Jeep Compass: Spät - aber rundum überzeugend

Mit der Neuauflage des kompakten Jeep Compass hat sich der Fiat-Chrysler-Konzern reichlich Zeit gelassen. Stolze elf Jahre hat sich das Vorgängermodell auf dem Markt gehalten, jetzt geht die Baureihe als komplette Neuentwicklung an den Start. Unser Auto-Tester Heinrich Rohne hat sich diesen Neuling mal etwas genauer angeschaut.

In der Tat könnte der Sprung nach vorn kaum größer sein. Zwar sind die Abmessungen mit einer Länge von 4,39 Metern und 1,64 Meter Höhe ähnlich geblieben, nur die Breite hat mit 1,87 Metern deutlich zugelegt. Doch der Compass fühlt sich an, als hätte er mindestens eine Generation übersprungen.

Und damit unterstreicht er die Premium-Ambitionen, die sich stilistisch in der Nähe zum Spitzenmodell Grand Cherokee manifestieren. So stechen in der Front ein schmaler Kühlergrill mit den charakteristischen sieben Schlitzen, dazu zusammengekniffene Hauptscheinwerfer mit LED-Leuchtband ins Auge. Interessant ist auch die Seitenansicht, wo sich viele Gemeinsamkeiten mit dem Renegade finden lassen. So zum Beispiel die Form der Radhäuser, aber auch die zur C-Säule hin ansteigende Seitenlinie der Tür und das kleine Seitenfenster vor der D-Säule. Doch während der Renegade hinter der Achse abrupt endet, wurde dem neuen Jeep Compass ein langes, rundliches Kombi-Heck angeschneidert. Das Heckdesign könnte durchaus als Mischung zwischen Cherokee und Grand Cherokee durchgehen.

Fakt ist: Dieses Auto will nach oben

Und dabei dürften es widrige Fahrbahn- und Bodenverhältnisse kaum aufhalten: Der Compass, der sich seine Plattform mit dem kleineren Renegade teilt, profiliert sich abseits befestigter Wege mit geradezu unglaublichem Klettervermögen – jedenfalls dann, wenn die „Trailhawk“-Variante gewählt wurde, die mit erhöhter Bodenfreiheit und Geländeuntersetzung aufwartet. Bei den Einstiegsversionen „Sport“, „Longitude“ und „Limited“ liegt der Schwerpunkt eher auf Design, Komfort und Praktikabilität.

Der Premium-Charakter des neuen Compass manifestiert sich auch im Interieur: Die Material- und Farbkonzepte unterscheiden sich je nach Modellvariante deutlich. Insgesamt wirkt dieser Jeep hochwertig, obwohl die Formensprache konventionell bleibt. Das Raumangebot ist auf allen Plätzen großzügig – auch wenn die Vordersitze weit nach hinten geschoben werden, gibt es reichlich Auflade- und Ablagemöglichkeiten.

Und was bieten die Motoren?

Es werden ausschließlich Turboaggregate angeboten: Einstiegsmodell ist ein 1,4-Liter-Benziner mit 140 PS, darüber rangiert eine 170-PS-Variante des gleichen Motors, die ihre Kraft an alle vier Räder schickt. Zudem gibt es einen 1,6-Liter-Diesel mit 120 PS sowie einen 2,0-Liter-Diesel mit 140 PS. Mit dem Zweiliter-Diesel und 170 PS soll der neue Jeep Compass bis zu 194 km/h schnell sein und in zehn Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen, so die Werte für die Allrad-Variante mit Automatikgetriebe. Je nach Motorisierung können Sechsgang-Handschaltung oder ein von ZF zugelieferter Neunstufen-Automat spezifiziert werden, und es gibt sowohl Front- als auch Allradantrieb.

Das Fahrwerk des neuen Compass ist harmonisch und komfortabel abgestimmt, es ist jedoch auch für eine sportliche Gangart ausreichend straff. Der Aufbau lässt sich kaum aus der Ruhe bringen, für Dynamik-Exzesse ist dieser Jeep allerdings nicht ausgelegt. Das ist auch nicht die Aufgabe dieses rundum überzeugenden neuen Jeep-Modells, das übrigens in Mexiko vom Band rollen wird. Und das zu Preisen ab 24.900 Euro für die Basisversion „Sport“ mit Frontantrieb. Weiter geht es mit der 170-PS-Allradversion des 1,4-Liters, der mindestens 35.000 Euro kostet. Der 120-PS-Diesel mit Frontantrieb ist ab 26.100 Euro zu haben, der Zweiliter-Selbstzünder mit 140 PS in Kombination mit Allradantrieb kostet wenigstens 31.200 Euro, die 170-PS-Variante ist dann nicht unter 37.200 Euro zu haben.