"Party machen" - Teens unterwegs

So mit 13, 14 Jahren packt den Nachwuchs die Aufbruchstimmung: Kinos, Cafes und Discos locken und nicht immer sind die Eltern darüber begeistert. Häufig kommt es sogar zum Streit, wenn das große Handeln beginnt und die Eltern Verbote oder zumindest starke Zeitfenster aussprechen. Doch gibt es nicht auch gesetzliche Regelungen?

Nach deutschem Grundgesetz ist die Pflege und Erziehung der Kinder das natürliche Recht der Eltern und auch ihre Pflicht! Dabei sind den Eltern bei der Erziehung natürlich Grenzen gesetzt. Und es soll partnerschaftlich erzogen werden, d.h., dass man mit seinem Kind darüber reden soll, warum welche Entscheidung getroffen wird und ob es nicht vielleicht eine andere – einvernehmliche – Lösung gibt. Und da das Ganze unglaublich schwierig und zudem sehr konfliktbeladen ist, gibt es zur Orientierung für Kinder, Jugendliche und Eltern eine Broschüre vom Bundesjustizministerium, die darüber aufklärt, was in welchem Alter erlaubt ist, was nicht bzw. wo es empfohlene Altersfristen gibt. Denn es ist immer hilfreich, wenn man seine Rechte und Pflichten kennt.

Zunächst einmal muss man wissen, dass es kein „Gesetz über die Kindererziehung“ gibt. In erster Linie haben die Eltern die Verantwortung für ihr Kind. Das ist bereits im Grundgesetz verankert. Eltern haben damit bei der Erziehung ihres Kindes zwar einen großen Spielraum, können aber dennoch nicht alles machen, was sie wollen. Der Staat greift vor allem dann in die Familie ein, wenn die Eltern ihr Erziehungsrecht missbrauchen und das Wohl ihres Kindes in Gefahr ist.

Das Jugendschutzgesetz liefert Eltern eine Orientierungshilfe für die verantwortungsbewusste Erziehung ihrer Kinder. So werden gerade brenzlige Themen wie das Ausgehen von Jugendlichen in Discos, Spielhallen und Gaststätten sowie der Konsum von Zigaretten und Alkohol verbindlich per Gesetz geregelt. Die meisten Jugendlichen (aber auch viele Eltern!) wissen gar nicht genau, wie lange sie wo abends unterwegs sein dürfen und was dann vom Jugendschutzgesetz (JuSchG) her erlaubt ist und was nicht. Deshalb hier ein kleiner Überblick über die Gesetzeslage bzw. was halt nicht gesetzlich geregelt ist:

Es gibt keine Bestimmungen vom Jugendschutzgesetz her, wie lange sich Kinder und Jugendliche draußen aufhalten dürfen – das besprechen Eltern mit ihren Kindern ganz alleine. ABER: Das JuSchG beschränkt den Aufenthalt an bestimmten öffentlichen Orten, z.B. in Gaststätten. Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren dürfen sich allein nur bis 23 Uhr dort aufhalten und auch nur, um etwas zu essen oder zu trinken (§ 4 JuSchG). 16- bis 18-Jährige ist ein Aufenthalt bis 24 Uhr erlaubt. Als Ausnahme gilt, wenn sie an einer Veranstaltung eines anerkannten Trägers der Jugendhilfe (z.B. Kirchengemeinde) teilnehmen. Außerdem: Findet der Aufenthalt des Kindes bzw. des Jugendlichen in einer Gaststätte während einer privaten Veranstaltung (z.B. einem Familienfest) statt, wird erneut die Entscheidung darüber, ob und wie lange das Kind dort bleiben darf, von den Eltern getragen.

Ganz verboten ist Kindern und Jugendlichen die Anwesenheit in öffentlichen Spielhallen, in Nachtbars sowie in Etablissements, die als jugendgefährdend anzusehen sind (z.B. Bordelle).

