten Generation des Konzerns. Sämtliche Smartphone-Betriebssysteme lassen sich problemlos mit dem Auto verknüpfen. Außerdem gibt es eine kabellose Ladeschale fürs Handy.

Spät kommen und dann alles abräumen? Das wird dem Ateca wohl in bester Tiguan-Tradition gelingen. Charmantes Format, eigene Akzente auch beim Fahrgefühl, viel Platz und der Einstiegspreis ab 19.990 Euro (für den kleinen Dreizylinder Ende des Jahres) machen den Seat zu einer erfrischenden Alternative. Aus diesem Stoff werden Verkaufserfolge gestrickt.

QUELLEN:

  • Fotos: Seat
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