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Alfa Romeo Giulia: Ein echter Knaller

Alfa Romeo leitet seine Modelloffensive mit einem Knall ein: Die Italiener schicken ihre neue Giulia wieder ins Rennen. Eine Geschichte, die 1962 begann und Alfa zu großem Ruhm verhalf. Unser Auto-Tester Heinrich Rohne hat die Chance beim Schopfe gepackt und erste Runden mit dieser faszinierenden Sportlimousine gedreht.

Aber das mit dem Ruhm ist ja bekanntlich vergänglich, wie auch leider die Entwicklung der traditionsreichen italienischen Autoschmiede zeigt. Denn die Verkaufszahlen sind doch ziemlich in den Keller gerutscht.

Doch jetzt wird wieder Gas gegeben. Sieben neue Modelle in den nächsten drei Jahren, Milliardeninvestitionen – bei Alfa geht es wieder rund. Und den Anfang macht eben die Giulia, die mit einem starken Design, starken Motoren und großen Emotionen an den Start geht. So richtig ladylike sieht sie allerdings nicht aus, die Giulia. Eher kräftig und aggressiv – das ist erste Eindruck der Limousine. Die bullig-maskuline Optik mit den vier kraftstrotzenden Posaunen am Heck verspricht in jedem Fall schon mal Aufsehen auf den Flaniermeilen.

Innen hat der neue Alfa mehr Platz als erwartet, die Sitze treffen auf Anhieb die goldene Mitte zwischen Komfort und Seitenhalt, die Bedienung überzeugt. Der narrensichere Dreh-Drücksteller in der Mittelkonsole lässt so manchen Touchscreen alt aussehen, dem DNA-Wahlschalter gelingt das durchaus stimmige Vorsortieren der drei Fahrprogramme, die großen Alu-Schaltpaddel ziehen Zeigefinger magisch an. Und die Anmutung ist auch äußerst hochwertig. Ein Auto, dem man auch im Inneren anmerkt, dass bei der Planung und der Konstruktion eine Menge Herzblut mit eingeflossen sind.

Kommen wir zu den Motoren. Hier stehen zunächst drei Diesel zur Verfügung – mit 2,2 Liter Hubraum und 135, 150 und 180 PS. Als zunächst einziger Benziner ist vom Start weg der Super-Sportler Quadrifoglio Verde mit knackigen 510 PS dabei. Aber keine Bange, liebe Alfisti, da kommt noch mehr: Ein Zweiliter-Turbo mit 200 und 280 PS und noch ein weiterer Diesel folgen in Kürze. Aber starten wir mit dem 180 PS starken Diesel. Auf unterschiedlichstem Geläuf von der Überland-Rüttelpiste bis zu langen Autobahnstrecken zeigt der Diesel seine Stärken. Zum Beispiel einen viel versprechenden Federungskomfort, nachhaltige Bremsen, 450 Nm Drehmomentschub schon bei 1.750 Touren, eine mitteilsame Lenkung und ein hohes Maß an fahrdynamischer Souveränität.

Die Giulia mit dem 2,2-Liter-Diesel ist eine sauber ausbalancierte und in sich gefestigte Sportlimousine. Der Sprint von 0 auf 100 km/h in nur 7,1 Sekunden ist überzeugend, auch die Zusammenarbeit mit der Achtstufen-Automatik klappt reibungslos und die Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h stellt der Windschnittigkeit ein gutes Zeugnis aus. Der Verbrauch? Im Schnitt erfreulich bescheidene 4,2 Liter.

Und der Super-Sportler? Dieser Quadrifoglio Verde hat es in der Tat faustdick hinter den Ohren, macht mit seinen 510 PS nicht nur richtig Eindruck, sondern bringt die ungeheure Power dank Sportfahrwerk, Sperrdifferenzial, Torque Vectoring und Breitreifen auch sauber auf den Asphalt. Wenn alles passt, düst das Auto in nur 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h und hört erst bei 307 km/h auf. Den Normverbrauch von 8,5 Liter darf man zwar getrost ins Reich der Fabel verweisen, aber dafür brennt der drehfreudige 2,9-Liter-V6 ein echtes Feuerwerk ab. Die Konsequenzen aus dieser gelungenen Fahrdynamik-Melange fasst man am besten als vertrauensbildende Maßnahme zusammen. Egal, wie ausgeprägt die Richtungsänderung auch ist, das Heck lenkt dank Sperrdifferenzial und aktivem Torque-Vectoring willig ein, bleibt dann lange stoisch ruhig und kündigt mit einem ganz leichten Tänzeln das Herannahen des Grenzbereiches an. Die Giulia liegt so ruhig in der Hand des Piloten, dass man bald den Fahrerlebnis-Schalter von „Dynamic“ auf „Race“ stellt. Da ist alles noch eine Spur schärfer und das ESP greift nur im äußersten Notfall ein. Doch die Giulia stellt den Fahrer auch dann nicht vor unlösbare Probleme. Per Knopfdruck straffen sich die Dämpfer, ohne knochig unkomfortabel zu werden. Eben ein echter Sportwagen. Dafür müssen dann allerdings auch 71.800 Euro hingeblättert werden, aber immerhin 800 Euro weniger als für einen BMW M3.

Bei weniger als die Hälfte ist allerdings auch schon eine Giulia zu haben - nämlich ab 33.100 Euro die Variante mit dem 136-PS-Diesel. Ab 34.100 Euro ist man bei der 150-PS-Variante dabei und der 180 PS starke Selbstzünder kostet wenigstens 37.400 Euro. Der Aufpreis für die Achtgang-Automatik beträgt 2.250 Euro.

Und was gibt es außer PS noch an Ausstattung? Bereits in der Basisversion fährt der Alfa Romeo Giulia mit einem Kollisionswarnsystem mit autonomer Notbremsfunktion, Spurhalteassistent, Tempomat mit Geschwindigkeitsbegrenzung, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, Zweizonen-Klimaautomatik, Fahrdynamikregelung und einem Touchscreen-Infotainmentsystem mit 6,5 Zoll großem Bildschirm vor. In der Ausstattung Super kommen unter anderem mit einer Leder/Stoff-Kombination bezogene Sitze, Fensterrahmen mit Zierleiste in Chrom-Optik, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen sowie das Fahrzeuginformations-Center mit 7-Zoll-Bildschirm und Parksensoren hinten dazu. Das Topmodell Quadrifoglio bringt Sportsitze mit Bezügen aus Leder/Alcantara-Mix, ein Sportlenkrad, Motorhaube und Dach aus Kohlefaserlaminat, Carbonapplikationen, Totwinkel-Assistent, Rückfahrkamera, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit dynamischem Kurvenlicht und LED-Tagfahrlicht mit.

Die sportlich-elegante Giulia ist also gut gerüstet für einen Alfa-Neustart.

QUELLEN:

  • Fotos: Alfa Romeo
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