Wenn Jugendliche das Tanzfieber packt, gibt es klare gesetzliche Regeln: Unter 16 Jahren dürfen Teenager nicht alleine auf eine öffentliche Tanzveranstaltung! Mit 16 und 17 Jahren längstens bis 24 Uhr. Auch hier gilt die Ausnahme, wenn es sich um eine Veranstaltung eines anerkannten Trägers der Jugendhilfe handelt: Kinder unter 14 Jahren dürfen dann ausnahmsweise bis 22 Uhr und Jugendliche unter 16 Jahren bis 24 Uhr mittanzen (§ 5 JuSchG).
Übrigens: Im Alter von 16 Jahren können Jugendliche einen Personalausweis beantragen. Dieser muss vorgezeigt werden, wenn man in Clubs, Bars, Discos usw. gehen möchte. Ohne Personalausweis – kein Disco-Besuch!

Auch Kinobesuche und andere öffentliche Filmveranstaltungen unterliegen dem JuSchG! Zum einen dürfen Kinder und Jugendliche nur solche Filme sehen, die für ihr Alter freigegeben sind, zum anderen müssen sie sich ggf. in Begleitung eines Erwachsenen befinden (§ 11 JuSchG). Kinder unter 6 Jahren in diesem Fall generell, 6- bis 13-Jährige brauchen eine zumindest „erziehungsberechtigte“ erwachsene Begleitung, wenn der Film nach 20 Uhr endet. Jugendliche zwischen 14 und 15 Jahren benötigen eine solche Begleitung nur, wenn der Film nach 22 Uhr endet und für Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren gilt dies, wenn der Film erst nach 24 Uhr aus ist.

Coole, uncoole, verantwortungslose oder verantwortungsbewusste Eltern
Das JuSchG dient nicht dazu, Kinder und Jugendliche herumzukommandieren. Es ist zu ihrem Schutz erschaffen worden! Klar gibt es immer wieder Eltern, die die Bestimmungen des JuSchG nicht so genau nehmen und ihren Kindern – ob bewusst oder unbewusst – Sachen erlauben, die eigentlich verboten sind. Wenn dies geschieht, kann sich jedoch kein Jugendlicher darauf vor Gesetzeshütern oder Veranstaltern berufen! Vor allem Gewerbetreibende und Veranstalter werden sich hüten, gegen das JuSchG zu verstoßen, denn dann drohen ihnen schmerzhafte Bußgelder. Und es ist kein schöner Gedanke, dass sein Kind aus der Disco geschmissen wird und dann nachts allein umherirrt, oder? Umgekehrt sind Eltern aber nicht verpflichtet, den Ausgang so lange zu erlauben, wie es das Gesetz zulässt. Sie könnten auch bestimmen, dass 16-Jährige um 20 Uhr heimkommen müssen. In solchen Situationen ist es am besten, miteinander zu reden. Man könnte dann zum Beispiel vereinbaren, dass die Ausgehzeiten nach und nach verlängert werden oder zumindest Ausnahmen möglich sind, wenn die Zeiten zuverlässig eingehalten werden.

Zuletzt wollen wir noch die Themen Alkohol und Rauchen aufgreifen, die in der Regel häufig zum Party machen dazugehören:

Zwischen 16 und 18 Jahren: Die Abgabe bzw. der Verzehr von NICHT branntweinhaltigen Getränken und Lebensmitteln (z.B. Wein, Bier o.ä.) ist erlaubt. Ist in einer Gaststätte ein personensorgeberechtigter Erwachsener dabei, sinkt die Altersgrenze auf 14 Jahre. Achtung: Die meisten Alkopops (alkoholhaltige Mixgetränke) zählen NICHT dazu, da ihr Alkoholanteil zu hoch ist, sie sind dementsprechend gekennzeichnet! Und was viele nicht wissen: Rauchen ist laut JuSchG unter 18 Jahren verboten! Das bezieht sich sowohl auf die Abgabe (also den Verkauf) als auch den Konsum – übrigens auch von E-Zigaretten.

Ab 18 Jahren gibt es keine „Sperrstunde“ mehr und die große Freiheit beginnt! Doch neben vielen Rechten, die mit dem Alter einhergehen, gibt es auch einige Pflichten, die dazukommen. So ist man z.B. fortan für sein Handeln voll verantwortlich, und die, die bereits über ein Einkommen verfügen, müssen Steuern zahlen.

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